FPÖ-Abgeordneter bei rechtsextremen Geschichtsfälschern

von Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

 

 

Anfang Juni hielt die rechtsextreme Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) ihren Jahreskongress in Kirchheim (Thüringen) ab. Die seit 2010 vom Österreicher und Aula-Chefredakteur Martin Pfeiffer angeführte Organisation versteht sich selbst "als Dachverband der Verlage und Autoren, die sich der Meinungsfreiheit verschrieben haben".

Gemeint ist damit Propagandafreiheit für völkische bis neonazistische Umschreibung der Geschichte, wie die Liste bisheriger EmpfängerInnen der im Rahmen des Kongresses vergebenen "Ulrich-von-Hutten-Medaille" illustriert: sie ist ein Who-is-Who rechtsextremer Politik und Geschichtsfälschung, wobei Letztere bis hin zur Holocaustleugnung oder zu Darstellungen des Zweiten Weltkriegs als Ergebnis jüdischer Kriegserklärungen gegen Deutschland reicht. Mit Vorliebe ausgezeichnet wurden Personen, die sich einst möglichst nahe an den Zentren nationalsozialistischer Macht befunden (und vom dort eingeübten Denken nie verabschiedet) hatten – wie etwa Helmut Sündermann (ehemaliger stellvertretender "Reichspressechef"), Anneliese von Ribbentrop (Witwe von NS-Außenminister Joachim von Ribbentrop), Wilfred von Oven (einst hochrangiger Mitarbeiter von Joseph Goebbels), Heinrich Härtle (im Stab von Alfred Rosenberg).

Noch 2007 wurde der NS-Kriegsverbrecher und SS-Offizier Erich Priebke von der GfP ausgezeichnet. Aber auch das Verfassen oder Verlegen Holocaust-leugnender Literatur, Verurteilungen wegen Volksverhetzung oder hochrangige NPD-Ämter scheinen als Referenzen für die Preisvergabe zu gelten. Nach GfP-Eigenangabe werden mit dem Preis Personen geehrt, die sich "besonders stark für die Freiheit der Meinungsäußerung und die historische Wahrheit in der Zeitgeschichte eingesetzt" haben. Auf dem heurigen Jahreskongress wurde, erstmals seit Otto Scrinzi 2011, ein Österreicher ausgezeichnet: der LeserInnen der "Neues von ganz rechts"-Rubrik seit langem bekannte pensionierte Wiener Mittelschullehrer Walter Marinovic.

 

Ankündigung des Jahreskongresses der GfP in der Aula

Bemerkenswerter erscheint jedoch die prominente Rolle eines weiteren Österreichers auf der Veranstaltung: mit Johannes Hübner hatte immerhin ein österreichischer Nationalratsabgeordneter (FPÖ) den Weg nach Kirchheim gefunden – und verschaffte damit dem Geschichtsfälscher-Treffen und den dort vertretenen Thesen eine selten erfahrene symbolische Aufwertung. Laut Veranstaltungsbericht in der Juni-Aula (S. 56 f.) unterrichtete Hübner die TeilnehmerInnen der "[o]ffene[n] Aussprache ohne politische Tabus" über den "wendungsreichen Verlauf der österreichischen Asylkrise".

Mit seinen Schilderungen habe Hübner das "allzu idyllische[ ] Bild von Österreich" erschüttert, das unter deutschen Rechtsextremen vorherrsche. Nur bei oberflächlicher Betrachtung erscheine das Land als "Hort der Meinungsfreiheit". Eine Bildunterschrift würdigt Hübner, nebenberuflich auch Gesellschafter des W3-Verlags (Wochenzeitung Zur Zeit), als "[b]egeisternde[n] Vortragende[n]".

Österreich-Bezug wies auch der nach Hübner auf dem Programm stehende Redner auf: der Bonner Stadtrat Christopher von Mengersen, aktuell auch Vorstandsmitglied der GfP, war heuer am Wiener (FPÖ-)Akademikerball zu Gast gewesen (siehe: FPÖ-Akademikerball (wieder) mit Gästen von rechts außen). Unter den weiteren Vortragenden befanden sich u. a. der rechtsextreme Verleger (Druffel & Vowinckel) Gert Sudholt und der pensionierte Bundeswehr-Offizier Bernd Schwipper, der für seine Apologie des nazideutschen Feldzugs gegen die Sowjetunion als Präventivschlag jüngst hymnisches Lob in "revisionistischen" Kreisen geerntet hatte. Der Kongress schloss stil- und milieugerecht mit dem Absingen des Deutschlandliedes.