Die FPÖ und das "freiheitliche Magazin"

vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Aus Anlass des jüngsten Aula-Skandals (siehe: Freibrief für Hetze und NS-Apologie) sah sich die FPÖ-Spitze einmal mehr bemüßigt, darauf hinzuweisen, dass es sich beim rechtsextremen Wochenblatt aus Graz nicht um ein offizielles FPÖ-Organ handle. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Tatsächlich kann die Aula mehr denn je als korporiertes (inoffizielles) Vorfeldorgan der FPÖ bezeichnet werden, was sich auch an der Tatsache zeigt, dass im letzten Halbjahr fast die Hälfte der Inserate von der Mutterpartei bezahlt wurde.

Diese Stellung hatte die Aula bereits ab 1986, nachdem die Burschenschafter-Fraktion Jörg Haider an die FPÖ-Spitze geputscht hatte. Jedoch war es ausgerechnet Haider, der Mitte der 1990er-Jahre wieder auf Distanz zur Aula ging, nachdem diese sich u. a. der Holocaustleugnung schuldig gemacht hatte. Auch war Haiders damaliges Abrücken von der "Deutschtümelei" nicht gerade dazu angetan, die Beziehungen zwischen FPÖ und deutschnational Korporierten bzw. der Aula friktionsfrei zu gestalten. Insbesondere die Streichung des Bekenntnisses zur "deutschen Volksgemeinschaft" im FPÖ-Parteiprogramm von 1998 sorgte für kollektives Murren an der korporierten Basis.

Obwohl sich das "freiheitliche Magazin" (Eigenbezeichnung) in der Folge und unter der "Schriftleitung" von Otto Scrinzi und Martin Pfeiffer (seit 2004) weiter radikalisierte, hat Heinz-Christian Strache bereits 2003 bekräftigt, dass die Aula in ihm "immer einen verlässlichen Ansprechpartner finden [wird]". (Die Aula 7-8/2003, S. 6) Dementsprechend gering wurden in der Folge die Berührungsängste von FPÖ-Kadern und -MandatarInnen, die fortan wieder regelmäßig mit Interviews und auch Artikeln vertreten waren.

Und zum 60-jährigen Bestehen der Aula gratulierten dem rechtsextremen Magazin Ende 2011 neben Strache u. a. Barbara Rosenkranz, Johann Gudenus, Manfred Haimbuchner, Armin Sippel, Georg Mayer, Udo Landbauer, Mario Eustacchio und Detlef Wimmer. Das 1998 gestrichene Bekenntnis zur "deutschen Volksgemeinschaft" war ja ein paar Wochen zuvor wieder ins FPÖ-Parteiprogramm aufgenommen worden, was der dafür maßgeblich verantwortliche FPÖ-Vizeobmann Norbert Hofer gegenüber der Aula als Rücknahme des Haiderschen "Kniefall[s]" bezeichnete. (Die Aula 6/2011, S. 8)

Vor allem aufgrund anhaltender antisemitischer Agitation sorgt die Aula immer wieder für Kritik und Empörung. Auch mit NS-Apologie macht man von sich reden, manchmal werden dabei auch die Grenzen zum "Revisionismus" überschritten oder eindeutige politische Statements in Form des Vertriebs von NS-Literatur abgegeben. Zudem werden (verurteilte) Neonazis zustimmend als "Volkstumskämpfer" oder "Nationale" verharmlost.

Im April 2009 veröffentlichte das von den Freiheitlichen Akademikerverbänden (FAV) herausgegebene Monatsblatt ein Interview mit dem zu Lebzeiten wohl bedeutendsten Kader der deutsch-österreichischen Naziszene, Herbert Schweiger (siehe: Neonazis(mus) in der Aula)

Kurz darauf sah man seitens der freiheitlichen Akademiker in der neuerlichen Verurteilung des Holocaustleugners Gert Honsik im April 2009 ein "Lehrbeispiel, wie es in Österreich um die Meinungsfreiheit bestellt ist". Dem in der Aula schon zuvor abwechselnd als "Dichter" und "Dissident" gewürdigten Neonazi sollte offenbar "ein kurzer Prozeß gemacht werden". Angesichts weiterer drohender Verfahren befürchtete die Aula, Honsik werde "für gewaltlose Meinungsäußerungen, die teilweise mehr als ein Vierteljahrhundert zurückliegen", lebenslang weggesperrt bleiben. (Die Aula 5/2009, S. 22)

So wie einige Burschenschaften erfüllt auch die Aula die Funktion eines Scharniers zwischen dem parteiförmigen Rechtsextremismus und dem Neonazismus. Sie berichtet nicht nur wohlwollend über die neonazistische Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), sondern räumt ihr auch ausführlich Platz zur Selbstdarstellung ein. Im April 2008 konnte etwa Jürgen Gansel, damals NPD-Abgeordneter in Sachsen, seiner entschiedenen Ablehnung "der Überfremdung durch kultur- und rassefremde Menschen" Ausdruck verleihen (siehe: Nationalisten im freiheitlichen Magazin Aula) Zuletzt wurde im Mai 2015 dem NPD-Führungskader Karl Richter Raum für seine wüst antisemitischen Ausfälle gegeben, NPD-Vorsitzender Frank Franz durfte in diesem Heft auf zwei Seiten seine einschlägige Weltsicht darlegen (siehe: Neonazismus, Antisemitismus und Islamkritik im freiheitlichen Magazin).