Die Bodentruppen des Dialogs


Der "Peace Brunch" am 8. Februar im Stift Melk vereinigte verschiedene Religionsvertreter.  Der Terror der IS lässt zusammenrücken…

von Samuel Laster

 

Im Jahre 2010 hatte König Abdullah II von Jordanien die Idee zu einer "Woche der Vereinten Nationen zur Harmonie der Religionsgemeinschaften" in der UNO angeregt, die seitdem jährlich stattfindet. Der jordanische Botschafter in Österreich, Hussam Al Husseini, war zusammen mit dem Wiener Außenamt Gastgeber im Stift Melk bei einem "Peace-Brunch" am Sonntag.


Hussam Al Husseini (links)

Eingerahmt von spirituellen Gedanken eines Benediktinermönchs namens David Jakob Rast wurde ein Fragment einer Thora aus dem 14. Jahrhundert und eines Korans, der 1683 bei der Türkenbelagerung Wiens bei der Mölker Bastei gefunden wurde, stolz präsentiert.

 

Thora-Fragment aus dem 14. Jh.

Insgesamt waren Vertreter von acht in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaftten vertreten. Die jüdischen Gemeinden Österreichs vertrat Generalsekretär Fastenbauer, die Islamische Glaubensgemeinschaft Tarafa Baghajati, Altpräsident Anas Shakfeh und Wiens SPÖ-Gemeinderat Omar Al Rawi. Buddhisten, Hindus, Altkatholiken und Aleviten waren ebenfalls vertreten. Einträchtig wurden zwei Olivenbäume gepflanzt, so wurde in zwei Blumentöpfen dem zarten Pflänzchen „Dialog“ die Reverenz erwiesen. In Reden, die  eingerahmt von den musikalischen Darbietungen der Wiener Sängerknaben mit Wiens "Oberkantor" Shmuel Barzilai – wurde mehr Symbolisches  als Greifbares kundgetan.

Immerhin hatte der jordanische Botschafter zuvor klar Position gegen die Barbaren der IS bezogen, die einen gefangenen jordanischen Piloten vor wenigen Tagen bei lebendigem Leib verbrannten. Jordaniens Streitkräfte bombardieren seither Stützpunkte der IS. Einen baldigen Einsatz von Bodentruppen des haschimitischen Königreiches konnte und wollte Jordaniens Botschafter nicht ausschließen. "Gerade in solchen Zeiten sind solche Initiativen (Anm.: wie der Peace Brunch) besonders wichtig", betonte der Diplomat.

Ob und wie der angekündigte und in Reden beschworene Dialog weitergeht, war in Melk nicht auszumachen. Immerhin kam am Ende eines verschneiten Vormittags die Sonne in Niederösterreichs heimlicher Perle Melk zum Vorschein. Die Botschafter von Saudi-Arabien, Ägypten, Qatar sowie eine Diplomatin aus Malaysia, hatten mit ihrer Anwesenheit eine Botschaft senden wollen. Die Welt ändert sich und neue Allianzen sind möglich. Umso schmerzlicher wurde das Fehlen einer israelischen Vertretung greifbar. Zarte Andeutungen, einige positive Zeichen und ein mehrfaches Bekenntnis zum Dialog. Mehr war da nicht, aber man wird bescheiden.

 

die Jüdische, 09.02.2015