Österreichs Problem des radikalen Islam

Von BENJAMIN WEINTHAL 10. November 2014

Übersetzung: Maria Kallenberg

 

Benjamin Weinthal

Berlin -- Das kleine zentraleuropäische Land Österreich hat kürzlich Schlagzeilen wegen seiner Dschihad-Teenager gemacht, die zum Kämpfen nach Syrien gegangen sind. Aber Österreichs Problem des radikalen Islam geht über die Rekrutierung des Islamischen Staates von jungen österreichischen Männern und Frauen hinaus. Der Alpenstaat ist ein Zentrum des Extremismus geworden, der nicht nur Terrorismus des Islamischen Staates, sondern auch iranische Aktivitäten zur nuklearen Weiterentwicklung sowie aktive Unterstützung der Hamas mit einschließt.

Aktivität des Islamischen Staates in Österreich

"ISIS: Österreich ist Terror-Hotspot," lautete die Schlagzeile eines Interviews, das im September von der Zeitung Österreich online veröffentlicht wurde.

Im April verließen Samra Kesinovic, 17, und Sabina Selimovic, 15, zwei österreichische Mädchen, die von einer örtlichen Moschee radikalisiert worden waren, das Land, um sich dem Islamischen Staat in Syrien anzuschließen. Die Mädchen hinterließen Notizen in ihren Schlafzimmern, die lauteten: "Sucht nicht nach uns. Wir werden Allah dienen -- und wir werden für ihn sterben," gemäß der österreichischen Polizei.

Da sie ihre Entscheidung bereuten, versuchten die Mädchen im Oktober, nach Wien zurückzukehren. Von den Mädchen, die bosnischer Herkunft sind, wird nun angenommen, dass sie in Raqqah sind, der so genannten Hauptstadt des Islamischen Staates in Syrien. "Dschihad-Bräute" ist der Begriff, den einige Berichte benutzt haben, um den vermuteten Status der Mädchen als Ehefrauen von Kämpfern des Islamischen Staates zu beschreiben.

Dann im späten Oktober leugnete Sabina, dass sie nach Österreich zurückkehren wollte, und erzählte der französischen Zeitschrift Paris Match, dass sie in Syrien bleiben wolle, weil sie sich dort "frei" fühle. "Ich kann [hier] meine Religion ausüben," und, "in Wien konnte ich das nicht," sagte sie.

Österreichische Sicherheitsexperten glauben, dass sie mit Waffengewalt gezwungen wurde zu leugnen, dass sie gegen ihren Willen gefangen gehalten wird.

Vom österreichischen radikalen islamischen Prediger Mohammed Mahmoud, der eine Schlüsselfigur bei der Errichtung der zentraleuropäischen dschihadistischen Bewegung gewesen ist, wird auch angenommen, eine entscheidende Rolle bei der Errichtung des Islamischen Staates gespielt zu haben. "Mohammed M. aus Wien ist IS-Mitgründer,"  betitelte der Wiener Kurier seinen Bericht von Mitte Oktober. Die Zeitung gründete ihren Artikel auf einem neuen Buch von Behnam Said, einem Islam-Experten, dem auffiel, dass Mahmouds Name auf einem Dokument erscheint, das zur Unterstützung für den Islamischen Staat drängt.

Berichten zufolge hat die türkische Regierung Mahmoud im August im Austausch für türkische Geiseln, die vom Islamischen Staat gefangen gehalten wurden, aus der Haft entlassen. Nach der Rückkehr nach Raqqah heiratete Mahmoud Ahlam Al-Nasr, die so genannte "Dichterin des islamischen Staates." Mahmoud hatte seinen österreichischen Pass in einer öffentlichen Zurschausstellung, die gefilmt und dann ins Internet gestellt wurde, verbrannt.

In einer Emailantwort auf eine Medienanfrage des Long War Journal sagte Karl-Heinz Grundböck, ein Sprecher für Österreichs Innenministerium, dass "es gemäß gegenwärtigen Informationen ungefähr 150 Österreicher gibt, die als ausländische Kämpfer in Syrien kämpfen." "Mehr als 60" österreichische Kämpfer seien aus Syrien zurückgekehrt, sagte er. Grundböck leugnete rundweg, dass Österreich ein Zentrum dschihadistischer Aktivität ist.

In einem getrennten Fall von jugendlichem Dschihadismus im späten Oktober in Wien bot der Islamische Staat Mertkan G., einem 14 Jahre alten Jungen, 25.000 Dollar, um eine Serie von Bomben in Wien zu zünden. Gemäß Österreichs auflagenstärkster Tageszeitung, der Kronen Zeitung, plante Mertkan, der Sohn von türkischen Einwanderern, der acht Jahre in Österreich gelebt hat, den Westbahnhof zu bombardieren, und hatte Anweisungen aus dem Internet heruntergeladen, wie man Sprengstoffe montiert.

"Eine Attacke dieser Art hätte blutig geendet und viele tote Zivilisten verursacht,"  sagte ein österreichischer Terrorismusexperte. Mertkan, der geplant hatte, nach Syrien zu reisen, um sich dem islamischen Staat anzuschließen, ist momentan eingesperrt.

Im August verhafteten österreichische Behörden neun Tschetschenen, denen Asyl gewährt worden war, für den Versuch, sich für den Islamischen Staat in Syrien dschihadistisch zu betätigen Zwei der neun Tschectschenen hatten zweimal versucht, nach Syrien einzureisen. Ein 17 Jahre alter Junge und eine Frau sind unter den Mitgliedern der Tschetschenen-Gruppe.

"Wien hat als de facto-Basis für islamistische Extremisten aus dem südöstlichen Europa gedient; ein Ort, um dank Österreichs nachgiebiger Gesetze und schwacher Durchsetzungsmechanismen zu rekrutieren, Gelder zu sammeln und zu verstecken und zu radikalisieren," schrieb der ehemalige NSA-Geheimdienstanalytiker John Schindler, der eine tiefe Fachkenntnis über dschihadistische Aktivität in den Balkanländern und Österreich besitzt. "Es ist ein außergewöhnliches Terrorist oder radikaler Salafist in Bosnien, der keine Zeit in Österreich verbracht hat. Es sagt etwas, dass sich die berüchtigste Salafisten-Moschee in Wien direkt auf der anderen Straßenseite von einer Hauptmilitärbasis befindet, " setzte Schindler fort.

Bedeutsame Unterstützung für Hamas

Die österreichische Hauptstadt hat im Verlauf der Jahre auch bedeutsame Aktivität durch Hamas erlebt, eine radikale islamistische Organisation, die sowohl von der Europaïschen Union als auch den Vereinigten Staaten als terroristische Einheit bezeichnet wird. Im Jahr 2010 sprach Omar Al Rawi, ein sozialdemokratisches Mitglied des Wiener Stadtrates, auf einer erbitterten Anti-Israel-Kundgebung in der Stadt und rief zur "Fortsetzung des Kampfes" der neun Anti-Israel-Aktivisten auf, die auf dem Schiff Mavi Marmara getötet worden waren. Israel hatte das Schiff für seinen Versuch abgefangen, eine gesetzliche Seeblockade des von der Hamas regierten Gazastreifen zu durchbrechen. Die Anti-Israel-Kundgebung, die 10.000 Menschen einschließlich vieler Islamisten anzog, wies ein Schild auf, das "Hitler dazu aufrief, aufzuwachen."

Mitte Oktober veröffentlichte die Webseite zu Wiener Online-Nachrichten und Analyse Die Jüdische einen Artikel namens "IS bekämpfen, Hamas verdrängen." Gemäß dem Bericht des Chefredakteurs der Jüdischen, Samuel Laster, hat Österreichs Innenministerium einen Gipfel gegen "Hass und Hetze" abgehalten. Das Ereignis deckte vorbeugende Bemühungen in den Gebieten von Online-Radikalisierung, dem Entgegenwirken von ausländischen Kämpfern und Hassverbrechen ab.

Der muslimische Prediger Adnan Ibrahim hat den Islamischen Staat für das Töten von Muslimen kritisiert, aber die Hamas für das Ermorden von "Ungläubigen" und Israelis gelobt. Dennoch bezeichnete Carla Amina Baghajati, Sprecherin der islamischen Gemeinschaft in Österreich, ihn als "liberal," wie Die Jüdische berichtete.

Starke iranische Präsenz in Wien

Der Iran behält in Wien eine starke Präsenz bei; größtenteils, weil es das Hauptquartier des OPEC und der IAEA ist. Poröse Antiterror-Gesetze machen es iranischen Akteuren leicht, weiterhin Atom-Sanktionen auszuweichen.

2012 berichtete der Telegraph: "Wenigstens zwei Besuche in diesem Jahr nach Wien durch einen älteren Abteilungsdirektor sind Quellen zufolge dazu benutzt worden, Transaktionen im Wert von Millionen von Euros auszuführen. Westliche Amtspersonen haben bestätigt, dass der Beamte ein regelmäßiger Besucher der österreichischen Hauptstadt ist und seit 2007 jedes Jahr zu ausgedehnten Aufenthalten angereist ist."

Der ältere Abteilungsdirektor ist vom iranischen Zentrum für Innovation und technologische Zusammenarbeit. Das US-Finanzministerium hat sowohl den Akteur als auch das Zentrum für Innovation und technologische Zusammenarbeit illegalen Tätigkeiten zur nuklearen Weiterentwicklung zugeordnet.

Gemäß dem Telegraph brachte das Netzwerk des Akteurs Gelder nach Europa, die "Geldverleihern in Österreich, Deutschland und Italien übergeben wurden. Zahlungen des Netzwerks sind als Überweisungen auf Konten so weit entfernt wie Russland und China dokumentiert worden, um für Güter zu bezahlen, die anschließend in den Iran geschickt werden." Österreichs Innenministerium sagte, dass es "keine polizeiliche Untersuchung" in Zusammenhang damit gebe, dass Teheran angeblich versuche, sein finanzielles System zur Geldwäsche zu nutzen.

Österreichs Bericht des Inlandgeheimdienstes von 2012 gab an: "Im untersuchten Zeitraum wurden konkrete, für Weiterentwicklung relevante Aktivitäten in Zusammenhang mit Nordkorea und Iran beobachtet."

Herausfordernde Anti-Terror-Umgebung

Die sich drastisch ausbreitende Rekrutierung durch den Islamischen Staat und die Präsenz eines großen Menge an Unterstützung für Hamas stellen wesentliche Herausforderungen für Österreichs sich mühende Anti-Terror-Einrichtungen dar. Dennoch werden das ausgedehnte Netzwerk iranischer Geheimdienste, einschließlich Agenten, die 1989 in Wien einen Terrorangriff ausführten und straffrei blieben, Österreichs größte Terrorbedrohung auf absehbare Zeit bleiben. Die Wechselbeziehung unter den drei dschihadistischen Bewegungen -- Hamas, das iranische Regime und der Islamische Staat -- die sich in Österreich entwickelt, hilft zu erklären, warum Kritiker das verhältnismäßig kleine zentraleuropäische Land als eine Gefahrenzone ansehen.

Benjamin Weinthal berichtet für die Jerusalem Post über europäische Angelegenheiten und ist Mitglied der Stiftung zur Verteidigung von Demokratien. Follow Benjamin on Twitter@BenWeinthal

Ursprünglich publiziert in Longwarjournal


 

 

Austria's radical Islam problem

 

Berlin -- The small Central European country of Austria has recently made headlines because of its jihadi teenagers who have gone to fight in Syria. But Austria's radical Islam problem stretches beyond the Islamic State's recruitment of young Austrian men and women. The Alpine state has become a hub of extremism that includes not only Islamic State terrorism but also Iranian nuclear proliferation activities as well as active support for Hamas.

Islamic State activity in Austria

"ISIS: Austria is terror hotspot," ran the headline of an interview published in September by the Österreich newspaper's online news outlet.

In April, Samra Kesinovic, 17, and Sabina Selimovic, 15, two Austrian girls who had been radicalized by a local mosque, departed to join the Islamic State in Syria. The girls left notes in their bedrooms that said "Don't look for us. We will serve Allah--and we will die for him," according to Austrian police.

Regretting their decision, the girls sought in October to return to Vienna. The girls, of Bosnian background, are now believed to be in Raqqah, the Islamic State's so-called capital, in Syria. "Jihadi brides" is the term some reports have used to describe the girls' alleged status as wives of Islamic State combatants.

Then in late October, Sabina denied that she wanted to return to Austria, telling the French magazine Paris Match that she wished to stay in Syria because she feels "free" there. "[Here] I can practice my religion," and, "in Vienna I couldn't," she said.

Austrian security experts believe she was strong-armed into denying that she is being held against her will.

The Austrian radical Islamic preacher Mohammed Mahmoud, who has been a key figure in creating the Central European jihadist movement, is also believed to have played a crucial role in the establishment of the Islamic State. "Mohammed M. from Vienna is IS co-founder," the Vienna-based Kurier daily titled its mid-October report. The paper based its piece on a new book by Behnam Said, an expert on Islam, who noted that Mahmoud's name appears on a document urging support for the Islamic State.

The Turkish government reportedly released Mahmoud from custody in August in exchange for Turkish hostages held by the Islamic State. After returning to Raqqah, Mahmoud married Ahlam Al-Nasr, the so-called "poet of Islamic State." Mahmoud had burned his Austrian passport in a public display, which was filmed and then posted on the Internet.

In an email response to a Long War Journal media query, Karl-Heinz Grundböck, a spokesman for Austria's interior ministry, said that "according to current information there are approximately 150 Austrians" fighting as foreign combatants in Syria. "More than 60" Austrian fighters have returned from Syria, he said. Grundböck flatly denied that Austria is a hub of jihadist activity.

In a separate case of adolescent jihadism in Vienna in late October, the Islamic State offered $25,000 to Mertkan G., a 14-year-old boy, to detonate a series of bombs in Vienna. According to Austria's largest mass circulation daily, Kronen Zeitung, Mertkan, the son of Turkish immigrants who lived in Austria for eight years, planned to bomb the Westbahnhof train station, and had downloaded instructions from the Internet on how to assemble explosives.

"An attack of this kind would have ended bloodily and caused many casualties," an Austrian terrorism expert said. Mertkan, who had planned to travel to Syria to join Islamic State, is currently incarcerated.

In August, Austrian authorities arrested nine Chechens, who had been granted asylum, for attempting to engage in jihad for the Islamic State in Syria. Two of the nine Chechens had tried twice to enter Syria. A 17-year-old boy and a woman are among the members of the Chechen group.

"Vienna has served as the de facto base for Islamist extremists from southeastern Europe, a place to recruit, raise and hide funds, and radicalize, thanks to Austria's permissive laws and weak enforcement mechanisms," wrote former NSA intelligence analyst John Schindler, who has a deep expertise in jihadist activity in the Balkans and Austria. "It's an exceptional terrorist or Salafi radical in Bosnia who has not spent some time in Austria. It says something that the most notorious Salafi mosque in Vienna is located directly across the street from a major military base," Schindler continued.

Significant support for Hamas

The Austrian capital has also seen significant activity over the years by Hamas, a radical Islamist organization designated as a terrorist entity by both the European Union and the United States. In 2010, Omar al Rawi, a Social Democrat member of the Vienna City Council, spoke at an fiercely anti-Israel rally in the city, calling for the "continuation of the struggle" of the nine anti-Israel activists killed on the ship Mavi Marmara. Israel had intercepted the ship for its attempt to break a legal naval blockade of the Hamas-ruled Gaza Strip. The anti-Israel rally, which attracted 10,000 people, including many Islamists, featured a sign calling for "Hitler to wake up."

In mid-October, the online Vienna news and analysis website Die Jüdische published an article titled "Fighting Islamic State, Ignoring Hamas." According to the report by Die Jüdische's editor-in-chief Samuel Laster, Austria's interior ministry conducted a workshop against "hate and agitation." The event covered preventative efforts in the areas of online radicalization, countering foreign fighters, and hate crimes.

Muslim preacher Adnan Ibrahim has criticized the Islamic State for killing Muslims, but praised Hamas for murdering "non-believers" and Israelis. Despite this, Carla Amina Baghajati, spokeswoman of the Islamic community in Austria, termed him a "liberal," Die Jüdische reported.

Strong Iranian presence in Vienna

Iran's regime maintains a strong presence in Vienna, largely because it is the headquarters of OPEC and the IAEA. Porous counterterrorism laws make it easy for Iranian agents to continue work on evading nuclear sanctions.

In 2012, The Telegraph reported: "At least two visits this year to Vienna by a senior departmental director have been used to carry out transactions worth millions of euros, according to sources. Western officials confirmed the official is a regular visitor to the Austrian capital and has traveled for extended stays each year since 2007."

The senior departmental director is from Iran's Center for Innovation and Technology Cooperation. The US Treasury Department designated both the agent and the Center for Innovation and Technology Cooperation for illegal nuclear proliferation activity.

According to The Telegraph, the agent's network brought into Europe funds that were "handed to money lenders in Austria, Germany and Italy. Payments from the network have been documented as transfers to accounts as far as Russia and China to pay for goods that are subsequently sent to Iran." Austria's interior ministry said there was "no criminal investigation" in connection with Tehran allegedly using its financial system to launder money.

Austria's 2012 domestic agency report stated: "In the period under review, concrete proliferation-relevant activities were observed in connection with North Korea and Iran."

Challenging counterterrorism environment

The mushrooming recruitment by Islamic State, and the presence of a large pocket of support for Hamas, pose major challenges for Austria's struggling counterterrorism establishment. Even so, Iranian intelligence's extensive network, including agents who have previously carried out a 1989 terrorist attack with impunity in Vienna, will remain Austria's greatest terror threat for the foreseeable future. The interrelationship among the three jihadist movements -- Hamas, Iran's regime, and the Islamic State -- playing out in Austria helps to explain why critics view the relatively small Central European country as a danger zone.

Benjamin Weinthal reports on European affairs for The Jerusalem Post and is a fellow at the Foundation for Defense of Democracies. Follow Benjamin on Twitter@BenWeinthal


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