Nachruf Manfred Deix

Das Karikaturmuseum Krems trauert um Manfred Deix

25/06/2016 - 15/01/2017

Krems an der Donau, 27. Juni 2016. Der österreichische Karikaturist Manfred Deix  ist am 25. Juni 2016 im Alter von 67 Jahren gestorben. Wie seine Frau Marietta Deix mitteilte, erlag er einer langen, schweren Krankheit. Manfred Deix feierte erst am 22. Februar 2016 seinen 67. Geburtstag.

Der Publizist Henryk M. Broder meinte über den Karikaturisten Manfred Deix: „Er ist der Stift, mit dem Karl Kraus gezeichnet hätte.“

Die Arbeiten von Manfred Deix sind längst Kunstwerke, Klassiker der österreichischen Karikatur und stilbildend für viele Kollegen. Die Bedeutung seiner schonungslosen Cartoons gehen weit über die Landesgrenzen hinaus und waren unermüdlich in seiner Kritik an gesellschaftlichen Zwängen. Das Enfant terrible der heimischen Zeichnerszene  analysierte mit spitzer Feder die Untiefen der österreichischen Seele, seine dargestellten Charaktere haben als „Deixfiguren“ an sprichwörtlicher Bedeutung gewonnen und wurden sogar im Duden begrifflich aufgenommen.

Manfred Deix war maßgeblich an der Gründung des Karikaturmuseum Krems, dem einzigen Museum für Bildsatire und kritischer Grafik in Österreich, beteiligt, wo er bis heute mit einer Dauerpräsentation früherer und aktueller Arbeiten vertreten ist.

In seiner Rede zur Ausstellung „Für immer Deix!“ meinte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll: „Manfred Deix versteht es, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten. Einen Spiegel, der vieles zeigt, was wir in Wahrheit als Normalsterbliche im Alltag gar nicht merken und gar nicht sehen.“

Seit 1988 ist Manfred Deix Träger des Nestroy Ringes der Stadt Wien, 2005 wurde ihm das goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien überreicht. Das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich wurde Deix 2009 verliehen. 2012 erhielt er den Österreichischen Kabarettpreis (Kategorie Sonderpreis).

Manfred Deix‘ Zeichnungen wurden in Magazinen wie u.a. profil, Trend, Economy, News, Stern, Der Spiegel, Pardon, Titanic und im Playboy veröffentlicht. Nach „Cartoons“, dem ersten Deix-Sammelband aus dem Jahre 1980 folgten viele weitere Publikationen, darunter „Der dicke Deix“, „Der goldene Deix“ „Dichter Deix“, „Der heilige Deix“ und „Für immer Deix!“ (2012), zuletzt erschienen 2015 Neue Zeichnungen sowie sein achtzehntes Buch Tierwelt. Katzen & Co.

Gottfried Gusenbauer, Direktor des Karikaturmuseum Krems, zum Werk des politischen Zeichners: „Manfred Deix war einer der großen Künstler Österreichs. Es gab und gibt viele Tabus und unangenehme Wahrheiten, die man nicht ansprechen durfte oder konnte, hier hat uns Deix mit seinen Bildern die Augen geöffnet.“

Die MitarbeiterInnen des Karikaturmuseum Krems  sind über den Tod von Manfred Deix tief betroffen und trauern um ihn. Mit ihm verliert die österreichische Karikatur- und Zeichnerszene einen der kritischsten und einflussreichsten Künstler unserer Zeit.

Der Künstler Gottfried Helnwein, ein jahrzehntelanger Weggefährte von Manfred Deix, trauert ebenfalls um seinen Freund:

Manfred Deix, der größte satirische Zeichner dieses Jahrhunderts ist nicht mehr.

Wenn Michelangelo sagte, die größte Kunst sei „nichts als ein Schatten der göttlichen Perfektion“, dann hat Deix mit seiner Kunst den unerbittlichen Gegenbeweis angetreten: Er zeigte uns, dass das Werk des Schöpfers nur so strotzt von Fehlern, Peinlichkeiten und Schnitzern. Gott sei Dank, muss man sagen, denn bei einem perfektionistischen Gott hätten wir wenig zu lachen, und es war Deix, der uns zu der bedeutenden philosophischen Erkenntnis verholfen hat, dass die Schöpfung lächerlich und Gott der größte Humorist ist.

Manfred war ein großer Bewunderer Muhammad Ali’s und ich glaube, dass es in seinem Sinne war diese Welt gemeinsam mit ihm zu verlassen.

So seltsam es klingen mag – diese beiden hatten etwas gemeinsam: sie waren Jahrhunderterscheinungen, die die Welt grundlegend verändern sollten – der eine die Welt des Boxsports, der andere die Welt der satirischen Zeichnung. Beide zeigten dem staunenden Erdkreis Kunststücke, die man bis dahin für völlig unmöglich gehalten hatte. Und beide flatterten wie die Schmetterlinge und stachen wie die Bienen.

Ich kann mir eine Welt ohne Manfred Deix, mit dem ich mein ganzes Leben lang verbunden war, nicht vorstellen.

Ich werde ihn unendlich vermissen.

In meinem Herzen wird er immer weiter flattern und stechen.

Gottfried Helnwein

(c) Karikaturmuseum Krems