Al-Quds-Tag in Wien 2016

Jedes Jahr gibt es den Al-Quds-Tag, jedes Jahr bin ich dabei. Doch diesmal war es anders, diesmal war es sehr emotional und berührend.

Von Alexandra Hahlweg           03.07.2016

Ich habe in den letzten Jahren sehr viele islamistische und antisemitische Demonstrationen angesehen, bin mitmarschiert, habe mit den Leuten gesprochen, habe fotografiert und dokumentiert, kritische Texte geschrieben…. Nun diese Arten von Demonstrationen sind immer in etwa gleich: Die Losungen, die gebrüllt werden sind immer gleich, die Transparente variieren etwas, aber auch sie sind im Grunde immer gleich. Die Anzahl der Demonstrierenden variiert, ebenso wie die Jahreszeiten, auch die Aggressivität, oder besser das Aggressionspotential ist immer ein bisschen anders, je nach politischen Geschehnissen und je nach den TeilnehmerInnen.

Was war diesmal anders?

Ich habe mit Frauen gesprochen. Ich habe ihnen erzählt, was ich fühle. Ich wollte wissen, was sie denken. Zuerst konnten sie mich nicht einordnen, ich ließ sie im Dunkeln darüber, für welches Medium ich schreibe. Diese Frauen waren mir sehr sympathisch. Sie waren neugierig, ich war neugierig. Am Ende erzählte ich ihnen die Wahrheit, ich wollte sie nicht anlügen. Wir umarmten und küssten uns. Es war unbeschreiblich schön. Ich habe eine Wärme gespürt und eine Herzlichkeit, die ich so niemals erwartet hätte. Ich wurde sogar in eine Moschee eingeladen.

Wer dieses Kind nicht als liebenswert ansieht, ist kein Mensch

Jetzt denken sicher manche LeserInnen: "Jetzt spinnt sie! Wie kann sie sich mit Leuten einlassen, die sich für die Vernichtung Israels einsetzen, die den Zionismus mit Faschismus gleichsetzen…  Am Ende wird sie noch Muslima!" Andere, muslimische FreundInnen, werden sich vielleicht denken: "Was macht sie da bei den Schiiten?"

Nun, es hat sich an meiner Liebe zu Israel nichts geändert. Ich liebe Israel! Wenn ich in Israel bin, fühle ich mich zu Hause. Ich würde mein Leben geben für Israel.

Bis jetzt habe ich es vermieden öffentlich Israel zu kritisieren, obwohl ich einiges an der jetzigen Politik auszusetzen habe. Ich wollte den IsraelhasserInnen und AntisemitInnen keinerlei Munition liefern. Omar, mein sozialistischer "Genosse", hat mir bei einem Abendessen gesagt, dass es ihnen (den MuslimInnen) gut tun würde, wenn wir als "die Jüdische" auch Kritisches schreiben würden. Nun lieber Omar, nur für Dich: Ich bin mit der derzeitigen Politik Israels nicht einverstanden. Ich hasse die neoliberale Ausrichtung und ich verurteile sie. Ich finde, dass die Werte der alten Arbeiterpartei wieder mehr Bedeutung bekommen sollten!

Demonstrationsverbot?

Es wurde von der IKG ein Verbot der Al-Quds-Demonstration gefordert. Ist das Recht der freien Meinungsäußerung nicht ein Grundrecht, wenn es sich im gesetzlichen Rahmen bewegt? Das Demonstrationsrecht in Österreich gibt es seit 1867. Es ist ein Grundrecht, das wir bewahren müssen, aber auch ein Recht auf das wir stolz sein sollten. Rosa Luxemburg meinte: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der 'Gerechtigkeit', sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die 'Freiheit' zum Privilegium wird".

Kinder tragen einen Sarg- Missbrauch des Unwissens?

Danke

Diese Frauen am Al-Quds-Tag haben mir sehr viel gegeben. Sie zeigten mir, wie wichtig der Dialog ist. Es ist sehr einfach jemanden als böse abzustempeln. Das Schwarz-Weiss-Denken ist der einfachste Weg. Wenn wir uns aber auf einander einlassen, uns austauschen, Gefühle zulassen, sehen wir: Wir sind alle nur Menschen. Schimpft mich ruhig naiv! Ich glaube, wir müssen die Liebe und G´tt im Herzen tragen – dann wird alles gut!

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