Wenn Kellernazis und Juden kuscheln 

„Der Eichmann-Jäger bei Strache“ titelte die österreichische Presse. Was war passiert? Wurde der Chef der rechtsextremen FPÖ gar in einem Flugzeug heimlich nach Israel befördert? Weit gefehlt: Die FPÖ lud am am Abend des 7. November ins Wiener Grandhotel zu einem Symposium mit dem Titel "Haben wir aus der Geschichte gelernt? Neuer Antisemitismus in Europa".

von Alexandra Hahlweg und Samuel Laster, 9.11.2016

Vor dem Hotel demonstrierten ein paar Antifas und eine Hand voll Juden gegen diese Veranstaltung, das Polizeiaufgebot war groß. Drinnen freilich erlebte man etwas Historisches: Die FPÖ gedenkt, nicht wie sonst üblich „den braven Soldaten, die nur ihre Pflicht getan haben und ihr Vaterland verteidigten“, sie „gedenkt“ der Novemberpogrome mit dafür eigens eingeladenen Juden.

Von links: H.C Strache, Michael Kleiner, Ursula Stenzel, Rafi Eitan, Haim Mühlstein und Norbert Hofer

Hoher Besuch aus Israel und Deutschland?

Israels Exminister Rafi Eitan, der lange im Geheimdienst und kurz in der Politik war, wird als einer derjenigen vorgestellt , die „Adolf Eichmann gefasst hätten“. Im Publikum gibt es teilweise betretene Blicke „alter Kameraden“ als Strache  dem 90jährigen Rafi Eitan seinen Respekt zollt. Michael Kleiner vom rechten Rand des Likud - mal aus der Partei ausgetreten, mal eingetreten – hofft, dass Strache der nächste Kanzler und Hofer der nächste Präsident Österreichs werden.

Es ist nicht der erste Besuch von Israelis bei der FPÖ. Bereits 2010 besuchte Ayoob Kara, der neuerdings den Italienern Erdbeben wünscht, die FPÖ. Genauso politisch irrelevant wie Kara seinerzeit, waren die jetzigen israelischen Gäste, auch wenn sich „Eichmann-Jäger“ vermeintlich spektakulär anhört.

Emanuel Adiniaev, Schnitzelfan (c) Facebook.

Da offizielle Vertreter der IKG fehlten, reiste extra aus Berlin der Vizechef der jüdischen Gemeinde, Emanuel Adiniaev,  an. Der nominell ranghöchste Vertreter einer jüdischen Gemeinde im Saal wurde in seiner Funktion vorgestellt und schien einen Wechsel der Einstellung jüdischer Gemeinden gegenüber der politisch Rechten suggerieren zu wollen. In Berlins jüdischer Gemeinde zeigte sich nicht nur Sergey Lagodinsky „total geschockt“ über den quasi offiziellen (?) Besuch Adiniaevs .   Adiniaevs eindrückliches Erlebnis in Wien war – sofern man seinem Twitteraccount glauben darf – ein Wiener Schnitzel in der „Frommen Helene“.

Hakenkreuzschnitzel (c) Heute Show, ZDF

Unter Jüdinnen und Juden gibt es immer mehr Menschen, die für die Parolen der FPÖ empfänglich werden. Die kleine leise Gruppe, die vor dem Eingang demonstrierte, kann nicht darüber hinwegtäuschen. Die IKG-Bekenntnisse gegen die FPÖ scheinen derzeit ein wenig wie ein Rückzugsgefecht. Ein Jahr ist es her als IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer  bei einer FPÖ-nahen Veranstaltung meinte, dass man vor „Nazi-Lausbuben“  keine Angst haben brauche, sondern vor "Muslimen, wenn diese YAHUD schreien“.

Am Tag nach der Diskussion fuhren die israelischen Gäste in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mauthausen. Die der FPÖ nahestehende Wochenzeitung „Zur Zeit“
bezeichnete die Überlebenden des KZ als „Landplage“. Es ist wohl noch ein langer Weg hin zum tieferen Verständnis der beiden Seiten, aber in Zeiten in denen das Schimpfwort " Trampel"  eine neue Bedeutung erfährt, ist wohl alles möglich.