Wenn der Kindergarten – Inspektor kommt…

Satire von Ernst Meir Stern*

Im Zuge der öffentlichen Erregung um angeblich salafistisch / islamistisch geführte Kindergärten wird eine rigorose Kontrolle durch den Magistrat gefordert und mancherseits der Gedanke ventiliert, man müsse  gerechterweise auch Kindergärten anderer Religionsgemeinschaften überprüfen. Insbesondere auf erzieherische Inhalte, die Kinder frühzeitig mir Gewalt konfrontieren und einschüchtern, oder den armen Hascherln vermitteln, nur ihr Glaube sei der einzig Wahre und sie damit etwas Besseres. Der Integrationsminister bewahre uns davor!

Die Szene: Kindergarten der Zwi Perez Chajes Schule der IKG. Zwei Kontrollorgane des hochlöblichen Magistrats sehen sich um,  begehren Einblick in die vorhandene Literatur, greifen sich Bücher und Broschüren. Die Kinder zünden Kerzen und singen Chanukkalieder.

Scharia-Polizei der "Heute-Show" des ZDF- wird

nicht als Kindergarteninsepektorat in Wien eingesetzt...

Inspektor 2: Was ist denn das für eine Sprache?

Kindergärtnerin: Das ist hebräisch. Wir singen traditionelle Lieder.

Inspektor 1: Wos feiern wir denn grad? Aha, Tschanukka heißt das? Warum könnt’s das net auf Deutsch singen? Und was hör ich da? Die Juden zetteln gleich einen Krieg gegen die Griechen an, nur weil die einen Götzen im Tempel aufgestellt  haben? Z z z…sehr bedenklich, diese Gewaltverherrlichung! Auch so ein Fall von unverhältnismäßig überzogener  Reaktion. .Aber das scheint ja Tradition in dieser Gegend zu haben..

Kindergärtnerin: A..aber, Chanukka ist doch ein wichtiges Ereignis unserer Geschichte!

Inspektor 2: Na wo kamert mir hin, wenn ma anfangen, jeden Krieg zu glorifizieren? So wollen sie kleine Kinder zur Gewaltfreiheit erziehen?

Inspektor 1: Und was haben wir hier für ein Wälzer? Tora? Gibt es da keinen korrekten deutschen Namen?

Kindergärtnerin: Bei ihnen heißt das Altes Testament. Die Grundlage des jüdischen Glaubens, mit dem wir unsere Jüngsten kindgerecht vertraut machen.

Inspektor 1: Na, dann schau ma einmal (blättert eifrig). Na servas, das fangt ja gut an. Da bringt ein gewisser Kain seinen Bruder um! Und da erst: Ein Vater legt seinen Sohn auf einen Steinaltar, um ihn für seinen unsichtbaren Gott zu schlachten? Ich pack ’s nicht! Das muss doch jeden G’schroppen in Panik versetzen! Die armen Kinderseelen!

Kindergärtnerin: Gott wollte es ohnehin nicht, also hat es Abraham auch bleiben lassen. Das Judentum kennt keine Menschenopfer.

Inspektor 2: Ich hab auch was gefunden: Ein gewisser Samson demoliert einen ganzen Palast und begräbt damit eine Menge Leute unter den Trümmern. Und so was bringen sie kleinen Kindern bei? Das nennen sie einen Helden? Ein schönes pädagogisches Vorbild ist das.

Kindergärtnerin, schüchtern: Aber das Christentum basiert doch auch auf dem Alten Testament und seinen Inhalten.

Inspektor 2: Na was glauben ’s, warum wir jetzt schon seit fast zweitausend Jahren ein Neues Testament haben?

Inspektor 1:Da hab’ ich noch so ein komisches Gebetbuch mit Illustrationen entdeckt. Der Moses und sein Gott bringen alle ägyptischen Erstgeborenen um und lassen ein ganzes Heer samt Rössern im Roten Meer ersaufen. Und diese Massaker feiern sie gleich acht Tage lang! Dagegen sind ja sogar die Dschihadisten reinste Waserln! (blättert weiter)

Und der hinterhältige Typ da  mit seiner Steinschleuder? Ha! Da steht schwarz auf weiß, dass Gott die Juden als sein auserwähltes Volk bezeichnet. I man, i traam! Das is ja wie bei den Moslems, deren Kindern bringen sie auch bei, dass sie was Besseres sind und sich vor den anderen Religionen abgrenzen müssen. Das riecht förmlich nach Parallelgesellschaft! Da hilft ’s ihnen auch nix, dass die G’schroppen hier wenigstens Deutsch reden.

Inspektor 2: Also, wir haben schon genug gesehen. Gemma, Kollege! Diese Tora und die Pessach – Erzählung, die sind hiermit amtlicherseits als Beweismittel beschlagnahmt. Den Tschanukkaleuchter könnt ’s euch behalten Obwohl…offenes Licht ist gefährlich, das müssen wir melden..

Inspektor 1: Also wenn ’s nach mir geht, sperr ma die komische Bude da gleich auf der Stelle zu. Sie hören noch von unserer Dienststelle! Und von der Feuerwehr. So, jetzt fahr ma gleich zum Kindergarten am Rabbiner Schneerson Platz. Jede Wette, dass wir dort auch fündig werden.

(Das Kindergartenpersonal bleibt ratlos und Haare raufend zurück)

Tante 1: Großer Gott, was tun wir jetzt? Ich verliere noch meinen Arbeitsplatz!

Tante 2: Komm, gehen wir beten, vielleicht hilf t’s was.

* Ernst Meir Stern ist Urgestein der jüdischen Sozialdemokratie und ein Urmeter für Fairness und Anstand.