"Wiesenthal würde sich im Grab umdrehen"


Die jüdische Gemeinde gewährte als hohle PR-Geste den "Israelkritikern" der Caritas einen Kosherstempel. Die Chronik einer Verfehlung.

 

von Alexandra Hahlweg und Samuel Laster           13.09.2015

 

Quelle: Facebook


Derzeit erleben wir hierzulande eine Solidaritätswelle gegenüber Flüchtlingen, die es bis dato selten gab in Österreich. Viele Menschen helfen still und auf unterschiedliche Art und Weise: so trifft man beispielsweise bei DM eine Frau mit einem Einkaufswagerl voller Duschgels für die Bedauernswerten in Traiskirchen, Mütter mit ihren Kindern besuchen (mit einem Berg von Spielsachen und Babysachen) spontan ein Haus in dem syrische und afghanische Familien untergebracht sind, damit "die Kinder miteinander spielen können",  österreichische Polizisten kaufen Süßigkeiten für Kinder und, und, und. Und dann gibt es die lauten "Gutmenschen", die jeden Furz den sie lassen auf Facebook verkünden und die, wenn sie mal  tatsächlich jenseits der virtuellen Welt etwas Bescheidenes tun, sich sogleich dafür öffentlich feiern lassen.  Sie posten Fotos ihrer guten Taten auf Facebook und sind sie etwas prominenter, schaffen es manche gar in diverse Tageszeitungen oder ins Fernsehen.


Auch einige Politiker  (die Freiheitlichen natürlich ausgenommen) und einige Kirchenvertreter haben längst erkannt, dass Flüchtlinge derzeit "in" sind (besonders wenn diese nach Deutschland weiterreisen, wie manche böse Zungen behaupten). So besuchte beispielsweise Bundespräsident Heinz Fischer, der gerade erst von seiner nicht ganz unumstrittenen Iranreise zurückgekehrt ist, zusammen mit "Caritas"-Präsident Michael Landau und SP-Stadträtin Sonja Wehsely den Wiener Westbahnhof und ließ sich mit Flüchtlingen abfotografieren. Vor zahlreichen Journalisten erklärte Fischer: "Rot- Weiß- Rot zeigt sich hier von der schönsten Seite." Es ist der selbe Fischer, der sich erst vor kurzem noch hinter die ÖVP-Innenministerin Mikl-Leitner stellte, als es beispielsweise Kritik an der menschenunwürdigen  Unterbringung von Flüchtlingen hagelte und der das bilaterale Abkommen mit der Slowakei begrüßte, demnach 500 Flüchtlinge in der Slowakei  untergebracht werden, denn: "Einem Flüchtling ist es egal, ob er hier oder 30 Kilometer weiter weg ist, er will ein Dach über dem Kopf."  Ob es den Flüchtlingen tatsächlich egal ist, wo sie untergebracht werden, eines ist sicher: "Für Österreich ist das unterm Strich billiger", so Innenministerin Mikl-Leitner.

 

Quelle: Facebook

 
Die IKG erwacht aus ihrem komatösen Ferienschlaf


Bisher tat sich die Israelitische Kultusgemeinde offensichtlich schwer mit der Flüchtlingskatastrophe in Europa. Von der IKG,  die sonst um öffentliche Aussendungen nicht verlegen ist, kam monatelang nichts als  Stillschweigen. Und selbst wenn sich verärgerte Gemeindemitglieder an die IKG wandten, gab es keinerlei Reaktion.  So wurde beispielsweise der Vorschlag eines Gemeindemitgliedes kosheres Essen, das in der Schule und im Altersheim der IKG übrig bleibt, ins Flüchtlingslager Traiskirchen zu schaffen (kosher gilt auch als halal), von Präsident Oskar Deutsch schlichtweg ignoriert. Mit den Flüchtlingen und dem Elend will man seitens der IKG offenbar keine direkte Berührung. Vor acht Tagen gab es endlich eine Wendung - durch den Druck von Innen als auch von Außen, sah man sich gezwungen endlich etwas zu tun: Präsident Deutsch ließ eine Spendensammlung beim "Tag der offenen Tür " organisieren, die die IKG dann verdopppeln würde. Die hauptberufliche Fundraiserin der Gemeinde  Miriam Tenner hatte die glorreiche Idee ("ich will mich dessen nicht rühmen") die katholische Hilfsorganisation "Caritas" zur Nutznießerin der Spende zu machen. Sehr viele Gemeindemitglieder sind nun verärgert, warum die IKG ausgerechnet der katholischen  und "israelkritischen" Caritas Geld spendet, denn es gebe ja schließlich genug andere Organisationen,  die sich um Flüchtlinge kümmern würden, wie beispielsweise IsraAid etc .


Warum ausgerechnet die "Caritas"?


 Die monopolartig agierende Organsisation - deren föderale "Tochterfirmen" dem jeweiligen Bischof des Bundeslandes unterstehen, sind Teil der"Caritas International". "Caritas Österreich" hat laut ORF-Wirtschaftsmagazin ECO 12.000 Angestellte und 14.000 freiwillige HelferInnen. Durch staatliche Vergünstigungen, Intransparenz und der monopolartigen Gebarung wird Österreichs Pflege- und Sozialsystem von dieser katholischen Gruppe wesentlich bestimmt. Dass die Barmherzigkeit der "Caritas" kaum Grenzen kennt, zeigt sich am Beispiel Milivoj Ašner: Der Nazikriegsverbrecher Ašner wurde bis zu seinem Tod 2011 in einem Altersheim der "Caritas" liebevoll gepflegt.


 Im Nahostkoflikt hat die "Caritas" eine eindeutige Agenda, die nach Einschätzung des Experten Shimon Samuels vom "Wiesenthal Center " wiederholt zur Delegitmierung Israels führte . Zum Beispiel traten Mitarbeiter des Hilfskonzerns offen als Unterstützer einer Resolution zur Vernichtung Israels ("Einstaatenlösung" ) im Jahr 2010 auf, wobei sie  als Mitarbeiter von "Caritas Österreich" klar erkennbar waren. "Caritas International" erklärte über seine Vertretung in Jerusalem uneingeschränkte Solidarität mit der "Gaza Flotille" im Juni 2010,  während ein Vertreter der Organisation die mediale Berichterstattung über den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche lediglich als Ablenkung vom israelisch-palästinensischen Konflikt anprangerte. Dies ist nur zu konsequent, schließlich unterstützt "Caritas International" den "Internationalen Tag der Soldarität mit Palästina".


" Ab einer Spende von 21 Euro an die Caritas schenken Sie eine Übernachtung für einen Flüchtling.  Ab einer Spende von 50 Euro schenken Sie eine Matratze fürs Flüchtlings- Notquartier, ab 30 Euro eine Bettdecke, ab 15 Euro ein Kopfkissen.", so die Werbung der "Caritas", die gleichzeitig um "Sachspenden" bittet und vermerkt: "Die Grundversorgung für Flüchtlinge wird aus Geldern der öffentlichen Hand finanziert"


  Präsident der "Caritas Österreich" ist Michael Landau, den die Kirche gerne als gebürtigen Juden darstellt, der seinen Weg zu Jesus (Yeshua...) fand. Dies entspricht durchaus der Linie des Kardinals von Wien, Christoph Schönborn, der der Vatikanbeauftragte für Messianische Juden ist. Als der Konflikt in Syrien eskalierte sah die Caritas ihre Stunde gekommen. Letzte Woche übernahmen "Caritas"-Mitarbeiter gemeinsam mit der Polizei in Wien die Koordination der Flüchtlingsströme am Westbahnhof. Viele Freiwillige murrten über die kirchlichen Monopolisten. Am Wochenende lag der lachsrosa Tageszeitung "Der Standard" ein Erlagschein des Hilfsmultis mit der Bitte um eine Spende. Die Flüchtlingstragödie wirkt da wie ein "Jackpot", Spenden sind ein Geschäft,Transparenz ist weit und breit nicht in Sicht.


  Am Freitag (11.09) übergab Oskar Deutsch feierlich einen Scheck über mehr als 14.000 Euro an das "Missionsvorbild" Michael Landau. Sämtliche Anfragen zum Thema von besorgten Beobachtern und Mitgliedern an die IKG blieben bis zur Stunde vom Präsidenten unbeantwortet. Einzig IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer ("Von mir aus brauchen überhaupt keine Flüchtlinge zu kommen") stritt im Gespräch mit Shimon Samuels einen direkten Zusammenhang zwischen "Caritas Österreich" und "Caritas International" ab. "Simon Wiesenthal würde sich wohl im Grab umdrehen", fasste Shimon Samuels die hier gezeigte Ignoranz zusammen. Die jüdische Gemeinde Österreichs macht sich ungefragt politisch nackt und die geneigten Mitglieder fragen sich wohl zurecht, ob hier Leute am Werk sind, die mit richtigen Informationen halbwegs tragbare Entscheidungen treffen können.  Zweifel sind angebracht.