Die European Maccabi Games in Berlin

Die größte jüdische Sportveranstaltung mit 2300 Sportlern aus 36 Ländern findet erstmals in Deutschland statt.
© Rafael Herlich - EMG 2015

„Wenn nicht jetzt: Wann dann?“ Oren Osterer spricht aus, was die Makkabi-Weltbewegung elektrisiert, seit die Wahl auf Berlin gefallen ist. Erstmals werden sich jüdische Sportler zu ihrem größten Sportfest in Europa in Deutschland treffen. Ein passender Zeitpunkt, findet der frühere Basketballer: 70 Jahre nach der Shoa und 50 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen von Israel und Deutschland. 

Osterer ist Organisationsdirektor der „European Maccabi Games“. Mit einem jungen Team und einem Etat von rund fünf Millionen Euro bereitet er das Sportfest vor, das nicht zuletzt gesellschaftspolitisch von großer Bedeutung ist: Bundespräsident Joachim Gauck ist Schirmherr und wird die Spiele eröffnen, die Bundesregierung unterstützt sie finanziell.

„Ein starkes Symbol“

Die mehr als 2300 Wettkämpfer aus 36 Ländern treffen sich genau an jenem Ort, an dem 1936 jüdische Sportler von den Olympischen Spielen ausgeschlossen wurden. Der Berliner Olympiapark, damals Schauplatz nationalsozialistischer Propaganda, wird zentraler Sport- und Spielplatz sein, prominente Sportler wie Fußball-Weltmeister Jérome Boateng sind Paten des Sportfests, das landeseigene Sportgelände wird kostenlos zur Verfügung gestellt. In der Waldbühne des Parks war die Eröffnungsfeier am 28. Juli 2015 eine große Party mit Kulturprogramm, zu der 15.000 Gäste kamen – jeder ein Botschafter für Toleranz und Offenheit. Die Vergabe der Spiele an Berlin nennt der Präsident von Makkabi Deutschland, Alon Meyer, ein „starkes Symbol, am früheren Ort des Schreckens das größte jüdische Sportereignis seit dem Krieg durchzuführen“.

Aufkommender Nationalismus, wachsender Antisemitismus und die Verdrängung jüdischer Sportler aus den Turnvereinen hatte Anfang des 20. Jahrhunderts die Gründung jüdischer Sportvereine befördert. Berlin war bereits 1898 ein Vorreiter der Welle, die 1921 zur Gründung des Makkabi-Weltverbandes führte. Ihm gehören heute 60 Länder an, rund 400.000 Mitglieder treiben Sport in mehr als 450 Vereinen, die Sportler aller Religionen offenstehen. Der Verband versteht sich als zionistische Organisation, das Internationale Olympische Komitee (IOC) stufte ihn 1960 als „Sportvereinigung von Olympischem Rang“ ein.

Sportliche Rekorde sind bei den Wettkämpfen in klassischen Sportarten wie Basketball, Fechten und Dressurreiten, aber auch in Disziplinen wie Bridge, Schach und Bowling kaum zu erwarten. Überwiegend sind Amateure am Start, die ihre Anreise selbst finanzieren und 900 Euro Startgebühr bezahlen. Als Gäste der europäischen Spiele, die im Wechsel mit der internationalen Maccabiade alle vier Jahre stattfinden, sind Sportler aus allen Erdteilen dabei. Viele davon mit deutschen Wurzeln, einige sind Enkel von Athleten, die 1936 von den Nationalsozialisten ausgeschlossen wurden. Heute will Berlin „die Chance nutzen, sich als weltoffene, friedliche und tolerante Metropole zu präsentieren und ein Zeichen der Versöhnung zu setzen“, so der Berliner Sportsenator Frank Henkel.

European Maccabi Games vom 28. Juli bis 5. August 2015 in Berlin

www.emg2015.de

© www.deutschland.de