Die Todesahnung des Boris Nemzow

Er wurde von vier Schüssen in den Rücken getroffen, ganz in der Nähe des Kreml- Boris Nemzow, ein gnadenloser Kritiker des Systems von Wladimir Putin und "ein stolzer Jude", wie er immer wieder sagte - ist am Freitagabend aus einem Auto heraus erschossen worden.

von Jolita Venckute

Boris Nemtsov, 2013 (c) Wikipedia

Der 55-jährige Politiker hatte geahnt, dass er in Gefahr war und fürchtete um sein Leben – dies drückte er unter anderem dem deutschen Journalisten Boris Reitschuster gegenüber aus. Vor einigen Wochen sagte er in einem der Gespräche mit der russischen Presse, er habe Angst, dass sein Mord "angeordnet" wird.

"Ich habe nie meine politische Einstellung verheimlicht. Ich glaube, dass er (Vladimir Putin) derjenige war, der den Krieg in der Ukraine entfesselte", sagte Boris Nemzow in einem Interview mit dem russischen Magazin Sobesednik (sobesednik.ru) am 10. Februar.

Davor teilte er seine Ängste mit der ihm an nächsten stehender Person – seiner Mutter. Dina Jakovlevna Eidman wird im März 87 Jahre alt.

"Meine Mama hat mir beigebracht, eigene Meinung und eigene Eistellung zu verteidigen und unabhängig zu bleiben. So hat sie mich erzogen, und jetzt ist sie böse, dass ich Vladimir Putin kritisiere, der uns unsere Freiheit wegzunehmen versucht. Sie hat wirklich Angst, dass er uns schon bald töten wird, wegen meiner Tätigkeit – sowohl real, als auch in meinem sozialen Leben. Und das ist, das wiederhole ich, kein Spaß: sie ist ein sehr gescheiter Mensch. Sie hat wirklich Angst. Sie macht sich Sorgen auch wegen M. Chodorkowski, und wegen A. Nawalny, nur halt nicht so stark wie wegen mir, schließlich ist sie meine Mutter und nicht ihre", – sprach Boris Nemzow.

Interessant. Und nach diesen Gesprächen mit Ihrer Mutter hatten sie sich begonnen zu fürchten, dass V. Putin schon bald sie töten kann? Persönlich oder mithilfe seiner Vermittler?

– Wissen Sie, ja... Etwas. Nicht so stark, wie meine Mama, und trotzdem... Ich habe allerdings keine so große Angst. Wenn ich sie hätte, würde ich wohl keine Oppositionspartei leiten und wohl nicht das unternehmen, was ich unternehme.

- Ich hoffe allerdings, dass der gesunde Verstand überhand nimmt und V. Putin Sie nicht töten wird.

– Hilf uns G'tt. Das hoffe ich auch.

Nach Angaben von Nemzows Assistentin Olga Vachrina gab es regelmäßig Drohungen gegen den Oppositionspolitiker, vor allem in sozialen Netzwerken. Wegen einer solchen Episode hat sich er Ende 2014 an die Polizei gewandt.

Auf Leibwächter habe der Oppositionspolitiker dennoch verzichtet.

Porträt des schillernden Politikers in der Tagesschau: http://www.tagesschau.de/ausland/nemzow-portraet-101~_origin-51e78191-299f-4a1d-9d54-4e51c61f5b84.html

 

die jüdische, 28.2.2015 , 18:25