Israel bombardiert den Gazastreifen. Gut so - es ist Zeit, die Juden zu unterstützen

 

 

Ein Kommentar aus Litauen von  Vaidas SaldžiÅ«nas, Lietuvos rytas 2014-07-12

 

Schockiert Sie die Schlagzeile des Kommentars? Fragen Sie sich auch – wieso? Israel bombardiert wieder den Gazastreifen. Zig Menschen werden unweigerlich getötet, möglicherweise Hunderte oder sogar Tausende. Unter ihnen – Frauen und Kinder, deren sterblichen Überreste von den weinenden und schreienden Palästinensern vor laufenden Kameras durch die Straßen gezerrt werden.

 

Es ist doch nicht wichtig, wie alles begonnen hat, wo die Handlung und wo die Gegenhandlung ist, wer gegen wen, es ist allerdings wichtig zu fragen – warum sollen wir die Tötung unschuldiger Palästinensern unterstützen, oder? Wenn Sie sich diese Frage stellen, gratuliere ich Ihnen.

 

Dann sind Sie aus dem Hemd eines Antisemiten herausgewachsen, der gar nicht so tief drinnen gesteckt, nur manchmal am Stammtisch mit Hausmannskost beim Anblick eines Rabbiners kurz geflucht und im Internet anonym Galle gespuckt hat. Sie sind echter Europäer geworden, der seine offene Verachtung Juden gegenüber versteckt und durch ein subtileres Moralisieren von „beiden Seiten“ ersetzt hat.

 

Ja, Sie haben über Palästina und ihr Leiden in den linken Feuilletons gelesen, sind möglicherweise sogar in der Westbank gewesen und sind daher, wie viele Europäer, bereit, sich das besorgte Gesicht eines Menschenrechtverteidigers aufzusetzen und zu erklären, wie Israel nicht handeln kann und wie man alles am Verhandlungstisch lösen muss.

 

Sie wollen den tausende Jahre alten Konflikt lösen, indem Sie Flugblättern mit den Worten „Free Palestine“ verteilen und dazu mit einer „Kufija“ wedeln.

 

So können Sie aber den Brand nicht löschen – ihre Flugblätter und Tücher werden verbrennen, und Ihre Mühe an der Sache nichts ändern. Auch Verhandlungen ändern auf dem Heiligen Boden im Wesentlichen nichts, sie erlauben nur verschiedenen Delegationen händedrückend vor Kameras durch die Welt zu reisen.

 

Bis zur nächsten Terroroffensive der Palästinenser, bis zur nächsten „unverhältnismäßigen Antwort“ Israels.  Israel, wie manche Juden behaupten, muss alle paar Jahre im Gazastreifen „Gras mähen gehen.“ Klingt zynisch, umso mehr, dass dieses Menschenmähen zeitlich immer wieder auf die Wahlen in Israel fällt – der Gazastreifen wird bombardiert, und dann ist es einige Jahre relativ ruhig.

 

Für uns ist es trotzdem schwer zu verstehen, warum das so läuft und sich nichts ändert. Warum streiten sie sich? Warum muss Israel bombardieren und die Palästinenser leiden? Eben solches Bild ergibt sich aus den Palästinensern nahen Quellen. Warum kann es keinen Frieden geben?

 

Der Beobachter von sozialen Ereignissen in mir erinnert: Ist es nicht paradox, dass der Hass gegenüber Israel die links- und rechtsradikalen Kräfte am besten vereint? Ich sehe aber auch was Anderes – der Antisemit in Ihnen kommt wieder hoch.

 

Wie ein unausweichlicher Rülpser kommt die Aussage „diese schmutzigen Juden, haben Palästina besetzt, sie haben nie genug, sie brauchen den Krieg und unschuldiges Blut – für ihre Mazzot“. Oh ja, so ist die Rede vieler rundherum. Tausende Jahre komplizierter Geschichte ist Ihnen nicht wichtig.

 

Darüber wollen Sie wohl nicht sprechen. Wie auch über das Leiden des jüdischen Volkes, den von den Vereinigten Nationen anerkannten Staat Israel, der von Arabern nicht anerkannt und mehrere Male überfallen wurde. Daraufhin sind Territorien verloren gegangen. Über Palästinenser – dieselben Araber, ein ausgedachtes Volk – wollen Sie wohl auch nichts hören.

 

Sie werden wohl lieber einem altersschwachen Künstler zuhören, der von Geopolitik und Geschichte nichts versteht, dafür aber laut darüber schwadroniert, dass Litauen sich der eigenen Geschichte besinnen und Palästina anerkennen sollte.

 

„Free Palestine!" – kreischt daraufhin eine Schar „Che Guevaristen“, allesamt vermummt mit Kufijas und palästinensischen Fahnen. Eine Gruppe, die es wagt die Unabhängigkeitsträumereien der Palästinenser mit dem Kampf Litauens im Jahre 1991 zu vergleichen. Zum Glück hat die Diplomatie Litauens genug Verstand gehabt nicht auf das Gekreische zu achten, als in der UN-Vollversammlung zum künftigen Status Palästinas abgestimmt wurde.

 

Na klar, es ist nicht notwendig auf Argumente zu hören. Es ist auch nicht wichtig, dass Loreta AsanavičiÅ«tÄ— [das einzige weibliche Todesopfer der Demonstrationen für die Freiheit und Unabhängigkeit Litauens beim Fernsehturm in Vilnius am 13.Jänner 1991 – Anmerkung der Übersetzung] sich nicht selbst in einem Autobus gesprengt hat wie palästinensische Terroristen, dass bei Demonstrationen von Sajudis [Unabhängigkeitsbewegung Litauens] nicht  „Tod den Russen“ geschrien und nicht von Kindergärten oder der Kathedrale von Vilnius auf Städte Russlands geschossen wurde, wie das bei den palästinensischen Terroristen üblich ist, die Israel mit ihren Raketen beschießen.

 

Wir sollten genau sein – palästinensische Terroristen, und nicht alle Palästinenser. Viele, die sie verteidigen, sind in ihren Territorien nie gewesen. Ich war es und ich habe gesehen was für Schlösser „arme Palästinenser“ bauen und welche Satellitenschüsseln sie in ihren „Flüchtlingslagern“ aufstellen. Trösten Sie sich gegenüber über ihren Leiden.

 

„Man höre auch die andere Seite, weil ja beide Seiten irgendwie im Recht sind“, sagen ihre Unterstützer und Europäer in neutraler Vogel-Strauß-Pose.  Ich sage dagegen: man lerne zu unterscheiden, wo tatsächlich beide Seiten erhört werden müssen, oder wo nur Feiglinge und Heuchler das Wort ergattern wollen.

 

Meiner Meinung nach ist es Zeit, dass Litauen es wagt zu sagen – nicht unschlüssig „wir verurteilen die Gewalt, regen aber an, sich an das Verhandlungstisch zu setzen", sondern deutlich: "Wir unterstützen Israels Handlungen im Gazastreifen, denn Power ist die einzige Sprache mit den Terroristen. Wir regen die gesamte EU an es anzuerkennen." Abgesehen von dem Nutzen der mutigen  Erkenntnis, werden wir einmal mehr auf der richtigen Seite stehen.

 

Nicht, weil wir uns hineinschmeicheln wollen, weder bei „den Juden“ noch bei „den Amerikanern“, wie uns manche beschuldigen werden, die die Welt ohne Erklärungen nicht verstehen, sondern weil Israel das Recht hat,  das Recht sich zu verteidigen und richtig handelt.  Die Alternative dazu ist der eierlose Vogel Strauß, der seinen Kopf immer in den Sand steckt.

 

Wenn diese Allegorie Ihnen nicht gefällt, stellen Sie sich etwas Einfacheres vor. Sie liegen am Strand von Palanga, essen ihren „Ceburekas“  und hören plötzlich Sirenen heulen: Aus unserer Nachbarschaft Kaliningrad, dessen Einwohner Sie auslöschen wollen, kommen Grad-Raketen - nicht besonders zielsicher, aber tödlich, die das Raketenabwehrsystem übernehmen wird, oder auch nicht.

 

Sie wollen es lieber nicht riskieren: So schnappen Sie sich Ihr quengelndes Kleinkind mit der einen Hand, Ihr laut bellendes Hündchen mit der anderen, „Ceburekas“ im Mund und rennen in den nächstbesten Luftschutzkeller.

 

Dasselbe Bild wiederholt sich in Vilnius, als die Menschen im Stau der Geležinio- Vilkas-Straße Sirenen heulen hören – ein Versteck gibt es nicht, man kann nur zwischen dem Auto und der Betonwand kauern und zusehen wie andere Vilniusser aus ihren gläsernen Hochhausbüros in ihre Tiefgaragen rennen und es dazwischen noch schaffen darüber auf „Facebook“ zu posten. Unvorstellbar? Natürlich.

 

Und nicht nur, weil die Sirenen in Litauen nicht funktionieren, es Evakuierungspläne nicht gibt oder nur die wenigsten über sie wissen, und täglicher Raketenalarm nicht verkündet wird. Wir im friedlichen Europa denken gar nicht daran, dass es so etwas geben kann. In Israel dagegen passiert es alltäglich. Denken Sie eine Minute darüber nach und beantworten Sie sich selbst die Frage – an welchen Verhandlungstisch werden Sie sich mit den Menschen setzen wollen, die Ihnen so etwas antun?

 

Diejenigen, die behaupten, das sei alles eine jüdische Verschwörung, sie beschießen sich selbst, hätten drei Teenager israelischer Siedler getötet und wollen den Krieg, sind einfach nicht zu beachten. Dunkler Antisemitismus ist nicht heilbar.

 

Mit Terroristen wird nicht verhandelt – und die Hamas an der Macht im Gazastreifen ist nichts anderes als eine Terroristenorganisation, das wird sogar von der EU, die immer wieder vorschlägt mit den Palästinensern zu verhandeln, anerkannt. Die Hamas schießt Raketen von Kindergärten, Moscheen, nutzt Zivilisten als menschliche Schutzschilder und beweint sie später vor laufenden Kameras, weil, auch wenn israelische Waffen sehr zielsicher sind, unschuldige Opfer leider nicht zu vermeiden sind.

 

Mitleid gegenüber der Hamas haben nicht einmal ihre ehemaligen Alliierten, die die Palästinenser mit Geldern und Waffen unterstützt haben – Iran, Ägypten und Syrien haben die Zusammenarbeit mit der Hamas abgebrochen. Die Heuchler unter uns sollten ihr sorgenvolles Gesicht mit dem eingefrorenen Schrei des Entsetzens um die armen Palästinenser ablegen und sich fragen, warum es passiert.

 

Sie werden sagen, ich hätte kein Herz. Und hinzufügen, dass Gewalt die Gewalt nicht heilt, ganz im Gegenteil, sie anregt und eine neue Hass-Generation heranwachsen lässt. Unsinn.

 

Ja, die Antwort Israels – Terroristen zu bombardieren, damit sie ein paar Jahre ruhiger werden – ist nicht ideal, das ist eine blutige, politisch berechenbare Handlung, die unschuldige Opfer fordert.  Aber, wie ein Israeli mir entgegnet hatte: Schlagen Sie was Besseres vor.

 

Nein, die Israelis werden ihren Boden, auf dem sie nicht nur vor tausenden von Jahren, sondern auch die ganze Zeit bis zur Gründung des Staates Israel lebten, nicht an die Araber abgeben. Sie werden Siedlungen bauen und mit Arabern friedlich leben können, aber sobald diese wieder einmal versuchen Juden zu töten oder sie ins Meer zu stoßen, wird wieder Blut fließen.

 

Und nichts wird sich dort ändern. Solange, bis die Menschen, die sich Palästinenser nennen, eine  jüngere Generation hervorbringen, die beginnt sich selbst mehr zu lieben und zu respektieren, als die Israeli zu hassen. Dann kommt es möglicherweise zu einem Zwei-Völker-Staat, der wie ein Ziel einst proklamiert und an welchem von Anfang an gearbeitet wurde. Bis dahin wird es Krieg geben, in welchem es keine Heiligen gibt, aber eine gerechte Seite. Haben Sie keine Angst, das zu gestehen.