Ein unsymmetrischer Konflikt

 

von Emily Amrousi, Israel Hayom, 11.07.2014

Übersetzung: Maria Kallenberg

 

Als während der Trauerwoche für die drei entführten Jungen Eyal Yifrach, Gil-ad Shaer und Naftali Frenkel die Verdächtigen für den Mord an Mohammed Abu Kheir identifiziert wurden, gefror mir das Blut in den Adern. Ich war überwältigt von Wut und Angst. Jedoch schienen die Nachrichtensprecher begeistert durch die Entdeckung, dass die Mörder jüdische Extremisten waren, fast erleichtert bei der Nachricht: Puh, fast haben wir geglaubt,  es wäre ein Clan-Krieg zwischen Arabern.

Am selben Tag setzen iraelische Araber mit ihren blauen israelischen Personalausweisen das Land in Brand. Nichts dergleichen geschah in Tel Aviv, aber es gibt ein Land jenseits der glamourösen Restaurants, die die Boulevards von Tel Aviv sprenkeln. Afula, Akre, Dimona, Nazareth Illit, Arad, Carmiel, Omer, Jaffa, Schfaram, Jerusalem, Tayibe und Tira.

Wir hatten hier eine verrückte Woche, deswegen müssen wir sichergehen, dass wir nicht vergessen. Noch bevor die Raketen aus dem Gazastreifen den Norden der Stadt Zichron Yaakov in den Süden des Landes verwandelten, bekamen wir das volle Programm bezüglich arabischer Unruhen: Steine, palästinensische Fahnen, Granaten, Molotowcocktails, Hass.

Ein Busfahrer auf dem Weg nach Maaleh Adumim wurde fotografiert, wie er einen Motorradhelm trug, um sich vor Steinwürfen zu schützen. In Moreschet in der Gush-Segev-Region, in Poriya bei Tiberias, in Einav im Westlichen Samaria, in Pisgat Zeev -- waren die Straßen blockiert. Man konnte weder rein noch raus. In Sderot wackelten die Wände. Die unabhängigen Nachrichtenreporter rechneten nicht damit, dass die Gewalt abebben werde: Auf dem Höhepunkt der Unruhen sagten sie, sie könnten die Wut nach Jahren der Diskriminierung, und vor allem nach dem Mord an Abu Khdeir, verstehen.

Als am Montag die Yifrach, Shaer- und Frenkel-Familien zu den Gräbern ihrer Söhne gingen, schrieb der altgediente Journalist Rino Tzror: "Israel ist noch nie von einem so bösen Teufel wie rechtsextremen Schlägern und ihren Anstiftern drangsaliert worden. ... Wir können und werden diesen Teufel besiegen." Das reicht, um den Verstand zu verlieren. Die sechs Täter am Rande der Gesellschaft, die diesen Teenager ermordeten, machten die Situation symmetrisch. Hier Mörder, da Mörder, und in Berlin gibt es ein tolles Fußball-Team.

Die tröstliche Wahrheit ist, dass unsere Gesellschaft über diese Handlungen entsetzt ist, während auf der anderen Seite solche Handlungen bewundert werden. Wir leisten bessere Arbeit in allen Dingen, die mit der Position der Mörder in der sozialen Hierarchie zusammenhängen. Es gibt 42 Städte in Israel, die eine Straße namens Hashhalom oder "Friedensstraße" haben. Auf der palästinensischen Seite sind Dutzende von Schulen, Sommer-Camps, Sportveranstaltungen und Straßen benannt nach Terroristen. Auf einem Platz bei einer israelischen Tankstelle (ja, in den Siedlungen) gibt es eine große Inschrift auf einem Fels: "Ich will Frieden geben in eurem Lande." (Levitikus 26:6). Nicht weit von dort ist ein zentraler Platz in Ramallah benannt nach Dalal Mughrabi, dem Terroristen, der 37 Israelis ermordet hat. Die eine israelische politische Partei, von der man sagen könnte, dass sie einen Hauch von Rassismus birgt -- Otzma Le'Yisrael  --  schaffte es nicht über die Wahlhürde. Die Hamas, die Partei des Todes, gewann mit erdrückender Beliebtheit.

Als drei Teenager entführt und ermordet wurden, reichten hier die Antworten von Psalmlesungen und dem Entzünden von Gedenkkerzen zum Spielen trauriger Lieder und Versammlungen auf den Plätzen der Städte. Das ist das Schlimmste, das ist die israelische Gesellschaft, egal was die Handvoll Exoten auf Facebook schreiben. Auf der arabischen Seite reichten die Reaktionen nach der Ermordung von Abu Khdeir von Straßenblockaden über das Abbrennen von Stadtbahnstationen zu Rohrbomben und schließlich zum Abschuss von Raketen auf den Großteil von Israel.

Aber die Linke hat es zu einer heiligen Sache gemacht, die Symmetrie zwischen den Seiten zu finden. Rundfunksprecher Razi Barkai hielt im Armee-Radio eine Rede über Extremisten auf beiden Seiten, beide von ihnen "tragen Kippot", wie er sagte. Der Nachrichtenreporter Oded Ben-Ami von Channel 2 organisierte eine emotionales, im Fernsehen übertragenes Treffen zwischen Gil-ad Shaers Großvaters und Abu Khdeirs Vater. Während der hinterbliebene Großvater Kummer und Scham über den Mord an Mohammed ausdrückte, lehnte der Vater von Shuafat die Teilnahme am Ausgleich ab: "Ich weiß nicht, wer die drei Jungen ermordet hat -- vielleicht war es ein Jude. Niemand hat sich zu diesem Verbrechen bekannt."

Die Linken haben sehr wenig Scham, und sogar dieses kleine Bisschen verschwindet in Zeiten der Not. Die Haaretz-Journalistin Avirama Golan lehnte stolz das Angebot von MdK Ayelet Shaked (Habayit Hayehudi) zur Teilnahme an der Lobby für Hebräische Literatur ab. Warum sie abgelehnt hat? Wegen Ayelet Schaked. "Hebräische Literatur ist mir sehr lieb und teuer, aber dieser Tage ist es für mich wichtiger denn je, die Grenze zu ziehen zwischen dem, was ich unterstützen kann und was nicht“, schrieb Golan.

Das ist es, was uns in Notsituationen bringt: Es gibt diejenigen, die mit nationaler Verantwortung im Blick arbeiten und die Einheit fördern -- zum Beispiel die drei Mütter der entführten Teenager, die sich im Namen der Kohäsionspolitik weigern, das System zu kritisieren - und es gibt Menschen, die "Linien ziehen." Der hemmungslose Angriff auf Wirtschafts- und Handelsminister Naftali Bennett bei der Haaretz-Friedenskonferenz, die ironischer Weise unter Raketenbeschuss stattfand, ist ein Beispiel für diese Grenzziehung. Wer ist für uns und wer ist gegen uns?

Die großen Prediger von Toleranz und Pluralismus haben sich als ein gewalttätiger Haufen herausgestellt. Und dies während einer Hexenjagd auf Anstiftung innerhalb der Rechten. Bennett versuchte über Frieden zu sprechen und die Menge schrie "Mörder", "Faschist", "Abu Khdeirs Blut ist an deinen Händen." Denn es gibt nur eine Art von Frieden. "Es gibt Leute hier, die der Meinung waren, dass wir mit [dem ehemaligen Präsident der Palästinensischen Behörde Yassir] Arafat sprechen müssten", sagte Haaretz-Verleger Amos Schocken im Bemühen, das Publikum zu beruhigen, "Es kann nicht sein, dass sie dann nicht Bennett sprechen lassen."

 Gewinner beim Weißwaschen des Gegenteils der Realität

Die olympische Fahigkeit der Linken, die Realität auf rückschrittliche Art zu analysieren, wird immer klarer. Der ehemalige Bildungsministerialbeamte Adar Cohen schrieb auf Facebook von jüdischen Angriffen und gründete seine Informationen auf das, was er von arabischen Freunden gehört hatte. Während der Himmel über Samaria und Galiläa immer noch in den Rauch der brennenden Reifen gehüllt war, schrieb der ehemalige Supervisor des Unterrichtsfachs Staatsbürgerkunde: "Ein Bericht aus Tayibe: Die Lage ist ruhig, trotz der Antworten auf die Versuche von jüdischen Jugendlichen, in die Stadt einzudringen und price-tag-Angriffe auszuführen."

Dieser Mann hat Lehrer unterrichtet. Sein Weltbild ist bedenklich. Während Städte im Süden unter Beschuss standen, bestand er in seiner Naivität darauf, seinen arabischen Freunden zu glauben, dass dieses ganze Chaos an price-tag-Angriffen läge. "Bericht aus Arara: Um Mitternacht kamen Siedler und versuchten, Menschen aus der Gegenden um Umm al-Fahm und Arara zu entführen. Die Krawalle sind die Antwort ... Vor zwei Tagen kamen Siedler mit Waffen, und seither hat sich die Lage nicht beruhigt. Es gab auch price-tag-Graffiti in Musmus. Das Gefühl der Bedrohung ist deutlich spürbar, denn erst vor einem Monat konnten ihre Nachbarn gerade noch ein Feuer in der Moschee durch Siedler verhindern."

Die dreckigen Mörder, die Abu Khdeir getötet haben, haben die Unruhen in Galiläa oder die Luftangriffe in Tel Aviv nicht verursacht. Das price-tag-Graffiti in Musmus ist kein Grund, Israel mit Steinen und Raketen zu bestrafen. Die Hamas ist fest entschlossen, unser Leben aus obskuren religiösen und nationalistischen Gründen bitter zu machen. Die Aufklärung des Mordes an dem Jungen in Schuafat ist nur eine Ausrede. Aber es gibt einige, die denken, dass arabische Gewalt immer eine Antwort auf jüdische Provokationen ist. Und die größte Jüdische Provokation ist Zionismus. Oder einfach ein Jude zu sein.