Drei israelische Jugendliche bei Entführungsversuch ermordet

Bebelplatz- Berlin heute Abend. (c) Sigi Koenigsberg

Erschütterung und Trauer. Mahnwachen an einigen Orten in Europa.

Etwa 100 Leute versammelten sich am Abend in Berlin um ihre Trauer und Erschütterung angesichts der Ermordung dreier israelischer Schüler zu bekunden. In Wien wird am Judenplatz am Mittwoch um 19 Uhr eine Mahnwache stattfinden.

Die Leichen der drei entführten israelischen Jugendlichen - Eyal Yifrach, Gilad Sha´er und Naftali Frenkel - wurden am gestrigen Montag Abend nördlich von Hebron gefunden.  Wir sind erschüttert. Unsere Gedanken sind bei ihren Familien.

Heute Nachmittag begonnen die Trauerfeiern für Eyal, Gilad und Naftali. Die Familien der Jungen haben beschlossen, dass sie Seite an Seite auf dem Friedhof in Modi´in beerdigt werden. 

Die Trauer in Israel und der ganzen Welt über die Ermordung von Gilad, Eyal und Naftali ist unermesslich. Sowohl in den sozialen Medien, als auch in der realen Welt teilen die Menschen ihren Schmerz und ihre Empörung. In vielen Städten weltweit treffen sich Menschen zu Mahnwachen - auch in Deutschland. Informationen dazu finden sich hier:
http://bit.ly/GedenkveranstaltungenDeutschland

In den letzten Stunden erreichen uns zudem zahlreiche Beileids- und Solidaritätsbekundungen.

Allen Menschen, die in diesen schweren Stunden an der Seite des israelischen Volkes stehen, wollen wir unseren herzlichen Dank aussprechen.


Leichname der entführten Jugendlichen im Westjordanland gefunden

Nach einer ausgedehnten Suche nach den drei entführten Jugendlichen, Eyal Yifrah, Gilad Sha’er und Naftali Frenkel, die die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL) gemeinsam mit der Israelischen Sicherheitsbehörde (ISA) und der Polizei durchgeführt hat, wurden am Montag (30.06.) die Leichname der Jungen nordwestlich von Hebron gefunden.

Die Familien der drei Jungen wurden umgehend informiert. Derzeit werden die Körper noch forensisch untersucht.

Die israelischen Behörden haben zwei Mitglieder der Hamas als Hauptverdächtige benannt – Marwan Kawasmeh und Amar Abu-Isa – die seit der Entführung verschwunden sind.

Offizielle Reaktionen

Das Sicherheitskabinett kam noch am Montag zusammen. Zu Beginn der Sitzung sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu:

„Zu unserer großen Trauer wurden diesen Abend drei Leichname gefunden. Alles deutet darauf hin, dass es sich um die Körper der drei entführten Jugendlichen Eyal Yifrah, Gilad Sha’er und Naftali Frenkel handelt.
Sie wurden entführt und kaltblütig von menschlichen Tieren ermordet. Im Namen des ganzen jüdischen Volkes möchte ich ihren Familien, ihren Müttern, Vätern, Großmüttern und Großvätern, ihren Brüdern und Schwestern, sagen, dass wir tief getroffen sind, und dass die ganze Nation mit ihnen trauert. Wir werden für ein angemessenes Begräbnis der Jungs sorgen. ‚Rache für das Blut eines kleinen Kindes hat selbst der Satan noch nicht geschaffen.‘ Auch nicht die Rache für das Blut dreier unschuldiger Jungen, die auf dem Weg nach Hause zu ihren Eltern waren, die sie nie wieder gesehen haben. Die Hamas ist verantwortlich – und die Hamas wird zahlen. Möge die Erinnerung an die drei Jungen gesegnet sein.“


Präsident Shimon Peres veröffentlichte nach Bekanntwerden der Nachricht vom Tod der Jungen folgende Stellungnahme:

„Ganz Israel neigt heute sein Haupt. 18 Tage lang haben wir gehofft und mit einer Stimme gebetet, dass wir die Jungen gesund und sicher finden werden. Angesichts dieser bitteren Nachricht trauert nun ganz Israel. Wir fühlen den großen Verlust und bleiben zugleich entschlossen, die Terroristen zur Rechenschaft zu ziehen. Unsere Entschlossenheit zum Kampf gegen den Terror wird noch stärker und wir versichern, dass mörderischer Terrorismus dieser Art es nicht mehr wagen wird, sich zu erheben. In diesen schweren Tagen sind meine Gedanken und meine Gebete bei den Familien. Sie haben ihre Kinder hingebungsvoll erzogen und in ihnen die Liebe für ihr Heimatland gesät.“


Außenminister Avigdor Liberman hat seinen Besuch in Prag abgesagt, um nach Israel zurückzukehren.

Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, sagt: „Meine Gedanken sind bei den Familien von Gilad, Naftali und Eyal, denen ich mein tief empfundenes Beileid ausspreche. Dieser Mord ist sinnlos und durch nichts zu rechtfertigen. Durch diese Tat zeigt die Hamas ihr wahres Gesicht und dieser Terror muss nieder geschlagen werden – nicht nur in Israel. Dieselben Mörder, die im Irak und Syrien derzeit eine Gefahr darstellen, betreiben nun Terror in Israel. Die Extremisten kennen keine Grenzen, und die moderaten Kräfte in der Region müssen ihnen geschlossen entgegentreten.
Israel befindet sich in einer schweren Krise. Nach diesen Ereignissen wird sich klar zeigen, wer wahrhaftig Frieden möchte. Wir erwarten von den Regierungen in Europa, dass sie sich nicht in die Irre führen lassen und dass sie die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um den Terror niederzuschlagen.“


Der zukünftige Präsident Israels, Reuven Rivlin, sagte: „Was wir befürchtet haben, ist wahr geworden. Unsere Befürchtung reichte tief, aber wir trugen in unseren Herzen die Hoffnung, dass selbst mörderische Terroristen die Teenager verschonen würden. Unsere Herzen sind in diesen schweren Tagen bei den tapferen Familien, die für immer als Vorbild der Stärke und Hoffnung auch in den schwersten Zeiten stehen werden.“


Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, teilte mit: „Bundeskanzlerin Angela Merkel reagiert schockiert auf die Nachricht vom Tod der drei israelischen Jugendlichen.
„Es handelt sich um eine verabscheuenswürdige Tat, für die es keinerlei Entschuldigung geben kann“, sagte die Bundeskanzlerin. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Freunden der Jugendlichen.“


Der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Frank-Walter Steinmeier, veröffentlichte folgende Stellungnahme:
„Noch vor wenigen Stunden habe ich mit meinem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman hier in Berlin über die vermissten Jugendlichen gesprochen.
Jetzt von ihrem Tod zu erfahren, hat mich zutiefst erschüttert. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihren Familien und Freunden. Wir hoffen, dass trotz des unendlichen Schmerzes über den Verlust dieser drei jungen Menschen das Streben nach Frieden das Handeln in den kommenden Tagen bestimmt.“


Zur Ermordung der drei israelischen Jugendlichen erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Dieter Graumann:
"Die schreckliche Nachricht von der Ermordung der drei Jugendlichen hat mich persönlich zutiefst schockiert und macht mich ganz fassungslos. Wir alle haben 18 Tage lang so sehr gehofft und gebetet. Nun wissen wir: Drei völlig unschuldige junge Menschen sind Opfer von brutalen und bösartigen Terroristen geworden.
Unser tiefes Mitgefühl gilt den Familien in dieser so schweren und schmerzhaften Zeit. Ich hoffe, dass die Entführer und Mörder der Jungen nun bald gefasst und ihrer Strafe zugeführt werden.
Der Terrorismus der Hamas, die nun sogar Teil der fatalen Einheitsregierung auf palästinensischer Seite ist, erweist sich wieder einmal als Quelle von Hass und Mord und muss entschlossen bekämpft werden."
In einer Pressemitteilung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft heißt es unter anderem:


„Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit seien „alle anständigen Menschen entsetzt über die Schreckensnachricht aus Hebron“, erklärte DIG-Präsident Reinhold Robbe in Berlin. Man sei jetzt in den Gedanken und Gebeten bei den Eltern und den Angehörigen der von den Terroristen brutal hingerichteten Schüler Gilad Schaar (16), Naftali Frenkel (16) und Eyal Jifrach (19). Dieser Mord sei offensichtlich die Tat von irregeleiteten Terroristen, die mit ihrem Verbrechen eine Eskalation des Konfliktes zwischen Israel und den Radikalislamisten zum Ziel hätten. Denn anders lasse sich dieses Verbrechen nicht erklären, betonte Robbe. Belegt werde diese Vermutung durch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf israelische Dörfer in den letzten Tagen. Nach Auffassung des DIG-Präsidenten seien diese ständig zunehmenden Raketenangriffe auf zivile israelische Ziele kein Zufall.“