Doppelmoral gegenüber der Holocaust-Leugnung

Von RAFAEL MEDOFF*, 06.05.2017

Abbas distanzierte sich nie von den Thesen seines Buches. Im Gegenteil, er bekräftigte sie erneut.

In Frankreich wurde ein Politiker zum Rücktritt gezwungen, weil er sich gegenüber einem berühmten Holocaustleugner wohlwollend geäußert hatte.

Und doch wurde letzte Woche ein palästinensischer politischer Führer, der sich dem gleichen Holocaustleugner gegenüber positiv geäußert hatte, im Weißen Haus begrüßt. Warum diese Doppelmoral? Jean-Francois Jalkh, Vorsitzender der französischen Partei Front National, musste am 28. April zurücktreten, nachdem bekannt geworden war, dass er in einem Interview im Jahr 2000 behauptet habe, es sei „unmöglich“ gewesen, dass die Nazis Massenmorde durch Giftgas ausgeübt hätten. Als Quelle für seine Behauptung verwies Jalkh auf den wegen seiner Leugnung des Holocaust verurteilten Robert Faurisson, den er als „glaubwürdig“ beschrieb.

Der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, hatte sich in seinem 1983 geschriebenen, grotesken und verstörenden Buch mit dem Titel „Die andere Seite: Die geheimen Beziehungen zwischen dem Nazismus und der Führung der zionistischen Bewegung“ mit ähnlichen Worten auf Faurisson bezogen.

Die zentrale These dieses Buches, das Abbas als Dissertation an der Moskauer Universität verfasste, besteht darin, dass David Ben-Gurion und andere zionistische Führer „mit Hitler zusammenarbeiteten“ und wollten, dass die Nazis Juden töteten, denn „eine größere Opferzahl bedeutete mehr Rechte und stärkere Privilegien am Verhandlungstisch bei der Aufteilung der Ausbeute nach dem Krieg“.

Die „tatsächliche“ Zahl der von den Nazis ermordeten Juden war „viel kleiner“ als sechs Millionen und könnte sehr wohl „unter einer Million“ betragen haben, schrieb Abbas. „Viele Forscher haben die Zahl der sechs Millionen diskutiert und sind zu erstaunlichen Schlussfolgerungen gekommen – was die Zahl der jüdischen Opfer auf ein paar Hunderttausend festlegt.“

Eine der vermeintlichen Autoritäten, die Abbas zitierte, war der gleiche Holocaustleugner, der nun im Mittelpunkt der jüngsten Kontroverse in Frankreich stand. „In seiner wissenschaftlichen Arbeit stellt der französische Professor Robert Faurisson in Frage, dass es Gaskammern gab, die zur Tötung lebender Juden dienten“, schrieb Abbas. „Er behauptet, dass die Gaskammern nur verwendet wurden, um Leichen zu verbrennen, aus Sorge, dass sich Seuchen und Viren verbreiten könnten. Es wäre gar nicht so schwer, diese Seite der Wahrheit zu belegen und nachzuweisen.“

Abbas distanzierte sich nie von den Thesen seines Buches. Im Gegenteil, er bekräftigte sie erneut. In einem Interview mit dem libanesischen Fernsehsender Al-Mayadeen vom 21. Januar 2013 wurde Abbas zu seinen Schriften zum Holocaust befragt. „Ich fordere jeden heraus, der die Beziehung zwischen Zionismus und Nazismus vor dem Zweiten Weltkrieg leugnet”, antwortete Abbas und verwies auf „70 weitere Bücher, die ich noch nicht veröffentlicht habe“, die seine Behauptungen unterlegen würden.

Einst im Jahr 2003 gab es Gerüchte, dass Abbas Israel besuchen würde. Damals forderte Jitzchak Herzog (zu jener Zeit Knesset-Abgeordneter für die Arbeitspartei, heute Vorsitzender ihrer Nachfolgepartei Zionistische Union) in seinem Beitrag in The Jerusalem Post, dass ein solcher Besuch von Abbas eine öffentliche „Entschuldigung und Korrektur“ für sein Holocaust-Buch von 1983 beinhalten müsse. Abbas‘ „unannehmbare Anschuldigung“ gegenüber Juden und zionistischen Führern müsse explizit zurückgezogen werden, beharrte Herzog.

Herzogs Standpunkt gilt auch heute noch. Die Hoffnung auf echten Frieden basiert auf der Bereitschaft der PA-Führung, den anti-israelischen und anti-jüdischen Hass der Vergangenheit aufrichtig abzulehnen. Jedes Mal, wenn ein PA-Beamter oder -Medienkanal den Holocaust leugnet, reduziert oder verzerrt (einschließlich der Vergleiche Israels mit den Nazis), werden die alten Flammen des Hasses geschürt, die mit der Unterzeichnung der Osloer Abkommen 1993 gelöscht sein sollten.

In Frankreich war der Front National-Politiker Jean-Francois Jalkh gezwungen worden, zurückzutreten, weil die Wucht der öffentlichen Meinung verdeutlicht hatte, dass er zu weit gegangen war. Eine zivilisierte Gesellschaft toleriert keine Holocaustleugner. Sie sollte auch nicht Abbas‘ Version der Holocaustleugnung tolerieren.

* Der Verfasser ist Gründungsdirektor von The David S. Wyman Institute for Holocaust Studies und Autor und Herausgeber von 16 Büchern über den Holocaust und die jüdische Geschichte.