Israels Präsident Reuven Rivlin empfängt Nachkommen von Eugène II. de Ligne

Staatspräsident Reuven Rivlin hat am Mittwoch Nachkommen des belgischen Diplomaten und Botschafters Eugène II. de Ligne und seiner Frau Philippine empfangen, die gemeinsam während des Holocaust Hunderte jüdischer Kinder in ihrem Schloss versteckt gehalten hatten. Einige der damals geretteten Kinder und deren Familien waren ebenfalls anwesend.

(Foto: GPO)

Der Prinz und seine Frau waren 1965 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu "Gerechten unter den Völkern" ernannt worden.

Michel De Ligne, Enkel von Eugène und Philippine und Leiter der Delegation, erklärte in seiner Ansprache bei der Veranstaltung: "Dies ist ein sehr wichtiger Tag für uns alle, ein Tag, der bisher in unserer Familie gefehlt hat, da unsere Großeltern niemals einen Baum im Wald der Gerechten gepflanzt haben. Das Gedenken an ihre Taten ist für uns alle Pflicht".

Er fügte hinzu: "Ohne Erinnerung kann eine Kultur nicht existieren, ohne Erinnerung kann es keine Zivilisation geben, kein soziales Leben. Ich sage: Lasst uns lieben, was geliebt werden muss, lasst uns vergessen, was vergessen werden muss, doch lasst uns nie vergessen, was niemals vergessen werden darf".  Er schloss: "Im Namen meiner Familie möchte ich Ihnen, Herr Staatspräsident, sagen, wie sehr uns die Dankbarkeit berührt, die wir vom jüdischen Volk und vom Staat Israel erfahren haben. Lang lebe Israel".

Avraham Kaputka, der für die Überlebenden sprach, erklärte: "Im Angesicht der Tötungsmaschine, die gegen die Juden Europas angeworfen worden war, haben Menschen und Institutionen daran gearbeitet, Menschenleben zu retten".

Er erzählte, dass er und 44 weitere jüdische Kinder von Familie de Ligne gerettet worden seien und fügte hinzu: "Sechs dieser Überlebenden sind heute hier. Wir waren allein, die Trennung von unseren Eltern war sehr schwer. Wir wussten nicht, ob oder wann wir sie jemals wieder sehen würden. […] Wir waren an einem sicheren und ruhigen Ort, während um uns herum der Krieg wütete. Einige der Kinder fanden ihre Eltern später wieder, andere nicht. Es gibt keine Worte um unsere Gefühle für Prinz Eugène, seine Frau Philippine und all die anderen zu beschreiben, die dabei geholfen haben, uns zu retten. Heute danken wir Prinz Michel de Ligne für seinen Beitrag zum Gedenken an die Geschichte unserer Rettung".

Staatspräsident Rivlin sagte: "Sie sind hier als eine Familie – die Mitglieder des Hauses de Ligne und die Familien der jüdischen Kinder, die sie gerettet haben. Sie sind eine Familie. Sie und all die vielen anderen Familien, die heute leben, wegen der Güte von Eugène, dem 11. Prinz von Ligne und seiner Frau Philippine. Ihr Vermächtnis wird von Ihnen, Ihren Nachkommen, bewahrt und von jedem jüdischen Kind, das sie gerettet haben".

(Präsidialamt, 13.07.16)