BDS stellt eine moderne Form von Antisemitismus dar

Von Ronald S. Lauder *

28/03/2016

„Wir werden gegen die Antisemiten angehen. Und wir werden gewinnen“, sagte der Präsident des World Jewish Congress bei einem Gespräch über BDS in Jerusalem.

Ich wünschte, dass es die weltweite Bestrebung, Israel zu isolieren, Israel zu unterminieren, Israel zu zerstören, nicht gäbe.

Aber es gibt sie, und sie heißt BDS: Boykott, Divestment und Sanktionen.

Ich war vor zwei Wochen in Buenos Aires bei einer Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses – der Organisation, dessen Präsident ich sein darf. Dort, in Argentinien, versammelten sich 457 Juden, die 67 Länder vertreten, in einem Raum. Stellen Sie sich das einmal vor. Insgesamt 457 Juden aus so verschiedenen Ländern wie Südafrika und Australien, wie Deutschland und Kolumbien, wie Israel und Russland. Und als wir auf BDS zu sprechen kamen, sprachen wir alle, die wir aus Ländern rund um den Globus kommen, wie mit einer Stimme. Wir alle, egal ob absolut säkular oder absolut orthodox, politisch links oder rechts stehend, waren uns in einer Sache einig: Wir müssen uns vereinen, um BDS zu stoppen.

Das war ein außergewöhnlicher Beweis für Einheit und Stärke. Und zwar, weil wir alle aus dem gleichen Grund dort waren. Wir waren alle dort, weil wir uns sehr umeinander kümmern. Weil wir uns sehr um den jüdischen Staat Israel kümmern. Und wir sind alle bestrebt, die BDS-Bewegung zu besiegen.

BDS wurde vor einem Jahrzehnt von dem Anti-Israel-Aktivisten namens Omar Barghouti initiiert.

Was war sein Ziel? Die Heimat der Juden zu zerstören. Den Juden das Recht auf Selbstbestimmung zu nehmen.

Unseren Feinden ist es nicht gelungen, Israel auf militärischem Weg zu zerstören. Es ist ihnen nicht gelungen, Israel wirtschaftlich zu zerstören. Nun, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, Israel militärisch oder wirtschaftlich zu zerstören, versuchen sie, Israel politisch zu zerstören.

BDS möchte sich gerne als eine Art demokratische Bewegung zeigen, die über Menschenrechte besorgt ist. Das ist eine Lüge. Im Gegenteil: BDS ist eine internationale Kampagne, um zu Feindseligkeit gegenüber Israel und dem jüdischen Volk aufzustacheln.

Lassen Sie mich klarstellen: Die BDS-Bewegung bezieht ihre Motivation nicht aus einer Meinungsverschiedenheit mit einer bestimmten israelischen Politik. BDS interessiert sich nicht für Frieden, und nicht dafür, das tägliche Leben von Palästinensern zu verbessern. Ihr wahres Ziel ist die Zerstörung Israels.

Die Welt muss diese Lügen durchschauen.

BDS besteht tatsächlich aus zwei unterschiedlichen Bewegungen. Die erste zielt auf den Boykott israelischer Produkte, israelischer Wissenschaftler, israelischer Ärzte und der vielen Ideen und Errungenschaften, die dieses wunderbare Land hervorbringt. Und die zweite besteht aus Anti-Israel-Kampagnen an Hochschulen und Universitäten.

Was den ersten Fall der Boykotte betrifft, ist der Jüdische Weltkongress durch seine Rechtsabteilung dabei, Gesetze zu erlassen, um die wirtschaftlichen Boykotte illegal zu machen. Vor zwei Jahren brachten wir dazu in London 40 jüdische Juristen zusammen.

Zum Glück verzichteten sie auf ihre Honorare.

Wir fokussierten uns auf eine weltweite Bemühung, die Boykotte zu verbieten. Und wir machen darin große Fortschritte.

In vielen Ländern sind die Boykotte bereits illegal. Eine neue Gesetzgebung im US-Kongress sieht vor, die Boykotte ebenso zu verbieten. An der rechtlichen Front sind wir also dabei, zu gewinnen.

Eine weitere Front in diesem Kampf bilden die Hochschulen und Universitäten. Ich war lange der Meinung, dass unsere Kinder und ihre Bildung unser größtes Kapital sind. Dabei werden unsere Kinder ab dem Moment, an dem sie an eine höhere Schule gelangen, mit antisemitischen Lügen bombardiert. Das ist besonders gefährlich, da viele junge Menschen erstmals in der Hochschule etwas über die Geschichte und Politik des Nahen Ostens erfahren. Diese jungen Leute sind besonders anfällig dafür, von der scharfen Propaganda der Anti-Israel-Aktivisten beeinflußt zu werden.

An vielen Hochschuleinrichtungen gibt es ausgezeichnete Pro-Israel-Gruppen. Sie können sich aber nicht leicht gegen die gut finanzierten Anti-Israel-Gruppen wie die „Studenten für Gerechtigkeit in Palästina“ und die Muslimische Studentenvereinigung behaupten. Diese Anti-Israel-Gruppen sind mit hochqualifizierten Aktivisten besetzt, die gerne hätten, dass sich unsere Kinder gegen Israel richten. Die meisten jüdischen Studenten sind unzureichend darauf vorbereitet, sich dagegen zu wehren.

Aber das wird sich ändern. Der Jüdische Weltkongress und ich haben einen gewagten neuen Plan, um an jeder wichtigen Hochschule und Universität ein Netzwerk aus jüdischen politischen Organisationen zu schaffen.

Nicht nur in den USA, sondern rund um die Welt. Wir werden jüdischen Studenten dabei helfen, anti-israelischen Radikalen und deren Lügen zu kontern.

In der Vergangenheit hatte die israelische Regierung versucht, die von BDS verbreiteten Lügen zu diskreditieren. Solche offiziellen Reaktionen der Regierung können aber kontraproduktiv sein, da sie der BDS eine Legitimität geben, die sie nicht haben sollte und auch nicht verdient. Stattdessen sollten wir diese Lügen vor Ort bekämpfen: an den Hochschulen und Universitäten.

Die neuen, vom Jüdischen Weltkongress finanzierten Studentenorganisationen werden aus unseren eigenen kompetenten jungen Fachkräften bestehen, die jüdische Studenten darin schulen werden, stolz auf ihr Vermächtnis und stolz auf Israel zu sein.

Und wir werden die Verlogenheit der akademischen Boykotte aufdecken. Diese akademischen Boykotte sind genau wie die Nürnberger Gesetze, durch die jüdische Professoren von deutschen Universitäten verbannt wurden. Denken Sie einmal darüber nach.

Akademische Boykotte laufen der eigentlichen Mission von Hochschulen und Universitäten zuwider. Die Hochschulen und Universitäten sollten den freien Ideenfluss fördern. Aber allzu oft haben wir erlebt, wie israelische Ansichten überschrien oder ausgeschlossen wurden. Als ich Campusse an Hochschulen besuchte und Israel verteidigte, wurde ich selbst ausgepfiffen.

 

 

Keine Universität würde es einem Professor, der ein Hakenkreuz trägt, erlauben, den Seminarraum zu betreten.

Warum sollten Universitäten also Professoren decken, die jihadistische Ansätze teilen? Schulen, an denen Hassreden geduldet werden, sollten entlarvt werden. Ehemalige Studenten und Förderer, denen Israel am Herzen liegt, sollten ihre Stimme erheben. Sie sollten die Vorstandsmitglieder der Universitäten dazu drängen, Hassreden gegen Israel mit Strafen zu belegen. Und wir sollten nicht zögern, rechtliche Maßnahmen zu ergreifen. In der Tat wurde gerade im vergangenen Monat von einem jüdischen Professor einer öffentlichen Schule in New York gegen die Hochschulleiter Klage erhoben und deren abscheulicher Antisemitismus enthüllt. Solche Klagen sind entscheidend.

Wir müssen den Boykott-Aufrufen auch mit koordinierten Kampagnen kontern, um die Leute zu motivieren, israelische Produkte zu kaufen.

Ähnlich wie bei der erfolgreichen „Buy American“-Kampagne müssen wir erreichen, dass die Leute stolz sagen: „Buy Israeli“. Sie können schon heute damit beginnen, indem Sie den Hashtag #BuyIsraeli auf Social Media nutzen, wann immer Sie eine der vielen israelischen Konsumgüter kaufen, die wir kennen und lieben. Wir werden die Welt wissen lassen, dass wir stolz sind, Israels Wirtschaft zu unterstützen.

Viel zu viele Jahre lang haben viel zu viele Menschen angesichts von anti-israelischen und antisemitischen Lügen geschwiegen. Wir werden nie wieder schweigen. Wir werden uns für die Wahrheit einsetzen, und wir werden die BDS-Bewegung für den Betrug, den sie darstellt, entlarven.

Was ist BDS? BDS ist nichts anderes als eine gefährliche neue Deformation einer uralten Krankheit.

Und diese Krankheit heißt Antisemitismus.

Und bei diesem Kampf dürfen wir nie vergessen, dass das letztendliche Ziel der Frieden ist.

Wie auch Sie wünsche ich mir inständig Frieden. Ich sehne mich nach dem Tag, an dem die Kinder Israels nicht mehr wissen, was Krieg ist. Und ich weiß, dass wir damit nicht allein sind. Alle, die Frieden lieben, schließen sich uns in diesen Bemühungen an, seien es Israelis, Palästinenser, Araber, Europäer oder Amerikaner. Ich bin zuversichtlich, dass selbst im dunkelsten Winkel der Welt, wo Antisemitismus floriert, Millionen Menschen bereit sind, an der Seite Israels zu stehen.   

Israel wird weiterhin ein Licht für die Völker sein. Israel wird erfolgreich sein. Israel wird erfolgreich sein, weil wir vereint sind. Israel wird erfolgreich sein, weil wir stolz sind. Israel wird erfolgreich sein, weil wir stark sind. Wir werden gegen die Antisemiten angehen. Und wir werden gewinnen.

* Dieser Kommentar basiert auf einer Rede, die bei der Anti-BDS-Konferenz von Yediot Aharonot am Montag in Jerusalem gehalten wurde. Der Verfasser ist der Präsident des World Jewish Congress.