Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst ist religionsfeindlich

Imam Ramazan Demir und Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister sprechen Klartext

Bundesminister  Kurz kommt einer alten rechtspopulistischen Forderung nach und plädiert für ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst. “Dies ist ohne wenn und aber eine eindeutige Diskriminierung!”, sagt Imam Ramazan Demir. Ein Integrationsminister könne und dürfe eine solch diskriminierende Linie nicht vertreten. Seine Forderung wirke anti-integrativ und sei ein schwerwiegender Eingriff in die Religionsfreiheit.

 

 

Imam Ramazan Demir (links) und Rabbiner Schlomo Hofmeister © Ernst M. Stern

 

Landesrabbiner Schlomo Hofmeister betont: "Diese Kopftuchdebatte darf nicht mit der Diskussion um Gesichtsverschleierung verwechselt werden. Vielmehr geht es hier um die Forderung Kleidungsstücke zu verbieten, die in religiösen Traditionen verwurzelt sind und deswegen als religiöses Symbol wahrgenommen werden. Der Gleichheitsgrundsatz unserer Verfassung garantiert allen Bürgern die gleichen Rechte ihrer Religionsausübung und der damit verbundenen Wahrung ihrer religiösen Identität. Ein derartiges Verbot würde nicht nur die Kopftücher muslimischer und jüdischer Frauen und die Kipa jüdischer Männer treffen, sondern konsequenterweise auch alle Angehörigen des Klerus, Nonnen und Mönche, die als Lehrerinnen und Lehrer tätig sind und anhand ihrer Kleidung irgendwie als Christen zu erkennen sind. Eine dahingehende Gesetzesinitiative nur auf einzelne, beziehungsweise nicht-christliche Kleidungsstücke oder Symbole anzuwenden, wäre mit den Werten unserer Verfassung sicherlich nicht vereinbar, um nicht zu sagentrumpistisch!" so Hofmeister.

 

Ramazan Demir ist besonders fassungslos über die bevormundende Art gegenüber Frauen: “Warum macht es sich ein Integrationsminister zur Aufgabe, Frauen vorschreiben zu wollen, wie sie sich zu kleiden hätten? Jeder hier in Österreich hat das Recht auf Gleichberechtigung und freie Religionsausübung. Das Tragen eines Kopftuchs gehört für viele Musliminnen zu ihrer Glaubenspraxis einfach dazu. Sie deswegen pauschal zu verdächtigen, sie könnten den Neutralitätsgedanken des Staates nicht vertreten, ist absurd.”

 

Schlomo Hofmeister kritisiert, dass solche Wortmeldungen die Gesellschaft unnötig polarisieren: "Integration bedeutet die gesellschaftlichen Gemeinsamkeiten, sowie die soziale Verantwortung und Solidarität innerhalb unserer multikulturellen Gesellschaft zu fördern. Elemente der christlichen Mehrheitskultur als staatlich verordnete Leitkultur zu definieren ist dabei fatal und höchst kontraproduktiv, weil dadurch allen, die sich beispielsweise aus religiösen Gründen anders kleiden, implizit unterstellt wird, nicht integriert beziehungsweise nicht Teil der Gesellschaft zu sein. Jene Politiker, dieIntegration rufen, aber Assimilation meinen, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen eine reaktionäre Agenda mit autoritären Zügen zu verfolgen, die mitwertkonservativen Idealen nichts mehr zu tun hat, sondern lediglich das Ziel verfolgt, mit den Rechtspopulisten um Wählerstimmen zu eifern!"

 

Wien,  08.01.2016

Initiative Muslime gegen Antisemitismus und Juden gegen Islamfeindlichkeit