Shimon Peres beigesetzt

Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Staatspräsident Israels Shimon Peres ist am Freitag in einem Staatsbegräbnis auf dem Herzl-Berg in Jerusalem beigesetzt worden.

5.000 Gäste, darunter der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, nahmen Abschied von dem Politiker und Menschen Shimon Peres. Österreich war durch Außenminister Kurz, Nationalratspräsidentin Bures sowie Altpräsident Heinu Fischer vertreten.

Trauerreden hielten Staatspräsident Reuven Rivlin, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der Knesset- Vorsitzende Yuli Edelstein, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, der Schriftsteller Amos Oz, Peres‘ Tochter Tzvia Valden, seine Söhne Yonni und Chami Peres und US-Präsident Barack Obama.

Der Sarg Shimon Peres' auf dem Weg zum Har Herzl (c) MFA 

Staatspräsident Rivlin sagte in seiner Trauerrede: „[…] Shimon, ich spreche heute zum letzten Mal zu dir ‚von Präsident zu Präsident‘, wie du immer sagtest, wenn du mich anriefst, um mich zu unterstützen und mir Rat zu geben. Während ich spreche, suchen meine Augen nach dir, meinem lieben Bruder, meinem älteren Bruder, und du bist nicht da. […] Du warst ein Mann, der eine ganze Nation auf den Flügeln der Vorstellungskraft trug, auf den Flügeln einer Vision. […]

Shimon, du hattest die seltene Fähigkeit, eine Idee zu haben, die zunächst unglaublich wirkte, und sie dann auch zu verwirklichen. Deine Augen konnten weit blicken, während deine Füße auf dem Weg der zionistischen und jüdischen Geschichte riesige Entfernungen durchmaßen. Deine Schritte führten immer weiter nach oben, wie bei einem erfahrenen Bergsteiger, der immer zuerst einen Haken einschlägt, bevor er weiter zum Gipfel stürmt.

So hast du dein Leben gelebt. Zunächst hast du geträumt, und erst wenn du wirklich vor deinen Augen gesehen hast, wie der Staat Israel auf dem Gipfel des jeweils neuen Zieles steht – dann erst hast du den Aufstieg begonnen und uns alle mitgenommen zum Ziel.

[…] Bis zu deinem letzten Atemzug hast du nach dem Gipfel des zionistischen Traums gestrebt, ein souveräner unabhängiger Staat, der mit seinen Nachbarn in vollem Frieden lebt. Doch du wusstest auch, dass ein wirklicher Frieden nur aus einer Position der Stärke und des Beharrens auf der Sicherung des Weges zum Gipfel heraus erreicht werden kann. […]

Lieber Shimon, du warst der einzige in der Geschichte Israels, der in den drei höchsten Ämtern der israelischen Regierung gedient hat, als Außenminister, Verteidigungsminister und Finanzminister. Du bist der einzige, der sowohl Ministerpräsident als auch Staatspräsident war. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass mehr als dass du damit gesegnet wurdest, der Präsident dieser großartigen Nation sein zu dürfen, diese Nation dadurch gesegnet war, dass du ihr Präsident warst. In all diesen [Ämtern] warst du uns Kopf, aber mehr noch, […] warst du uns Herz, ein Herz, das das Volk, das Land und den Staat geliebt hat. Ein Herz, das seine Menschen liebte, ein Herz, das sich um sie kümmerte, ein weites, ein großes Herz. Dein hartnäckiger Glaube an den Menschen, an die guten Menschen, an den Sieg des Fortschritts über die Ignoranz, an den Sieg der Hoffnung über die Angst, war dein ewiger Jungbrunnen. Und dadurch wurdest du zu unser aller ewigem Jungbrunnen. […]

Als Präsident warst du unser Fürsprecher. Du hast viele in der Welt gelehrt, den Staat Israel zu lieben, und auch uns hast du gelehrt, uns selbst zu lieben, keine üblen Reden zu führen, das gute und schöne zu sehen.

Dies ist ein trauriger Tag, Shimon, dies ist ein trauriger Tag. Die Reise deiner Träume, die in Wiszniew in Polen begonnen hat, endet in unserer Hauptstadt Jerusalem, auch dies ein Traum, der Wirklichkeit wurde. Dein Tod ist ein riesiger persönlicher und nationaler Verlust und ebenso das Ende einer Ära, das Ende der Giganten, deren Lebensgeschichte gleichzeitig die Geschichte der zionistischen Bewegung und des Staates Israel ist. Dies ist das tiefe Gefühl, das wir heute empfinden. Das Gefühl, dass ein Kapitel im Leben der Nation zu Ende gegangen ist, ein Kapitel unseres Lebens. Unser Abschied von dir ist auch ein Abschied von uns selbst. Wenn wir die Führer der Welt sehen, unsere Freunde von nah und fern, die hier her gekommen sind, um dir die letzte Ehre zu erweisen, verstehen wird, dass man dich nicht nur hier sondern auf der ganzen Welt vermissen wird. Und wir, alle, vermissen dich schon.

Gehe in Frieden, Shimon. […] Gehe in Frieden, Herr Präsident.“

Ministerpräsident Netanyahu erklärte in seiner Trauerrede unter anderem: „Es ist kein Geheimnis, dass Shimon und ich politische Rivalen waren, doch im Laufe der Jahre wurden wir Freunde, sogar enge Freunde.“

(Außenministerium des Staates Israel, 30.09.16)