»Warum die Juden? Moderner Antisemitismus – von Luther über die völkische Querfront bis zur BDS - Kampagne«

Veranstaltung mit Jutta Ditfurth mit anschliessender Diskussion

Donnerstag, den 11. Mai 2017 - 19:30h im Volkshaus Zürich, Stauffacherstrasse 60, 8004 Zürich, beim Helvetiaplatz

Eine Veranstaltung der »Initiative gegen Antisemitismus Zürich« 

Jutta Ditfurth (c) Rosa Lux. Stiftung

Antisemitismus hat sich über 2000 Jahre entwickelt und die judenfeindlichen Botschaften, egal welcher Art, werden von ihren AnhängerInnen leicht begriffen. Die alten antijüdischen Stereotype haben sich erhalten – bei Nazis und RechtspopulistInnen ohnehin, aber auch in bestimmten Fraktionen der Linken ebenso wie bei sich als Demokraten verstehenden BürgerInnen. Alle Formen des Antisemitismus existieren heute gleichzeitig: vom christlichen Antijudaismus über den rassistischen und den strukturellen, den Schuld abwehrenden bis zum neueren antizionistischen Antisemitismus. Auch die alten Hass-Bilder haben die Jahrhunderte überlebt, manchmal in neuem Gewand: Jüdinnen und Juden als Christusmörder, als Fäden ziehende Weltherrscher, als Brunnenvergifter und Kindsmörder, als wurzel- und heimatlose Intellektuelle und revolutionäre Kosmopoliten.

Der Vortrag bietet eine kritische historische Rückschau, benennt Verbindungen und Unterschiede, richtet den Blick auf gegenwärtige Kampagnen wie Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen (BDS) und deren vor allem linke Unterstützung und fragt nach möglichen Perspektiven.

Jutta Ditfurth ist Soziologin und Autorin. Sie studierte und arbeitete als Wissenschaftlerin und Reporterin in Grossbritannien, den USA, der Sowjetunion, China, Cuba und Algerien. Sie ist seit den 1970ern ausserparlamentarische politische Aktivistin, u.a. in der Anti-AKW-Bewegung, der Frauenbewegung und in der antiautoritären Linken.

1980 war sie Mitgründerin der Grünen und von 1984-1988 ihre Bundesvorsitzende. Sie verliess die Grünen 1991, als diese sich nach rechts entwickelten. Sechs Jahre lang war sie im Bundesvorstand der JournalistInnengewerkschaft dju/Industriegewerkschaft Medien. Seit 1991 ist sie Mitglied der Ökologischen Linken und der ÖkoLinX-Antirassistischen Liste. Für letztere wurde sie 2001 in das Stadtparlament von Frankfurt/Main gewählt und immer wiedergewählt. Sie forscht und schreibt über Faschismus, Antisemitismus, Ökologie und Politik, deutsche und internationale Geschichte und über soziale Protestbewegungen.

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Über uns:

Antisemitismus ist leider immer noch ein aktuelles Thema; das hat der öffentliche Diskurs während der letzten Monate und Jahre deutlich gezeigt. Gezeigt hat sich auch, dass das Bewusstsein über dieses Problem bei einem Teil der Bevölkerung kaum vorhanden ist. Wenn man bedenkt, dass in verschiedenen Studien bei 40 –50% der Schweizer Bevölkerung eine latent antisemitische Denkhaltung festgestellt werden muss, ist dies erschreckend. Vor allem Schändungen jüdischer Friedhöfe und Attacken auf jüdische Mitbürger, Synagogen und Geschäfte haben weltweit zugenommen.

Erschreckenderweise ist Antisemitismus ist nicht mehr nur ein Phänomen des rechten oder leider auch des linken politischen Randes, sondern wird mittlerweile auch aus der Mitte der Gesellschaft heraus verbreitet. Immer häufiger wird Kritik am Staat Israel genutzt, um durch überzogene und einseitige Stellungnahmen Israel zu diffamieren und das Existenzrecht des jüdischen Staates in Frage zu stellen. 

Gerade heute, wo Judenfeindschaft wieder “salonfähiger“ geworden ist, halten wir es für absolut notwendig, diesem gefährlichen Trend etwas entgegenzusetzen.

Wir VeranstalterInnen der „Initiative gegen Antisemitismus Zürich“ bilden ein heterogenes linkes Bündnis für radikale Kritik an jeglichen Formen von gesellschaftlicher Diskriminierung und Ausgrenzung. Zusammengebracht hat uns der gerade auch in der Linken grassierende Antisemitismus, oder vielmehr der Wille, etwas dagegen zu unternehmen. Weil auch in der Linken antisemitische Denkformen und Stereotypen produziert und reproduziert und mit grosser Vehemenz verteidigt werden, halten wir es für notwendig, Antisemitismus aus linker Sicht zu kritisieren. Seit 2002 haben wir in Zürich eine fünfteilige Veranstaltungsserie und mehrere Einzelveranstaltungen mit Fachleuten aus dem In- und Ausland zum Themenbereich Antisemitismus und Antizionismus durchgeführt. Das rege Interesse, auf das wir mit unseren Veranstaltungen stiessen, sowie die andauernde Aktualität der Problematik bestätigen uns in unserem Entschluss, unser Engagement weiterzuführen.

Wir bleiben dran...

gegenantisemitismuszurich(at)gmail.com