Die Umkehr des Ori Gruder

Ein Mann wird mit 30 religiös, mit 44 will er die Welt der Charedim filmisch darstellen.

von Samuel Laster

Wir gehen beten. Eine kleine Gruppe hat sich in der kleinen Betstube in Wiens Innenstadt versammelt. Ori Gruder hat einen Film gedreht und sich Gedanken über Sexualaufklärung für männliche jüdische Jugendliche gemacht. „Worum geht es im Film“, fragt der Rabbiner den Filmemacher Gruder. „Es geht um die Bewahrung des Bundes“, so Gruder . „Ein wichtiges Thema“ sagt der Rabbiner . Ob er sich den Film ansehen wird,  das will unser  Rabbiner P. „noch nicht sagen“.

Bei Monthy Python hieß es „Every sperm is sacred“ - Ori Gruder ging noch einen Schritt weiter. 300 Millionen Sammenzellen werden beim Gesachlechtsakt vom Mann ejakuliert, so ein Experte im Film .  Jedes Spermium  ist heilig, weshalb die  Masturbation „Verschwendung“ von etwas  Heiligem ist . „Es gibt da so Gerüchte, dass wir gegen Gummiwände knallen“,  sagte Woody Allen als fallschirmspringender Samen in „Was Sie immer schon über Sex wissen wollten“ anno 1972 .

Der „Breslover Chassid“ Gruder hat sich mit einem schwierigen Thema beschäftigt. Es gibt innerhalb der Charedim heftige Auseinandersetzungen um den Film, der am Montag im Rahmen der „Jüdischen Filmwoche“ gezeigt wurde. Wie im Film zu sehen ist, fragte Gruder zuerst seine Frau ob er den Film überhaupt drehen sollte. „Hätte sie nein gesagt , hätte ich es gelassen“. Am Ende des Filmes fragt der Chassid Gruder seinen Rebben, der befand der Film „Sacred Sperm“ wäre „dezent, bescheiden und  angemessen“.

Den Film gibt es  in zwei Versionen, Eine davon dauert 74, die TV-Version  60 Minute. Da in der Filmwoche nur die kurze Version lief, kam es fast zu einer Verspätung des Filmemachers bei der anschließenden Diskussion, weil er dem Autor zuvor ein Interview gab.  Diese kurze Fragestunde war durchaus packend:  So fragte eine besorgte Frau über die fehlende „feministische Perspektive“ im Film. Ori Gruder gab ihr recht. Das Publikum im Kinosaal schien erstaunt.

Es geht um Umkehr, so heisst „Teshuva“ wörtlich. Diese erlebte Ori Gruder mit etwa 30. Dies macht ihn naturgemäß zum optimalen Vermittler „charedischen“ Lebens. Die Zielgruppe bleibt dabei vage. Geht es um innerjüdischen Diskurs? Wir alle könnten ja umkehren… Der Film „Sacred Sperm“ was soviel wie „Heiliger Samen“ heißt ist grandios. Von Ori Gruder wird noch viel zu hören sein…

Sacred Sperm זרע קודש

Israel, 2014 | Dokumentation , 60 min.

Regisseur : Ori Gruder

Produzenten : Galit Benglas and Eado Zuckerman-  für Buzz Television LTD.