Ungarische Neonazis im "Schulvereinshaus"

von Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

Das Stelldichein der Wiener Burschenschaft Olympia mit ungarischen Kameraden (siehe: Olympia, Blood & Honour und die österreichisch-ungarische Achse) fand am 21. April im "Schulvereinshaus" der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) in der Wiener Fuhrmannsgasse (siehe Bild) statt.

das "Schulvereinshaus" in Wien

Laut einem Kurzbericht aus der Szene "war der Saal bis zum letzten Platz gefüllt". Die neofaschistische Jobbik schickte wie erwartet ihren Auslands- und Jugendkader Szabolcs Szalay, der angereiste "Aktivist" der neonazistischen Jugendbewegung der 64 Burgkomitate (HVIM) wurde bezeichnenderweise nicht namentlich genannt.

Moderiert wurde der Abend von Alexander Markovics, Olympe und Identitären-Anführer. Neben Markovics engagierten sich vor allem die Olympen Gernot Unfried und Markus Ripfl, nebenbei ein niederösterreichischer freiheitlicher Multifunktionär, für das Gelingen des österreichisch-ungarischen Erfahrungsaustausches. Dabei erkannten die "Zuhörer [...] sehr rasch, dass man viele Gemeinsamkeiten hat und auch gegenseitig einiges voneinander lernen kann".

Das Geheimnis um den HVIM-Redner konnte mittlerweile gelüftet werden - es handelt sich um Balázs Nárai. Dieser outet sich auf facebook u. a. als Fan des im Nationalsozialismus ikonisierten Wehrmachtsgenerals Erwin Rommel und offenbart eine ausgeprägte Affinität zu Hakenkreuz-Geburtstagstorten, Hitler-Ansichtskarten und anderem NS-Kitsch.

Auf der offiziellen HVIM-Seite findet sich ein ausführlicherer Bericht über das österreichisch-ungarische Stelldichein. Unter anderem seien dort "die Zigeuner betreffende[ ] Probleme[ ]" zur Sprache gebracht worden. Als "positive[s] Beispiel", wie solche "Probleme" gelöst werden könnten, brachte Nárai das "Modell von Érpatak und unserem Anführer Gyula Zagyva".

Dieser sorgte etwa 2011 für Schlagzeilen, als er mit Gleichgesinnten versuchte, das Sziget-Musikfestival in Budapest zu stürmen, und dabei verhaftet wurde. Anfang Februar 2014 führte er rund 200 Neonazis an, die am "Tag der Ehre" in der ungarischen Hauptstadt aufmarschieren durften, um das Andenken der Waffen-SS zu pflegen. Bei dem von Nárai gelobten "Modell von Érpatak" wiederum handelt es sich um einen Law-and-Order-Kurs, der als asozial stigmatisierte Menschen - insbesondere Roma - von Unterstützungsleistungen ausschließt, ständiger Kontrolle unterwirft und teils schwerer Repression bis hin zur Vertreibung aussetzt.

Ergänzt wird das von Bürgermeister Mihály Zoltán Orosz entworfene Modell (vgl. dazu ausführlicher http://hungarianfreepress.com/2015/08/03/erpatak-a-hungarian-town-living-under-far-right-terror/ und http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/swr2-feature-das-modell-von-erpatak/-/id=659934/did=12845518/nid=659934/71wqej/index.html) durch Einschüchterungsversuche und gewaltsame Übergriffe gegen unliebsame BürgerInnen sowie durch antisemitische Hetze: So veranstaltete der bis vor Kurzem bevorzugt in Kampfanzügen auftretende Bürgermeister Orosz im Sommer 2014 einen öffentlichen "Protest gegen den Völkermord des israelischen freimaurerischen Terrorstaates", welcher in der symbolischen Hinrichtung von Benjamin Netanjahu und Shimon Peres gipfelte (vgl. https://pusztaranger.wordpress.com/2014/08/04/rechtsextremer-burgermeister-veranstaltet-offentliche-hinrichtung-von-netanjahu-und-peres/).

Nárai selbst freut sich auf facebook über die "große Ehre" seines Auftritts als HVIM-Repräsentant vor "rechten Intellektuellen" in Wien und äußert die Hoffnung, dass "die österreichische Rechte aus unserer Vorstellung unseres eigenen Kampfesweges […] Kraft für ihre Bewährungsproben schöpfen kann". Mit einem Augenzwinkern mutmaßt er abschließend, dass "diesen positiven Energien der Wahlerfolg des dortigen rechtsextremen Staatsoberhaupts [FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer] zu verdanken" sei.