Über die Qual der Wahl und Wahl der Qual

Ein Kommentar von Alexandra Hahlweg                      23.05.2016

 

Eigentlich hatte ich damit gerechnet pünktlich zur ersten Hochrechnung in Wien-Schwechat zu landen, um zu erfahren wohin zumindest die Stimmung im Land  geht. "Es steht 50:50", meldete der Pilot aus dem Cockpit schon kurz vor der Landung. Dann, endlich am Boden,  die Überraschung: "Die Wahl geht in die Verlängerung", lese ich in der Krone online, "Van der Bellen ist 3000 Stimmen vorne", meldet der ORF. Ein bisschen verwirrt besteige ich die S-Bahn Richtung Wien, aber es bleibt weiterhin bei 50:50.

 Van der Bellen und Hofer suchen einen Moderator? (c) ATV

Es ist möglicherweise eine historische Wahl, sollte es erstmals passieren, dass ein Kandidat der rechtsextremen FPÖ gewinnt. Eine FPÖ, die in letzter Zeit scheinbar ihre Liebe zu Israel gefunden hat und dessen Führer H.C. Strache einmal meinte, sie wären gar die "neuen Juden" bezüglich Anfeindungen von links. Tatsächlich ist links der FPÖ viel Platz, weswegen der eigentlich ziemlich biedere und konservative Alexander Van der Bellen oft (und völlig zu Unrecht) als "linker" Kandidat bezeichnet wird.

"Israelkritiker" Alexander Van der Bellen (c) ATV 

Man solle ihn wählen "um Hofer zu verhindern", meinte Van der Bellen und konnte damit tatsächlich WählerInnen gewinnen. Der nicht gerade mit Charisma und Charme gesegnete Grüne, machte bei der ATV- Fersehkonfrontation, bei der die Kandidaten quasi sich selbst überlassen wurden, keine gute Figur – zumindest keine bessere als Norbert Hofer. "Kindergartenniveau" konnte man vielerorts lesen, sei diese TV-Blamage gewesen, mir wurde lediglich übel. Von Hofer hatte ich mir ja bezüglich Diskussionskultur nichts anderes erwartet, als untergriffiges, unfaires Verhalten, vielleicht noch gespickt mit ein paar Taferln a la Haider. Van der Bellen überraschte mich - offensichtlich schlecht gecoacht, kam er auch nicht übers dumpfbackige Scheibenwischerniveau hinaus.

Vermeintlicher "Israelfreund" Norbert Hofer (c) ATV 

Normalerweise entscheide ich mich bei solchen Wahlen für das geringere Übel. Diesmal jedoch war es anders, diese Wahl war eine echte Qual. Ein Van der Bellen, der bezüglich Israel einmal meinte, dass die Kennzeichnung von israelischen Produkten "unter Freunden" legitim sei und ein Hofer, der Israel so liebt, dass man Angst kriegt? Ich stand also vor der Entscheidung "Weiss wählen" oder  "Hofer verhindern" und beides war 50:50 …