Warum europäische NGOs und das Rote Kreuz in Israel wirkliche Feinde sind

Autor Tuvia Tenenbom entdeckt, dass das gelobte Land ein deutsches Problem hat

 

Coole Typen schauen sich keine Explosionen an: Tuvia Tenenbom pausiert für ein Foto während neuer Unruhe in Israel

Von Tuvia Tenenbom

Übersetzung: Maria Kallenberg

Veröffentlicht am 18. Januar 2015 in FORWARD

 

Mein echter Name - für diejenigen unter Ihnen, die mich unter anderen Namen kennen - ist Tuvia.

Ich wurde in eine äußerst antizionistische, ultraorthodoxe jüdische Gemeinschaft in Israel, bekannt als die "Hazon-Ishniks", hineingeboren, unter Leute, die sicher sind, dass sie die Menschen sind, die Gott am nächsten und seine einzigen Vertreter auf der Erde sind. Kurz gesagt, ich wurde in die Elite der Elite des damaligen religiösen Judaismus hineingeboren.

Den Fußstapfen meiner Vorfahren, einer langen Linie von Rabbis, folgend, habe ich jeden wachen Moment meiner Jugend mit dem Studium der Gesetze G'ttes verbracht. Es stimmt, das Leben war nicht immer perfekt, besonders während der Sommermonate, wenn die Hitze deutlich über 30 Grad erreichte und ich mit Kleidern, von denen meine Lehrer mir beigebracht haben, dass sie "jüdische Kleider" waren, herumlaufen musste — ein wollener schwarzer Mantel und ein schwerer Hut — aber davon abgesehen war das Leben ehrlich besser als perfekt.

Aber dann bekam ich an einem winterlichen kalten Tag allerhand Bücher und Bilder in die Hände und fand heraus, dass ich angelogen worden war. Unsere "jüdischen" schwarzen Kleider ließen mich den nichtjüdischen polnischen Adligen und österreichischen Bürgerlichen von vor ein oder zwei Jahrhunderten erschreckend ähnlich sehen; die Verherrlichung unserer Gemeinschaft von Jungfrauen war mehr in Übereinstimmung mit dem Denken in islamischen Gesellschaften; und die Art, auf die meine Rabbis mich davon abhielten, mich auf irgendeine Weise sexuell zu betätigen  — "Du sollst nie Frauen anschauen", haben sie mich immer erinnert — schien eher im Katholizismus als im Judaismus verwurzelt zu sein.

Meiner Natur als ein Vertreter G'ttes entsprechend, beriet ich mich mit dem Himmel und verließ die ultraorthodoxe Herde. Ich schloss mich der modernen orthodoxen Welt an und verwandelte mich in dem Prozess in einen glühenden rechten Zionisten.

Und nachdem einige Jahre vergangen waren, trat ich der israelische Armee bei.

Als Soldat fühlte ich mich wie ein echter Meister. Ich fuhr Panzer in die Wüste und trug in der Stadt ein großes Sturmgewehr. Als ich eines Tages durch die Straßen von Jerusalem lief und glaubte, der biblische König David zu sein, trafen meine Augen die einer jungen arabischen Dame in einem langen weißen Kleid, die auf dem Dach ihres Hauses stand. Da stand sie, aufrecht und stolz. Sie starrte mich an und sang dann schöne arabische Melodien, die mein Gemüt und Herz einfingen. Ich starrte sie zurück an, eine prächtige Schönheit mit der Stimme eines Engels, und verliebte mich an Ort und Stelle. Ihr Lied, schlussfolgerte ich sofort, war weit durchdringender als irgendeine meiner Kugeln.

An genau diesem Tag wurde ich ein Linker, ein extremer Linker, um genau zu sein, und verliebte mich in alle Araber.

Da ich jung und naiv war, dachte ich, dass meine neue Liebe hinunter laufen und in die offenen Arme Königs Davids, meine, eilen würde.

Es geschah nicht. Sie ignorierte diesen König einfach.

Ich konnte es nicht glauben. Wie könnte sich sie in einen sexy Mann wie mich nicht verlieben?

Ja, ich war sexy!

Sehen Sie, in diesen Jahren kamen junge deutsche Freiwillige in Scharen nach Israel, um den Juden des jüdischen Staats zu helfen, weil sie sich schuldig fühlten für das, was ihre Eltern, Onkel und Tanten den Juden einige Jahrzehnte früher angetan hatten. Für sie war ich der heißeste Mann auf der Welt, weil meine Eltern nur knapp die Nazis überlebt haben und die meisten von meiner Familie in den Himmel über dem einen oder anderen Krematorium verdunstet sind.

Für die arabische Schönheit war ich trauriger Weise dennoch nichts Besonderes.

Es dauerte, aber schließlich kam ich damit zurecht, von dem arabischen Mädchen abgelehnt zu werden — in diesen Tagen waren sie "Araber", nicht "Palästinenser". Und als die Jahre vorbeigingen, gab ich auch mein Gewehr auf und beschloss, ein Gemäßigter zu werden und an einer Universität zu studieren.

Aber meine Mutter, die glaubte, dass an eine weltliche Universität zu gehen das Schlimmste war, dass ein Jude machen konnte, konnte nicht aufhören zu weinen, als ich ihr von meiner Entscheidung erzählte.

Da ich meiner Mutter nicht antun wollte, was die Nazis begonnen hatten, verließ ich Israel.

Das war vor 33 Jahren.

Ich zog in die Vereinigten Staaten und verbrachte die nächsten 15 Jahre in verschiedenen Universitäten, alles und jedes studierend, das ich für interessant hielt. Ich gründete das Jewish Theater of New York, wo ungefähr 20 meiner Stücke präsentiert wurden, und begann für verschiedene amerikanische und europäische Pressekanäle zu schreiben, hauptsächlich für die deutsche Zeitung Die Zeit.

Ende 2012 wurde mein Buch "I Sleep in Hitler's Room" (auf Deutsch "Allein unter Deutschen") — eine sechsmonatige Reise in die Psyche der heutigen Deutschen — herausgegeben. Das Buch, das die schockierende Tiefe von Antisemitismus im heutigen Deutschland dokumentiert, wurde ein Spiegel-Bestseller. Ein Jahr später fragte mich mein Herausgeber, ob ich bereit wäre, ein Buch über Israel zu schreiben und die gleichen "Verfahren" zu benutzen, die ich im ersten Buch angewandt hatte, nämlich: durch das Land zu reisen, mir alles anzuschauen, mit allem und jedem zu reden und dann über das alles zu schreiben, Detail für Detail.

Ich nahm an und flog nach Israel.

Tage und Monate sind vorbeigegangen, und ich bin immer noch in Israel.

Das Israel, das ich heutzutage sehe, ist nicht das Israel, an das ich mich erinnere. Verschwunden sind zum Beispiel die schönen deutschen Freiwilligen.

Nein, nein, lassen Sie mich genauer sein: Sie sind hier, die jungen Deutschen, aber diesmal sind sie, zum größten Teil wenigstens, damit beschäftigt, andere Dinge zu machen als sich schuldig zu fühlen. Heutzutage sind sie sehr beschäftigt damit, Araber die besten Wege zu lehren, Juden zu bekämpfen. Moment. Lassen Sie mich das zurücknehmen. Diese deutschen Freiwilligen fühlen sich auch sehr schuldig für das, was ihre Großeltern den Juden angetan haben, und deswegen wollen sie heutzutage den Arabern in ihrem Kampf gegen Juden helfen.

Das mag für Sie nicht sehr viel Sinn machen, aber für diese Deutschen spielt Logik nicht immer eine große Rolle.

Hier ist ein Beispiel:

Ich saß neben ein paar jungen deutschen Mädchen bei einer Anti-Israel-Veranstaltung an der Al-Quds-Universität in Jerusalem, in der uns erzählt wurde, dass der Staat Israel von massakrierenden Judenbanden geschaffen wurde, die aus keinem ersichtlichen Grund in diesen Teil der Welt kamen und mitten in der Nacht Tausende von schlafenden Zivilisten schlachteten. Die Mädchen applaudierten.

"Vor drei Jahren" erzählte mir eine von ihnen, "habe ich für Israel Freiwilligendienst getan und mich in das jüdische Volk verliebt".

"Und deswegen haben Sie sich entschieden, wieder zu kommen"? fragte ich.

"Ja".

"Vor drei Jahren haben Sie sich in die Juden verliebt und deswegen helfen Sie jetzt den Palästinensern"?

Sie sah mich ungläubig und sehr aufgeregt an: "Was versuchen Sie zu sagen"?

Ja, die deutschen Freiwilligen haben sich geändert. Und die Juden haben sich ebenso geändert.

Mir scheinen die zeitgemäßen ultraorthodoxen Juden heidnischen Anbetern des Bronze-Zeitalters ähnlicher zu sein als den Polen oder den Österreichern aus dem letzten Jahrhundert. Heutzutage können Sie zum Beispiel Rabbi für Rabbi die seltsamsten "Wunder" durchführen sehen, wie Leuten zu helfen, durch Segnungen "attraktiv auszusehen" und ihren naiven Anhängern noch dazu "bequeme Suiten im Himmel" zu versprechen, alles für teures Geld selbstverständlich.

Die Ultraorthodoxen sind nicht die einzigen, die sich geändert haben. Die modernen orthodoxen Juden von heute sind zu meiner Überraschung fast genaue Reproduktionen der ultraorthodoxen meiner Jugend. Vor 30 Jahren liebten junge moderne orthodoxe Männer und Frauen es, zusammen an Shabbat- Nachmittagen zu tanzen. Heutzutage ist Jungen nicht erlaubt, Mädchen zu berühren, geschweige denn mit ihnen zu tanzen.

Auch die heutigen Linken haben riesige Veränderungen durchgemacht. Manche leiten NGOs, die von Millionen Dollars von ausländischen Spendern unterstützt werden, und verbringen ihre Tage und Nächte in Verfolgung eines Traums: die jüdische Identität dieses Landes völlig zu zerstören.

"Am Ende sollte es hier einen Staat mit Wahlgleichheit geben",  sagte mir ein linksgerichteter Künstler.

Da die Palästinenser wahrscheinlich die Mehrheit in diesem einen Staat sind, würde der jüdische Staat aufhören zu existieren, richtig? fragte ich.

"Davon träume ich!" sagte er.

Ich habe viele Leute getroffen wie ihn, die stolz erklären, dass sie die palästinensische Kultur lieben.

Sprechen Sie Arabisch? frage ich sie.

"Nein" ist die Antwort, die ich erhalte.

Haben Sie den Koran oder andere islamische Quellen gelesen?

"Noch nicht" ist, was sie tendenziell sagen.

Es erscheint mir irrsinnig, wie Leute, die ihr Leben dem Bewahren palästinensischer Identität und Kultur widmen, an das Studieren dieser Kultur nicht mal denken.

Ich habe Arabisch studiert, den Koran, den Hadith und was auch immer ich sonst in die Hände kriegen konnte, und trotzdem laufe ich nicht herum und erkläre meine Liebe. Die elitären israelischen Linken, die ich treffe, kennen Kant, Nietzsche, Sartre und Aristoteles, aber sie kennen nicht den Koran oder den Hadith, nicht einmal  Arabisch.

Außer den Juden gibt es hier selbstverständlich auch Araber. Haben sie sich geändert?

Oh ja, haben sie!

Das Lächeln, das ich vor 33 Jahren gewöhnlich auf ihren Gesichtern gesehen habe, ist völlig verschwunden. Bevor Europa und Amerika zahllose Geldbeträge in verschiedene "Friedensinitiativen" hier gepumpt haben, haben Araber und Juden ziemlich gut miteinander verkehrt. Es war nicht das Paradies, aber das ist New York ja auch nicht. Ich erinnere mich daran, nach Ramallah, Nablus, Bethlehem gehen zu können — so ziemlich überallhin. Ich mochte arabisches Essen und arabische Musik und genoss beides zu jeder Zeit, die ich wollte. Kann ein israelischer Jude heute nach Nablus gehen, nach Gaza, nach Ramallah?

"Hier gab es immer einen Bus", erzählte mir ein israelischer Mann aus der südlichen Stadt Ashkelon, "der öffentliche Bus Nummer 16, und wir sind immer nach Gaza gefahren. Wir hatten ein gutes Verhältnis, die Einwohner von Gaza und die Israelis. Wir arbeiteten miteinander, aßen miteinander und besuchten einander. Das Leben war damals anders. Jetzt ist Gaza eine getrennte Welt. Wir können nicht zu ihnen gehen; sie können nicht zu uns kommen".

Ich bin zum Haus von einem der wichtigsten palästinensischen Anführer gegangen, Generalleutnant Jibril Rajoub, ein Mann, von dem viele Israelis denken, dass er der Gemäßigteste der PLO sei. "Wenn Hitler von seinem Grab aufwachen und die Brutalität von Israel sehen würde, wäre er schockiert", erzählte er mir.

Einer von seinen Männern sagte zu mir, während er mich fest umarmte: "Alle von uns, alle Palästinenser, sind deutsch".

Sie kennen mich hier als "Tobi den Deutschen", ein Name, unter dem ich gehe, wenn ich bei Palästinensern bin, und sie lieben mich, diesen arischen Mann. Wäre ich Tuvia gewesen, ein Name, der mich sofort als jüdisch identifizieren würde, besteht eine starke Wahrscheinlichkeit, dass ich heute nicht mehr unter den Lebenden weilen würde. Nirgendwo in Palästina, oder "Gebiet A" in den Begriffen von Oslo, können Sie einen einzigen Juden finden — es sei denn, er ist entführt und höchstwahrscheinlich getötet worden.

Jibril fand Gefallen an mir. Und um ehrlich zu sein, mochte ich ihn auch. Er sagte mir, dass mein Name nicht mehr Tobi sein sollte.

Hatte dieser Meister palästinensischer Spionage herausgefunden, dass ich kein Tobi bin?

Bei der Anmut und Gnade von Allah, das hatte er nicht. "Dein Name ist ab jetzt Abu Ali", sagte er zu mir. Abu Ali, was in palästinensischem Arabisch Rücksicht und Mut anzeigt, ist auch der Name, mit dem einige Palästinenser Adolf Hitler bezeichnen.

Also, ja: Was für ein Unterschied 33 Jahre machen.

Wie hat diese Veränderung in arabisch-jüdischer Beziehung stattgefunden? Ich brauchte Monate des Durchstreifens von Straßen, um die Anwesenheit von Leuten zu offenbaren, die hart gearbeitet haben, um diese Änderung ins Leben zu rufen.

Wer sind diese Leute?

Trauriger Weise sind es die NGO-Aktivisten, die dieses Land durchstreifen und Hass verbreiten. Sie sind nicht die einzigen, denn es gibt einen anderen Schuldigen: die EU.

Um gerecht zu sein, sind sie nicht die einzigen schuldigen Parteien hier. Die US-amerikanische Agentur für Internationale Entwicklung ist, im Gegensatz zum Glauben vieler Leute, auch nicht von rechtschaffenen Leuten gemacht worden. Aber die USAID ist, verglichen mit den Europäern, ein kleiner Fisch, deswegen bleiben wir mal bei den Europäern.

Überrascht? Ich war es. Aber Realität ist der beste Mörder von Überraschungen, und die Realität hier ist unglaublich giftig.

Wenn Sie hier ein Tourist sind, oder selbst wenn Sie hier leben, werden Sie sehr wahrscheinlich nicht genau auf sie achten. Aber wenn Sie ein Buch über dieses Land schreiben müssen und Sie Ihre Augen und Ihre Ohren nicht verschließen können, offenbart sich die Realität.

Habe ich das falsch verstanden? Prüfen wir das mal.

Kommen Sie bitte mit mir mit auf eine Reise nach Yad Vashem, das Holocaust-Gedächtnismuseum dieses Landes. Viele von Ihnen sind dort gewesen und heute gehe ich auch dorthin. Im Gegensatz zu den meisten von Ihnen gehe ich nach Yad Vashem jedoch auf einer Reise, die von der EU finanziert wird, über eine Bewilligung durch die Europäische Kommission.

Ich schließe mich einer italienischen NGO an, Casa per la Pace Milano, die junge Italiener ins Land bringt, zwecks Erlebens von Israel aus erster Hand. Diese NGO stellt sogar einen israelischen Reiseleiter namens Itamar an.

"Willkommen in Israel, Palästina", sagt Itamar, wobei er in ein Mikrofon spricht, und erzählt uns dann, dass er ein "ehemaliger Jude" ist.

Während wir durch das Museum laufen, tut Itamar sein Bestes, die Geschichte vom Zweiten Weltkrieg in eine zeitgenössische umzuwandeln und macht Vergleiche zwischen den Nazis von gestern und heutigen Israelis.

"Im heutigen Israel werden Afrikaner in Konzentrationslager gebracht", sagt Itamar, sich auf illegale sudanesische und eritreische Einwanderer beziehend, über die er uns offensichtlich glauben machen will, dass sie in Krematorien in ganz Israel verbrannt werden.

Während die Reise fortschreitet, bewegen wir uns zu einem anderen Abschnitt von mehr toten Juden, wo ein normaler Besucher dieses Museums von der stärksten Phase in der Massenvernichtung von Millionen von Juden erfährt. Aber unser ehemaliger Jude hat andere Dinge im Sinn. Er sagt: "Was Sie hier [in Yad Vashem] sehen, ist alles aus der Perspektive jüdischer Opfer, dies ist schließlich ein jüdisches Museum. Aber was Sie hier sehen, mit den Nazis und den Juden, geschieht auch heute in Palästina. Was hier in Israel geschieht, ist ein Holocaust".

Ich freue mich, wenn ich das so sagen darf, dass meine Mutter schon tot ist und das nicht mehr hören muss.

Als Privatperson ist Itamar zu seinen Ansichten berechtigt. Aber was hier interessant ist, ist, dass die EU diesen "ehemaligen Juden" bezahlt; ein Mann, den sie kennen sollten, wird schlecht über die Juden sprechen, zu Besuchergruppen — und in Yad Vashem.

Und dann gibt es das Rote Kreuz oder, wie es offiziell bekannt ist, ICRC. Das sind die Gerechten der Erde, die wunderbare weiße Lieferwagen mit kleinen süßen roten Kreuzen fahren und immer bedürftigen Leuten zu helfen suchen.

Naja, nicht ganz.

Die Leute, denen ich hier vom Roten Kreuz begegnet bin, machen wichtigere Dinge als nur die Kranken zu besuchen oder für Leute in Bedürfnis zu sorgen. Zum Beispiel: Gelder auszugeben, um Araber anzuwerben und/oder mit genau den richtigen Werkzeugen zu versorgen, um die schlechten Juden zu erwischen und einzutragen, die dieses Stück der Erde durchstreifen. Israel ist ein Besatzer, lehren sie die Araber, und die Araber müssen die Besetzung durch die Juden bekämpfen. Wann wurde dieses Land besetzt? Nein, nein, sagen Sie nicht 1967. Dieses Land wurde 1948 besetzt.

Woher ich das weiß?

Nein, ich habe nichts über das Rote Kreuz in den Zeitungen gelesen. Die hiesigen Medien, das habe ich auf die harte Tour gelernt, sind es nicht, wo man Tatsachen findet. Um herauszufinden, was die Leute vom Roten Kreuz machen, schloss ich mich ihnen auf einer Fahrt in eine arabische Stadt, Jenin, an, und durfte aus erster Hand sehen, wie sie vorgehen.

Mein Tag mit den Leuten vom Roten Kreuz begann eher seltsam. Ich erschien vor den ICRC-Büros im Jerusalemer Viertel Scheikh Jarrah und bestieg den Lieferwagen, der mich nach Jenin fahren würde.

Während wir fuhren, sprach der Vertreter vom Roten Kreuz mit mir. "Wenn sie [Israel] Häuser niederreißen, kommen wir mit dem PRC [Palästinensischer Roter Halbmond] und bieten den Leuten, die gerade ihr Zuhause verloren haben, Hygienebeutel und Zelte an. Alle Gebäude in Scheikh Jarrah haben Räumungsbefehle und Israel wird Siedler dorthin platzieren".

Das klingt wirklich schlimm. Wie viele Häuser sind in Scheich Jarrah bis jetzt zerstört worden? fragte ich ihn.

Er versuchte sie alle im Kopf zusammen zu addieren und kam dann mit der genauen Summe: Null.

Das macht nicht viel Sinn, aber das scheint nichts auszumachen. Das Rote Kreuz schämt sich nicht einmal, seine hasserfüllten Gedanken schriftlich zu teilen — wenn Sie ein deutscher Journalist sind, selbstverständlich. In einer E-Mail vom Roten Kreuz wurde mir erzählt, dass das Rote Kreuz seine Analyse von Menschenrechtsangelegenheiten "mit staatlichen Parteien zur Genfer Konvention teilt, und sie folgen unserer Auslegung des Gesetzes, mit der Ausnahme von Israel".

Israel ist offensichtlich das einzige Land auf der Welt, das die Vierte Genfer Konvention und die internationalen humanitären Gesetzregelungen verletzt. Verdammte Juden.

Zusätzlich zu ausländischen NGOs, die im Gebiet tätig sind, sind israelische NGOs hier auch sehr aktiv, obwohl ihre Haupteinnahmequelle aus dem Ausland kommt. Eine des berühmtesten israelischen NGOs ist B'Tselem, die hübscher Weise von deutschen Quellen finanziert wird.

B'Tselem hat verschiedene Geschichten über Menschenrechtsverletzungen durch die israelische Regierung und die israelische Armee öffentlich gemacht. Wie haben sie es gemacht? B'Tselem hat Feldforscher, alles in allem ungefähr 10, von denen alle Palästinenser sind.

Ich traf mich mit einem Forschungsgefährten mit Namen Atef und er nahm mich mit, um aus erster Hand die schrecklichen Dinge zu bezeugen, die Juden machen. Als wir dort ankamen, wo die schlechten Juden sein sollten, sahen wir tatsächlich keine Juden. Stattdessen stellte Atef mich einigen Einheimischen vor.

Wir redeten für eine Weile und dann klagte mich plötzlich das Familienoberhaupt an, indem er sagte, dass ich "den Juden Geld zahle!"

"Wann habe ich irgendeinem Juden Geld gezahlt"? Ich, Tobi der Deutsche, fragte.

"Gut, nicht Sie persönlich, aber Ihre Leute, die Deutschen",  sagte er.

Ich erinnerte meinen neuen Freund daran, dass wir, die Deutschen, keine andere Wahl haben als die Juden zu bezahlen, weil wir sie in WWII getötet haben.

Atef, der Forschungsgefährte, unterbrach: "Das ist eine Lüge. Ich glaube es nicht", sagte er.

Der Holocaust ist, wie wir alle wissen, eine Erfindung der Juden.

Und die Juden von B'Tselem nannten diesen Mann einen erstklassigen Forscher.

Diese Geschichten sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein von dem, was ich in diesem Land gefunden habe, und als ich fertig war, wusste ich, wie ich mein neues Buch nennen würde: "Catch the Jew"! (dt. Erwisch den Juden, Anm. d. Übers.) — Drei Wörter, die die heutige Geschichte von Juden, Arabern und der aufgeklärten westlichen Welt erzählen. Als "Catch the Jew"! in Israel herauskam, sendeten israelische Fernsehstationen ein paar Videoclips, die ich ihnen gegeben hatte, die einige von den Geschichten im Buch detaillieren. Einer der Clips war über B'Tselem. Aber B'Tselem leugnete den Bericht und behauptete, dass der Clip aus dem Kontext herausgenommen worden sei. Also stellte ich eine längere Version des Videoclips auf Facebook. Erst nachdem Haaretz berichtete, dass ich den B'Tselem-Gefährten richtig zitiert hatte, gab die Organisation schließlich die Wahrheit zu und entließ Atef.

Aber Atef war nie das Problem. B'Tselem ist eine von vielen NGOs, die hier tätig sind; jede ist "Menschenrechten" und "dem Frieden", aber in Wirklichkeit der Zerstörung des Staates Israel und der Delegitimierung ihrer jüdischen Bürger gewidmet.

Das klingt hart, ich weiß, aber ist trauriger Weise die Realität.

Wie Sie sich denken können, kosten NGOs Geld, Millionen über Millionen, und jemand muss sie bezahlen. Die Frage ist, wer?

Laut Nachrichtenoffizieren, mit denen ich hier gesprochen habe, kommt die Mehrheit des antiisraelischen europäischen Geldes, das hierher geschickt worden ist, aus Deutschland. Die deutsche Finanzierung hasserfüllter NGOs ist nicht die einzige deutsche Beteiligung an antiisraelischen Aktivitäten hier. Schauen Sie für einen Moment auf die zahlreichen deutschen Parteien, die hier über ihre parteinahen Stiftungen tätig sind. Obwohl sie es öffentlich leugnen werden, finanzieren sie wissend Antisemiten.

Vor meiner Abreise frage ich mich wie dieses Jahr in 33 Jahren aussehen wird. Ich bin mir nicht sicher, da ich vor langer Zeit aufgehört habe, Gottes Stellvertreter zu sein, aber meine Vermutung ist, dass wenn es nach den Deutschen geht, hier in 33 Jahren kein einziger Jude sein wird.

Alle Fotos von Isi Tenenbom

 

 

05.02.2015