Zwischen Pest und Cholera?* – Wenn die IKG Muslime zum „Dialog“ einlädt, dürfen „Schnitzgermanen“ nicht fehlen

 

Von Alexandra Hahlweg   18.11.2016

 

Am Dienstag, den 15. November 2016 lud die IKG zum Dialog mit Muslimen. Generalsekretär Raimund Fastenbauer organisierte dieses "Event" offenbar frei nach dem Motto "Wer ein guter Moslem ist, das bestimme ich" und so kam es, dass 4 "Reform"-Moslems am Podium saßen. Natürlich war auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft eingeladen, der – wie kann man ihm das verdenken! - absagte. Tarafa Baghajati von der IGGÖ hatte nun diese zweifelhafte Ehre an diesem billigen Schmierentheater quasi als Einzelkämpfer teilzunehmen und seine Position würdig zu vertreten (was ihm auch ganz gut gelang, wenn man diese Umstände bedenkt).

 

Herr Ourgi, Raimund Fastenbauer, Tarafa

Baghajati und Ednan Aslan (von links)

Von den 4 "Reformexperten" hörte man u. a. die Forderung nach einem "europäischen Islam", der Streichung von problematischen Suren aus dem Koran, bis hin zur Forderung einer "Einstaatenlösung" für Israel, weil sich angeblich in einem palästinensischen Staat die Moslems gegenseitig umbringen würden. Abdel-Hakim Ourghi, "geistreicher" Verteter der Einstaatenlösung (wofür er im Saal leider den meisten Applaus bekam) wurde, ebenso wie 2 weitere Gäste, extra aus Deutschland eingeflogen.

Kann man den Dialog der IKG überhaupt ernst nehmen?

Seitens der IKG wird der Islamischen Glaubensgemeinschaft permanent ein Unwille zum Dialog unterstellt und unzählige Male werden irgendwelche Briefe erwähnt, die offenbar nicht schnell genug beantwortet wurden. Aber wie sieht es eigentlich bei der IKG aus? Präsident Oskar Deutsch unterstellte den Muslimen generell vor einem Jahr noch einen latenten Antisemitismus, während der Generalsekretär von "Schnitzgermanen“ offenbar gar nicht genug kriegen kann und diese mehrmals ins Gemeindezentrum einlud.

Diese letzte IKG-Veranstaltung zeigte deutlich, dass man offenbar mit den hiesigen Muslimen und solchen, die die Mehrheit der muslimischen MitbürgerInnen hier vertreten, nichts zu tun haben will. Man lud merkwürdige Leute wie Abdel-Hakim Ourghi ein, die in der islamischen Welt tatsächlich bedeutungslos sind, aber offenbar die "richtigen" Dinge sagen.

Es wurde vor kurzem von der IKG betont, dass man sich mit dem neuen Präsidenten der IGGÖ besser verstehe und bei einem einzigen kurzen Treffen über gemeinsame Themen, wie das Schächten ausgetauscht hätte. Warum müssen dann, wenn man schon zum Dialog einlädt, 3 von 5 Leuten extra aus Deutschland anreisen? Es gibt in Österreich genug kompetente Islam-WissenschaftlerInnen, muslimische Intellektuelle und PhilosophInnen, die uns einen ausgezeichneten Einblick in die islamische Welt vermitteln könnten, wenn man sie einladen würde. Muslimische ÖsterreicherInnen, die sowohl den Islam und den Humanismus, als auch die Errungenschaften der europäischen Aufklärung im Herzen tragen, gibt es genügend. Es scheint, als wäre die IKG tatsächlich an einem niveauvollen und tiefgründigen Austausch gar nicht interessiert.

Der eigentliche Skandal: Kellernazis und „Schnitzgermanen“ als „Ehrengäste“?

Wir hatten uns ja schon gedacht, dass diese Veranstaltung etwas sonderbar werden würde, dass aber Freiheitliche und "Schnitzgermanen" im Publikum sitzen würden, hätten wir uns nach dem Skandal im letzten Jahr bei G‘tt nicht vorstellen wollen.

Wir nehmen hier nur als Beispiel für manche dieser illustren Gäste Herrn Andreas Grabensberger (und nein, wir haben uns diesmal gar nicht einmal den "Schlimmsten" ausgesucht): Andreas Grabensberger ist Mitglied der Grazer Landsmannschaft Viruna, ehemaliger Nationalratswahl-Kandidat der FPÖ (was uns die FPO auch vorgestern auf Anfrage bestätigte), einer der Unterstützer des WKR-Balls vulgo Akademikerballs und Organisator der zweifelhaften Veranstaltung, bei der IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer vor einem Jahr über „Nazi-Lausbuben“ schwadronierte, sodass sich Ehrenpräsident Ariel Muzicant damals von ihm distanzierte.*

Bei der Mensur seinerzeit das Gesicht zur Unkenntlichkeit ("Fetzen") gefochten- Andreas Grabensberger, der "Schnitzgermane" schlechthin

Herr Grabensberger teilt sich gerne auf Facebook mit: Wenn er nicht gerade Beiträge von Kellernazi Harald Vilimsky postet, Artikel von Krone-Kolumnist und Martin Graf-Anwalt Tassilo Wallentin teilt oder Propaganda des rechtsextremen Wochenblicks offeriert, dann schreibt Grabensberger selbst u .a. von "linken Perversen", die Baby-Hitler ermorden würden, wenn Zeitreisen möglich wären.

Weitere Zitate: "Sind Linke und Lügenpresse PERVERSE … werden wir von Perversen gelenkt, geleitet und vor allem manipuliert?"

"Frau Merkel, sie + Gutmenschen + Lügenpresse haben das Deutsche Volk, die Österreicher und wen sonst noch als Nazis und rechte Populisten hingestellt, wenn wir nur gewarnt haben".  

"Die Linken und die Asylanten haben uns mit Gewalt inklusive Massenmord drangsaliert und die Lügenpresse hat uns ausgegrenzt".*

 

"Die IKG hat mit der FPÖ und Kellernazis  nichts zu tun"-  Weiss das auch der Herr im blauen Anzug?

Natürlich ist Grabensberger auch Fan von diversen Seiten und Gruppen auf Facebook, wie beispielsweise von den "Deutsch-Steirern", die freilich nichts mit der Steiermark zu tun haben, sondern mit slowenischen Städten und Orten, wie beispielsweise Maribor und Kranj etc. Auf deren Facebook-Seite werden u. a. die tapferen PartisanInnen verunglimpft, es wird gegrüßt mit "Heil Kärnten" oder Ottokar Kernstock gewürdigt.

Andreas Grabensberger ist enttäuscht von unserer Zeitung, weil wir letztes Jahr so gar nicht nett über den Auftritt Fastenbauers bei seiner Veranstaltung geschrieben haben. Nun gut, das können wir verkraften, es ist uns ehrlich gesagt wurscht. Was uns aber so gar nicht wurscht ist, dass bei der IKG-Veranstaltung solche Typen auftauchen und uns ins Wort fallen, wenn wir eine Frage stellen.

So fragte Samuel Laster Ednan Aslan am Podium, ob es ihm (Aslan) nichts ausmache bei FPÖ-Veranstaltungen von H. C. Strache gleich mehrmals (lobend!) zitiert zu werden und ob er an einer Veranstaltung Straches teilnehmen würde. Da schrie der ehemalige FPÖ-Kandidat Grabensberger: "Keine Parteipolitik hier!" Milli Segal - mischte sich sogleich ein (wir gehen davon aus, dass sie nicht wusste, wer Grabensberger ist) und rügte Samuel Laster (als würde das bei einem Israeli mit schlechtem Benehmen etwas bringen).

Viele Leute im Saal hatten (und haben) eine jüdische Großmutter

Natürlich war der "Auftritt" des Herrn Grabensberger mit dem Ende der Veranstaltung nicht wirklich beendet. Er stürzte sich am Ende der Diskussion, nachdem er mir ein paar fragwürdige Komplimente machte, sogleich auf Tarafa Baghajati. Auf eine mögliche FPÖ-Mitgliedschaft angesprochen (immerhin war er ja FPÖ-Kandidat), schrie er, dass er angeblich eine jüdische Großmutter gehabt hätte.

Wir würden diese Behauptung gerne recherchieren, vielleicht kann uns Herr Grabensberger etwaige Dokumente oder zumindest den Namen der fraglichen Großmutter übermitteln? Wir legen darauf größten Wert, weil in bestimmten Kreisen, die sich vormals mit ihren „besten jüdischen Freunden“ brüsteten, neuerdings sehr häufig angebliche jüdische Großmütter auftauchen. Übrigens: Einer meiner polnischen Urgroßväter hieß Israel Feyerabend, meine Uroma stürzte sich seinerzeit (in Deutschland) aus dem 4. Stock - aber das ist eine andere Geschichte…

Die aufmerksame LeserIn wird sich nun zurecht fragen: Was zur Hölle machen solche Gestalten im IKG-Gemeindezentrum? Warum bekommen diese Leute Ehrenplätze? Ist es nicht an der Zeit, dass Generalsekretär Raimund Fastenbauer in den wohlverdienten Ruhestand geht und seine besonderen Spezis dann irgendwo anderweitig trifft? Diese Fragen werden wohl spätestens bei der kommenden IKG-Wahl beantwortet werden.


Ehrenplätze für Schnitzgermanen und Kellernazis

Bei dieser Veranstaltung gab es eine Großaufgebot an Sicherheitsleuten im Saal, diese sollten wohl die Gemeindemitglieder vor vermeintlich radikalen Muslimen schützen. Dass die Gefahrenlage eine ganz andere ist, geht in der Prioritätensetzung des Generalsekretärs unter, der sich politisch ins Abseits und die Gemeinde in ein schiefes Licht rückt. Ari, ich bitte dich, unternimm etwas!

 

Über Reaktionen freut sich die Autorin unter redaktion(at)juedische.at

 

*bezieht sich auf ein Zitat von Ariel Muzicant an diesem Abend: "Wir sind hier in Europa zwischen Pest und Cholera..."

*Fastenbauers Auftritt im FPÖ-TV inklusive seiner Verharmlosung von Nazis als Lausbuben, dies kann man sich übrigens noch hier anschauen. Es ist der 2. Beitrag ab Minute 3:42 .

*Nun Herr Grabensberger, ich als Linke und Vertreterin der „Lügenpresse“, ich grenze Sie nicht aus, ich ermorde Sie weder heute, noch morgen und wahrscheinlich auch nicht übermorgen, ich zitiere Sie sogar! ;-)