Wie hältst du’s mit der FPÖ?

Nun schwelt auch in der jüdischen Gemeinde in Wien der Konflikt über den richtigen Umgang mit der Rechtspartei.

von Christa Zöchling und Samuel Laster (profil 23/6.6.2016)

 

Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, ist ein unerschrockener Mann, auch wenn er es vermeidet, Frauen die Hand zu geben. Einer seiner Urgroßväter war Rabbiner in der Leopoldstadt.  Die Wiener Verwandten kamen in Auschwitz ums Leben. Im Alter von 24 Jahren übernahm er ein Rabbinat in Moskau. An unangenehme Auseinandersetzungen ist er gewöhnt. Mit seiner Wortmeldung, eine nicht unbeträchtliche Zahl europäischer Juden gäbe Parteien der extremen Rechten ihre Stimme, hat er heimische Funktionäre in größte Verlegenheit gebracht.

Oskar Deutsch. Präsident der IKG

In Frankreich und Belgien, wo Juden sich nicht mehr sicher fühlen, nachdem islamistische Terroristen tödliche Anschläge auf ihre Einrichtungen, Synagogen und Supermarkte, verübt hatten, wo Juden mit Kippa sich kaum noch auf die Straße wagten, sei dies schon länger bekannt. Doch habe es ihn überrascht, zu hören, dass nicht wenige österreichische Juden den freiheitlichen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer gewählt haben, sagte Goldschmidt am Rande einer Rabbinerkonferenz in Wien.

In der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) ist man nun peinlich berührt. Im Gemeindeparlament am vergangenen Donnerstag kam es zu einem heftigen Schlagabtausch  zwischen den verschiedenen Fraktionen. Die einen kritisierten, dass IKG-Präsident Oskar Deutsch vor der Wahl Sympathie für Alexander Van der Bellen geäußert habe, die anderen  beschwerten sich, dass er sich nicht klipp und klar von der FPÖ distanziert hatte.

Einig ist man sich darin, dass antisemitische Pöbeleien nicht nur von rechtsextremer Seite kommen, sondern zusehends auch muslimischem Hintergrund hätten. Eine jüdische Einrichtung, die sich in der Nähe eines Flüchtlingsheims befindet, wird seit dem Frühjahr 2016 verstärkt bewacht.

Der ehemalige Vorsitzende der IKG und derzeitige Vizepräsident des Europäen Jewish Congress, Ariel Muzicant sagt:  „Auch wenn die Linke immer israelkritischer wird und bisweilen die Grenze zum Antisemitismus überschreitet, während sich die Rechte immer israelfreundlicher gibt, darf man sich nicht verbiegen“.

Dr. Ariel Muzicant- eine bunte Eminenz

Der amtierende Präsident der IKG, Oskar Deutsch, ließ profil zu dem schwelenden Konflikt eine Stellungnahme zukommen: „Das Wahlgeheimnis gilt auch für Jüdinnen und Juden. Abgesehen davon teile ich nicht die Einschätzung, dass ein „nicht unwesentlicher’ Teil der jüdischen Gemeinde Norbert Hofer gewählt hat. Es ist umgekehrt: Ich denke, dass ein wesentlicher Teil aus einer Vielzahl guter Gründe nicht die FPÖ gewählt hat“.  Allerdings sollte die Politik islamistischen Judenhass ernst nehmen.