Kein "Koscherstempel" für rechtsextreme  Parteien

Rabbinerkonferenz  in Wien  macht Schlagzeilen

von Samuel Laster und Alexandra Hahlweg

Im Jahr 2000 wurde die Europäische Rabbinerkonferenz  kurzfristig von Wien nach Bratislava verlegt. Der Grund war damals die Koalition der ÖVP Wolfgang Schüssels mit der rechtsextremen Haider- Partei. Diesmal tagte die Europäische Rabbinerkonferenz in Wien, an eine kurzfristige Verlegung falls Norbert Hofer von der FPÖ doch Bundespräsident geworden wäre, dachte niemand - zu sehr hat sich Europa in den letzten 16 Jahren verändert.  Der Vorsitzende der Europäischen Rabbinerkonferenz Pinchas Goldschmidt machte in den österreichischen Medien Schlagzeilen, da er bei verschiedenen Interviews meinte, dass auch einige  Mitglieder der jüdischen Gemeinde Norbert Hofer gewählt hätten. Goldschmidt prangerte die Blauäugigkeit gewisser Mitglieder der jüdischen Gemeinde an und warnte gleichzeitig davor, rechtsextreme Parteien "koscher" zu machen.  Auch wir natürlich haben ausführlich mit Rabbiner Goldschmidt gesprochen, das Interview erscheint in Kürze.

Pinchas Goldschmidt - ein begnadeter Redner

Bei der Konferenz, bei der etwa 50 Rabbiner von Montag bis Mittwoch  tagten , ging es unter anderem um die Themen Beschneidung, Schächten, Antisemitismus und die Zukunft der jüdischen Gemeinden.  Eine feierliche Gala am Montag Abend  im Wiener Rathaus  mit 150 Gästen war einer der Höhepunkte der Konferenz. Arie Folger wurde dort als neuer Oberrabbiner Wiens vorgestellt,  Paul Chaim Eisenberg wurde  zum Oberrabbiner  des Bundeverbandes  der jüdischen Gemeinden "weggelobt".  Der Bundesverband ist eine inhaltsarme "Mantelfirma" der Religiongsgemeinschaft der jüdischen Gemeinden Österreichs, die dortige Funktion des Oberrabbiners hat praktisch keine  Autorität und Befugnis.

 

Paul Chaim Eisenberg auf dem ewig dünnen Eis

zwischen Humor und Entgleisung

 

Interreligiöses Treffen - in der Kürze liegt die Würze?

Ein interreligiöses Treffen mit Vertretern verschiedener Konfessionen,  wie beispielsweise  Kardinal Christoph Schönborn, entpuppte sich als 20 minütiges "Foto-Op"  mit ein wenig Small Talk. Das Treffen mit Außenminister Sebastian Kurz  (45 Minuten ) und danach mit dem neuen Kulturminister Drozda (30 Minuten) rundete das Konferenzprogramm ab.  

Arie Folger, der neue Oberrabbiner

Terror und Rechtsextremismus

Die Essenz eines solchen Treffens ist freilich  von außen nicht so leicht wahrnehmbar. Der Austausch in den internen Gesprächen der Rabbiner aus Kiew, Moskau, Brüssel, Toulouse , Paris, Wien und London zeichneten  ein Bild verunsicherter, in ihrer persönlichen zutiefst Sicherheit erschütterter  jüdischer Menschen, denen die Rabbiner Halt und Hoffnung  zu geben versuchen.


Ariel Muzicant (links) mit Kardinal Christoph Schönborn