Die zivilen Opfer von Gaza – Die Wahrheit sieht ganz anders aus

Von Richard Kemp*, Gatestone-Institut, 03.08.2014

Englische Version: http://www.gatestoneinstitute.org/4570/gaza-civilian-casualties

 

Übersetzung: Daniela Marcus

 

Mit wenigen Ausnahmen akzeptieren Journalisten, Kommentatoren und Analysten widerspruchslos die Opferstatistik der medizinischen Behörden in Gaza, die von der Hamas kontrolliert werden und die alle Toten der Israelischen Verteidigungsarmee (IDF) zuordnen. Bis jetzt haben wir keine noch so kurze Nachricht über tote oder verwundete palästinensische Kämpfer erhalten.

Analysen der Opferstatistiken, die von Al Jazeera −mit Sitz in Katar− veröffentlicht wurden, weisen darauf hin, dass bislang die meisten der in Gaza Getöteten nicht Frauen, Kinder oder alte Menschen waren, sondern junge Männer im kampffähigen Alter.

Alle palästinensischen Zivilopfer sind letztendlich zurückzuführen auf die Aggression der Terroristen gegen Israel und darauf, dass die Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht. Dies ist das Kernelement der Kriegspolitik der Hamas.

„Oberst Lerner, haben Sie es auf unschuldige Zivilisten abgesehen oder ist es Inkompetenz?“ fragt die Interviewerin mit einem Gesicht, das eine offenbar nur für Israelis reservierte Geringschätzung zeigt. Würde sie mit einer solch groben Respektlosigkeit gegenüber einem amerikanischen oder britischen Offizier auftreten, wären die Zuschauer verstimmt. Und benähme sie sich gegenüber einem arabischen Kommandeur auf diese Weise, müsste sie mit Anschuldigungen von Rassismus rechnen.

Diese Art der Fragestellung –die überall in Sendergruppen täglich wiederholt wird− offenbart eine naive und einfältige Bereitschaft, einer Sache Glauben zu schenken. Und sie bestärkt Zuschauer darin, für möglich zu halten, dass die IDF durchgehend aus psychopathischen, Kinder mordenden Schlägertypen besteht.

Anzudeuten, militärische Inkompetenz sei die einzige Erklärung für die Toten unter den Zivilisten –ausgenommen dem vorsätzlichen Massenmord−, enthüllt eine haarsträubende, jedoch nicht überraschende Ignoranz der Gegebenheiten bei Kampfeinsätzen.

Obwohl ihnen kaum zugestanden wird, wenigstens einen Satz vollständig zu Ende zu führen, werden israelische Versuche, die Strategien der Zielauswahl in Gaza zu erklären, unweigerlich als lächerliche Erfindung abgewiesen.

Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus. Die IDF hat die umfassendsten und intelligentesten Maßnahmen entwickelt, um zivile Opfer während Angriffen auf zulässige militärische Ziele gering zu halten.

Vor jedem Luftangriff ist es vorgeschrieben, multi-sensorische Informations- und Überwachungssysteme, die die An- oder Abwesenheit von Zivilisten bestätigen, einzusetzen. SMS, Telefonanrufe und Radiobotschaften in Arabisch rufen zum Verlassen des anvisierten Zieles auf. Flugblätter, die aus der Luft abgeworfen werden, beinhalten Landkarten, die sichere Gebiete aufzeigen. Wenn Warnungen keine Beachtung geschenkt wird, wirft die Luftwaffe vor einem Angriff zunächst nicht-tödlichen Sprengstoff ab, um so davor zu warnen, dass der Angriff unmittelbar bevorsteht.

Erst wenn Piloten und Fliegerleitoffiziere sicher sind, dass keine Zivilisten vor Ort sind, wird die Genehmigung für den Angriff gegeben. Wenn Piloten lasergesteuerte Munition verwenden, müssen vorher sichere Gebiete bestimmt werden, in die die Geschosse umgeleitet werden können, sollten plötzlich Zivilisten am anvisierten Ziel erscheinen.

In den letzten Tagen haben Piloten der IDF viele Missionen abgebrochen, weil sich Zivilisten in der anvisierten Gegend aufhielten.

 

Zwei Bilder, die Palästinenser als menschliche Schutzschilde zeigen. Sie versammeln sich auf Gebäuden, für die die israelische Luftwaffe Vorwarnung wegen eines bevorstehenden Angriffs gegeben hatte.

Die Bodentruppen haben äquivalente Handlungsweisen für ihre Einsätze, obwohl es in der Beschaffenheit des Bodenkampfes liegt, dass dieser schonungsloser und weniger technisch ausgereift ist. Gespräche mit Infanteristen der IDF, die gerade aus den Kämpfen in Gaza zurückkommen, bestätigen jedoch, dass die Vermeidung von zivilen Opfern an erster Stelle steht, selbst wenn die Soldaten selbst unter Beschuss kommen.

Zurück in der Sicherheit des Fernsehstudios verliert die Interviewerin gegenüber dem Sprecher der IDF immer mehr an professioneller Objektivität und zeigt stattdessen offen ihre Wut: „Sie reden ständig über all die Warnhinweise, die Sie geben, doch Tatsache ist, dass Sie eineinhalb Tausend Menschen getötet haben, die große Mehrheit von ihnen Zivilisten!“

Natürlich wird dem Offizier nicht gestattet, eine angemessene Antwort zu geben, die Zuschauern helfen könnte, die reale Situation zu verstehen.

Mit nur wenigen Ausnahmen akzeptieren Journalisten, Kommentatoren und Analysten widerspruchslos die Opferstatistik der medizinischen Behörden in Gaza, die von der Hamas kontrolliert werden und die alle Toten der IDF zuordnen. Stirbt jemand in Gaza eines natürlichen Todes? „Kollaborateure“, die bei Massenhinrichtungen den Tod erleiden, und Zivilisten, die durch Fehlfunktionen der Hamas-Raketen getötet werden – all diese Toten werden dem Beschuss der IDF zugeschrieben.

Sind die große Mehrheit der Toten wirklich Zivilisten? Es hat den Anschein. Denn wir sehen eine Menge von groteskem und herzzerreißendem Filmmaterial von toten und blutenden Frauen und Kindern. Doch bis jetzt haben wir so gut wie nichts von toten oder verwundeten Kämpfern gesehen. Und die Journalisten kommentieren dies nicht, noch hinterfragen sie die vollständige Abwesenheit von Opfern unter den Gaza-Kämpfern, die ein außergewöhnliches und einzigartiges Phänomen in diesem Konflikt darstellt. In Wahrheit strengt sich die Hamas natürlich sehr an, ihre militärischen Opfer nicht an die Öffentlichkeit zu bringen, um die Fiktion aufrecht zu erhalten, dass Israel nur Zivilisten tötet. Es gibt auch zunehmend Anzeichen dafür, dass die Hamas –durch Gewaltanwendung oder Drohung− Journalisten daran hindert, Hamas-Kämpfer tot oder lebend zu filmen.

Bevor der Kampf nicht vorbei ist, wird die Wahrheit nicht ans Licht kommen. Doch wir wissen nun, dass die Hamas ihrem Volk den Befehl gab, alle Toten als unschuldige Zivilisten zu melden. Wir wissen auch, dass die Hamas bereits in der Vergangenheit mehrfach bezüglich der Opferzahlen gelogen hat. Nach der Operation „Gegossenes Blei“, die 2008-2009 in Gaza stattfand, schätzte die IDF, dass von 1166 palästinensischen Toten 709 Kämpfer waren. Hamas –unterstützt von mehreren NGOs− behauptete, nur 49 ihrer Kämpfer seien getötet worden und der Rest seien unschuldige Zivilisten gewesen. Sehr viel später war die Hamas gezwungen zuzugeben, dass die IDF Recht hatte mit ihrer Schätzung und dass zwischen 600 und 700 der Toten tatsächlich Kämpfer waren. Doch die Medien mit ihrem Kurzzeitgedächtnis sind unfähig, dies zu berücksichtigen. Stattdessen senden sie ihre provokanten Behauptungen, die jeder Grundlage entbehren.

Analysen der Opferstatistiken, die von Al Jazeera −mit Sitz in Katar− veröffentlicht wurden, weisen darauf hin, dass bislang die meisten der in Gaza Getöteten nicht Frauen, Kinder oder alte Menschen waren, sondern junge Männer im kampffähigen Alter. Laut einem Analysten liegt das Verhältnis von Frauen unter den Toten bei 21%, wobei der Anteil der Frauen in der Bevölkerung etwa 50% beträgt.

Vorläufige Analysen des Intelligence and Terrorism Information Center Meir Amit in Israel weisen darauf hin, dass 71 –oder 46,7%− der ersten 152 getöteten Palästinenser Kämpfer waren und 81 –oder 53,3%− unbeteiligte Zivilisten.

Keine der Analysen ist bislang endgültig. Doch sie lassen Zweifel aufkommen über die Vorwürfe von willkürlichen Angriffen der IDF auf die Bevölkerung und auch über die UNO-Schätzungen –von den Medien und der nicht wirklich unvoreingenommenen UNO als Tatsachen verbreitet−, nach denen zwischen 70 und 80 % der palästinensischen Opfer Zivilisten seien.

Nichtsdestotrotz wurden tragischerweise viele unschuldige Zivilisten getötet. Wie konnte das geschehen angesichts der IDF-Maßnahmen, die darauf zielen, zivile Opfer möglichst gering zu halten?

IDF-Kommandeure sagen, sie feuern niemals absichtlich auf Ziele, an denen sich unbeteiligte Zivilisten aufhalten. Diese Politik geht viel weiter als die Genfer Konventionen es verlangen. Und diese Politik wurde mir von Soldaten am Boden und von F16-Piloten, die Angriffe auf Ziele in Gaza fliegen, bestätigt.

Doch Fehler passieren. Überwachung und Geheimdienstinformationen können niemals absolut sicher sein. Es gibt Berichte darüber, dass die Hamas Zivilisten zwingt, in Gebäude zurückzukehren, nachdem sie bereits evakuiert wurden. Manchmal gibt es unerwartete Auswirkungen nach Angriffen, z. B. dergestalt, dass benachbarte Häuser, in denen sich Zivilisten aufhalten, einstürzen. Dies wird oft durch sekundäre Explosionen verursacht, die von der Munition der Hamas herrühren.

Fehler können bei der Interpretation von Bildern, dem Weitergeben von Informationen und der Eingabe der Zielkoordinaten gemacht werden. Wir wissen noch nicht, was bezüglich der vier Jungen geschah, die auf tragische Weise am Strand von Gaza getötet wurden. Aber es ist nicht glaubhaft, dass sie von der israelischen Armee als Kinder identifiziert und dann absichtlich getötet wurden.

Lenkwaffensysteme können manchmal Fehlfunktionen aufweisen und Bomben, Kugeln oder Raketen können das Ziel verfehlen. Selbst die besten Hi-Tech-Kommunikationssysteme können in Momenten, in denen es darauf ankommt, versagen.

Nirgendwo sind diese Fehler so häufig und katastrophal wie bei Bodeneinsätzen, wo Kommandeure und Soldaten dem Chaos, dem Lärm, dem Rauch, der Angst, der Erschöpfung, der Gefahr, dem Schock, der Verstümmelung, dem Tod und der Zerstörung ausgesetzt sind, die jenseits des Vorstellungsvermögens unserer Interviewerin in ihrem klimatisierten Fernsehstudio liegen.

Diese Fehler und dieses Versagen passieren in allen Armeen und in allen militärischen Konflikten. Und in allen Konflikten gehört zu den Fehlern auch der Tod von Soldaten durch irrtümlichen Beschuss aus den eigenen Reihen. Denken diejenigen, die das Töten von palästinensischen Zivilisten als vorsätzliche Handlungen der IDF verurteilen, dass der Beschuss aus den eigenen Reihen auch mit Absicht geschah?

Die israelische Politik, keine Ziele anzugreifen, an denen sich Zivilisten aufhalten, kann jedoch in einer besonderen Situation bewusst außer Acht gelassen werden: Wenn Truppen unter tödlichen Beschuss von Feinden geraten, ist die IDF berechtigt, das Ziel anzugreifen, selbst wenn dort mit Sicherheit Zivilisten getötet werden. Dies geschieht gemäß den allgemeinen Regeln der Verhältnismäßigkeit.

Erklärtermaßen ist das Leben israelischer Soldaten infolge restriktiver Einsatzregeln zur Verminderung ziviler Opfer einem größeren Risiko ausgesetzt. Und die Kommandeure vor Ort müssen ihre Sorge um Zivilisten gegen die Erhaltung des Lebens ihrer eigenen Männer und gegen die Effektivität des Kampfes abwägen.

Abgesehen von diesen Realitäten muss gesagt werden, dass alle palästinensischen Zivilopfer letztendlich zurückzuführen sind auf die Aggression der Terroristen gegen Israel und darauf, dass die Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht. Dies ist das Kernelement der Kriegspolitik der Hamas.

Waffen in dicht besiedelten Gebieten lagern und von dort abfeuern, Zivilisten zwingen zu bleiben, wenn diese aufgefordert wurden, das Kampfgebiet zu verlassen, israelische Truppen in Situationen locken, in denen die palästinensische Bevölkerung angegriffen und getötet wird – all dies tut die Hamas, weil die palästinensischen Opferzahlen unverzichtbar sind für ihre Kriegspropaganda, die darauf zielt, den internationalen Druck auf Israel zu erhöhen und anti-israelischen und antisemitischen Hass weltweit zu schüren.

Diese abscheuliche Ausbeutung des Leidens der eigenen Bevölkerung und die Mittäterschaft der Medien wird nirgends zynischer demonstriert als in den Operationssälen des Gazastreifens. Ohne die geringste Beachtung für lebenswichtige Hygiene oder für die Betreuung, Privatsphäre und Würde der Verwundeten schieben palästinensische Offizielle enthusiastisch Kamerateams in die Notaufnahme während verzweifelte Chirurgen um das Leben eines blutenden, verletzten Kindes kämpfen.

 

* Oberst Richard Kemp befehligte die meiste Zeit seiner 30-jährigen Karriere in der britischen Armee Truppen, die an vorderster Front im Kampf gegen Terrorismus und Aufständische in Gefahrenherden wie dem Irak, dem Balkan, Südasien und Nordirland standen. 2003 war er Kommandeur britischer Truppen in Afghanistan. Von 2002 bis 2006 war er im britischen Joint Intelligence Committee tätig.