Die Hamas wurde reich, während Gaza in Armut fiel

 

Mit Multimillionen-Dollar Grundstückgeschäften, Luxus-Villen und Schwarzmarkt-Kraftstoff aus Ägypten erwarben die Machthaber von Gaza Milliarden, während der Rest der Bevölkerung mit einer Armutsrate von 38 Prozent und einer Arbeitslosenquote von 40 Prozent kämpfte.

 

 von Doron Peskin 

Veröffentlicht: 

07.15.14, 16:12 / Israel News

Während die Kämpfe das Leid der Bewohner von Gaza sicher noch verschlimmern, gab es für den Gaza-Streifen nie gute wirtschaftliche Aussichten. Vor dem jüngsten Konflikt lag die Arbeitslosenquote in Gaza bei ca. 40 %, wobei der Anteil derjenigen, die unter der Armutsgrenze leben, ähnlich hoch eingestuft wird.

 

Doch während ein Großteil der Bevölkerung von Gaza mit den Schwierigkeiten des Alltags umzugehen versuchte, scheint es, dass zumindest ein Bereich geringe Sorgen mit seinem Lebensunterhalt hatte: die Hamas-Führer und deren Mitarbeiter.

 

Multimillionen-Dollar-Geschäfte

Ismail Haniyya, der ehemalige Ministerpräsident der Hamas in Gaza, gehört zu jenen, die finanziell profitierten. Vor dem Jahr 2006 und dem schockierenden Wahlsieg der Hamas mit darauffolgender Herrschaft in der palästinensischen Regierung, wurde der 51-jährige Haniyya noch nicht als hochrangiger Mitarbeiter der Hamas im Gaza-Streifen betrachtet. Berichten zufolge gelang es Haniyya aber in den letzten Jahren, durch seine neu erworbene Führungsposition zum Millionär zu werden. Das ist eine ungewöhnliche Leistung angesichts der Tatsache, dass er in eine Flüchtlingsfamilie im al-Shati-Flüchtlingslager im nördlichen Gaza geboren wurde.

 

Im Jahr 2010 berichtete das ägyptische Magazin „Rose al-Yusuf“, dass Haniyya für eine 2.500 qm große Landfläche in Rimal in der schicken, strandseitigen Umgebung von Gaza-Stadt vier Millionen Dollar bezahlte. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, wurde das Land auf den Namen seines Schwiegersohns eingetragen. Seitdem gab es Berichte, dass Haniyya mehrere Häuser im Gaza-Streifen erwarb und auf die Namen seiner Kinder registrierte – was ihm keine Beschwerden bereitete, da er 13 Nachkommen hat.

 

Zumindest was seinen ältesten Sohn betrifft, scheint der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen zu sein, denn dieser trug, als er auf der ägyptischen Seite des Grenzübergangs Rafah festgenommen wurde, Millionen Dollar in bar bei sich, die er beabsichtigte, mit in den Gazastreifen zu nehmen.

 

Subventionierter Kraftstoff mit Gewinn verkauft

Laut Quellen aus Gaza, stammt Haniyyas Reichtum – wie bei anderen hochpositionierten Hamas-Leuten – vor allem aus der florierenden Tunnelindustrie. Demgemäß würden hochrangige Hamas-Leute, einschließlich Haniyya, 20 Prozent Steuern auf den gesamten Handel, der durch die Tunnel fließt, erheben.

 

Die Hamas erlebte ihre Blütezeit nach dem Sturz des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, als ihre Ursprungsorganisation – die Muslimbruderschaft – in Ägypten immer beliebter wurde.

 

Zu jener Zeit hatten die Hamas-Führer und ihre Mitarbeiter keine Angst, ihren pompösen Reichtum zu zeigen. Gazas Markt für Luxus-Villen, die mindestens eine Million Dollar kosten, boomte. Sie wurden zumeist von Menschen gekauft, die mit dem Hamas-Betrieb verbunden waren. Eine mit dem Immobilienmarkt vertraute Person aus Gaza brachte es zu jener Zeit mit einer Stichelei über einen Hamas-Kumpan, der kurz zuvor eine Luxus-Villa erworben hatte, auf den Punkt: „Vor zwei Jahren konnte er sich nicht einmal eine Packung Zigaretten leisten.“

  

Zur gleichen Zeit sorgte Khairat a-Shater, ein führendes Mitglied der Muslimbruderschaft in Ägypten und Leiter seines eigenen Geschäftsimperiums, dafür, mehrere Millionen in bar persönlich an hochrangige Verwaltungsbeamte im Gazastreifen sowie an Kommandanten des militärischen Flügels der Hamas zu überbringen.

 

Es gab hochrangige Hamas-Mitglieder, die es bevorzugten, das Geld an einem sichereren Ort als im Gazastreifen aufzubewahren und es in verschiedene ägyptische Aktiva, oft durch Geschäftspartnerschaften mit Beamten der Muslimbruderschaft, investierten. In einigen Fällen war Ayman Taha der Mann, der die Geschäfte im Auftrag der Hamas-Beamten durchführte und gewährleistete, dass sie ihre Dividenden in bar erhielten – ein Hamas-Gründer, der einst als einer ihrer wichtigsten Wortführer galt. Im Jahr 2011 zahlte Taha selbst USD 700.000 für eine dreistöckige Luxus-Villa im Zentrum des Gaza-Streifens. Vor einem Jahr wurde er beschuldigt, ein Agent für Ägypten zu sein.

 

Während der vergangenen drei Jahre entzündete sich auf den Straßen Ägyptens der Zorn gegen die Hamas, teilweise aufgrund ihrer finanziellen Gewinne, die sie wie es scheint auf Kosten des ägyptischen Volkes machte. Zum Beispiel erfuhren die Tunnel in Rafah, in der gebietsübergreifenden Stadt an der Grenze von Gaza und Ägypten, eine blühende Kraftstoffschmuggelindustrie vom Sinai aus. Der von der ägyptischen Regierung subventionierte Kraftstoff gelangte mit geringem Preis nach Gaza und wurde aber um das Achtfache verkauft. Diejenigen, die die größten Gewinne aus dem Kraftstoffverkauf schlugen, waren Hamas-Mitglieder, sogar dann, als Ägypten oftmals über Mangel für seine eigenen Leute berichtete.

 

Die Hamas ist längst eine Bewegung der Millionäre, sagt Professor Ahmed Karima von der Al-Azhar-Universität in Ägypten. Laut Karima zählt die Organisation nicht weniger als 1.200 Millionäre unter ihren Mitgliedern. Er gab jedoch nicht die genaue Quelle dieser Information an.

 

Maschals Einkaufszentrum

Aber nicht nur Hamas-Mitglieder im Gazastreifen wurden reich. Wie es scheint, ist der politische Führer Chalid Maschal ein weiteres Mitglied der Organisation, der Geldmittel der Hamas für seine eigenen Zwecke verwendete. 2012 berichtete eine jordanische Website, dass Maschal die Kontrolle über massive USD 2,6 Milliarden hatte, die zum Großteil in Banken in Katar und in Ägypten deponiert waren. Das sind sehr wahrscheinlich von der Hamas über die Jahre durch Schenkungen und Investitionen in verschiedene Projekte in der arabischen und muslimischen Welt angesammelte Vermögen. Es ist auch bekannt, dass die Hamas unter anderem in Immobilienprojekte in Saudi-Arabien, Syrien und Dubai investierte. Und den Berichten zufolge trennte Maschal nicht immer das Geld der Hamas von seinem eigenen.

 

Die Vertreibung der Hamas aus Syrien war ein schwerer finanzieller Schlag für die Bewegung. Im Jahr 2011, vor dem Beginn des Syrien-Konflikts, erreichte der Vermögensstand der Hamas in dem Land einen Wert von USD 550 Millionen. Abgesehen von Immobilienbeständen investierte die Hamas in verschiedene Handelsunternehmen, darunter ein Frachtunternehmen, das auf einen syrischen Geschäftsmann registriert war, der Moussa Abu Marzook, dem Stellvertreter von Maschal, nahestand.

 

Wie auch in anderen Bereichen, halten die Hamas-Führer in ihren Finanzgeschäften die Karten eng an ihre Brust und wahren ein hohes Maß an Geheimhaltung. Investitionen werden unter Verwendung von Familien und Mitarbeitern durch Tarnfirmen getätigt. Die mit Maschal verbundenen Firmen in Katar sind auf seine Frau und seine Tochter eingetragen.

 

Als er (nachdem er sich mit dem Assad-Regime aufgrund von dessen gewaltsamer Reaktion auf den Konflikt entzweite) gezwungen wurde, sein Büro in Damaskus zu schließen, erklärte Maschal, dass sein Platz in Katar sei. Dort behauptete er, dass USD 12 Millionen, die er im Safe in seinem Büro in Damaskus deponiert hatte, verloren gegangen waren. Nur wenige erkannten diese Geschichte an, und bis heute meint man, dass Maschal das Geld behalten und auf seine persönlichen Konten überwiesen hatte.

 

Zuverlässige Quellen behaupten, dass ein Projekt des Immobilien-Unternehmens Fadil in Katar mit Maschal sowie dessen Sohn und Schwiegertochter verknüpft sei. Das prestigeträchtige Projekt in Doha, der Hauptstadt Katars, umfasst den Bau von vier Türmen mit mehr als 27.000 Quadratmetern, darunter Büro- und Gewerbeflächen, die mit einem Einkaufszentrum mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern verbunden sind. Das Unternehmen gab nie seine Finanzierungsquelle bekannt.

 

Laut einem im November vergangenen Jahres veröffentlichten Bericht der Weltbank, rangiert der Gaza-Streifen hinsichtlich Armut an dritter Stelle in der arabischen Region und folgt nur auf den Sudan und Jemen. Der Bericht hält fest, dass die Armutsrate in Gaza bei 38 Prozent liegt. Darüber hinaus ist Gaza unter den 144 Ländern, die der Bericht umfasst, an 44. Stelle der Ärmsten, wobei sich die meisten der Länder mit einer höheren Armutsrate in Afrika befinden.