Aufstehen für die verfolgten Christen im Nahen Osten

 

Von Ronald S. Lauder*

 

Warum nur schweigt die Welt, wenn Christen im Nahen Osten und in Afrika abgeschlachtet werden?

 

In Europe und in den USA gab es nach dem tragischen Tod von Palästinensern im Gazastreifen, welche von der Terrortruppe Hamas als menschliche Schutzschilde missbraucht wurden, zahlreiche wütende Proteste und Demonstrationen gegen Israel.

Wie schon in der Vergangenheit kündigten die Vereinten Nationen gleich eine Untersuchungskommission an und scheinen ihre ganze Energie darauf zu verschwenden, Israel dafür zur Rechenschaft zu ziehen, dass es sich gegen die Attacken einer Terrororganisation auf seine Zivilbevölkerung zur Wehr setzt.

Den abscheulichen Massenmorden an Tausenden von Christen wird dagegen nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Nahen und Mittleren Osten sowie in Teilen Zentralafrikas verschwinden gerade ganze christliche Gemeinden, welche dort seit Jahrhunderten friedlich leben.

Vor einigen Wochen entführte und ermordete die Terrorgruppe Boko Haram hunderte von Christen im Nordosten Nigerias. Eine halbe Million christliche Araber wurden in dem dreieinhalbjährigen syrischen Bürgerkrieg bereits in die Flucht getrieben, und vom Libanon bis in Sudan werden regelmäßig Christen drangsaliert oder gar ermordet.

Vielleicht werden dereinst die Historiker auf unsere Zeit zurückblicken und sich fragen, ob wir unseren moralischen Kompass verloren haben. Bislang fand man in den Medien nämlich nur wenig über das brutale Terrorregime, das momentan den Norden des Iraks beherrscht.

In diesem seltsamen Sommer des Jahres 2014 übt sich UNO in vornehmer diplomatischer Zurückhaltung, und die Führer der westlichen Welt befassen sich lieber mit anderen Dingen.

Es sind keine Solidaritätsmissionen nach Syrien oder in den Irak geplant, ganz im Gegensatz zu Gaza. Und wo sind nur die vielen Kunst- und Kulturschaffen, die alternden Rockstars, wenn es um das Abschlachten der Christen in der Region geht? Sie lassen doch sonst keine Gelegenheit aus, Israel allen Übels zu bezichtigen.

Es war löblich, dass US-Präsident Barack Obama Luftschläge zur Rettung zehntausender Jesiden gegen die Mörderbanden der ISIS im Nordirak angeordnet hat, aber das allein wird nicht reichen, um der grotesken Welle an Terrorattacken dort Einhalt zu gebieten.

Es handelt sich nämlich nicht um eine lose Koalition von Dschihadisten, sondern um eine echte, gut organisierte Streitmacht, die nicht nur beim Töten von Menschen vor äußerst brutal vorgeht, sondern auch sehr erfolgreich ist, was die Finanzierung dieser Tötungsmaschinerie anbelangt. ISIS ist wahrscheinlich die Terrororganisation mit den größten Ressourcen weltweit.

Bis zum brutalen Mord am amerikanischen Journalisten James Foley, der vor laufender Kamera geköpft wurde, war die westliche Öffentlichkeit fast schon gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Menschen im Nordirak.

„Sie schneiden Kindern den Kopf ab und stecken ihn dann auf einen Spieß,“ berichtete der chaldäisch-amerikanische Geschäftsmann Mark Arabo jüngst auf CNN von einem Vorfall in einem Park in Mossul. Er fügte hinzu: „Immer mehr Kinder werden geköpft, ihre Mütter vergewaltigt und ihre Väter aufhängt.“

Allein letzte Woche flohen mehr als 200,000 Aramäer aus ihrer angestammten Heimat, der Gegend von Ninive. Sie mussten zuvor schon aus Mossul fliehen.

Die bislang vorherrschende Gleichgültigkeit im Westen gegenüber den Schlächtern des ISIS, und der allgemeine Fokus auf Israel, ist nicht nur fehlgeleitet, sie ist auch unanständig.

Im vergangenen Juni habe ich in einer Rede (http://www.worldjewishcongress.org/en/news/14819/budapest_convention_lauder_speaks_out_against_growing_assault_on_christians) vor tausenden von Christen in Budapest versprochen, dass ich als Jude nicht schweigen werde, wenn Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt oder diskriminiert werden.

Früher waren die Juden meist die verfolgte Minderheit. Heute sind die meisten jüdischen Gemeinden in den arabischen Ländern verschwunden, und Israel ist praktisch das einzige Land im der Region, in dem Christen ihren Glauben frei von Verfolgung praktizieren können.

Israel war auch eines der ersten Länder, welches Christen im Südsudan Unterstützung zukommen ließ.

Eine Allianz zwischen Juden und Christen macht Sinn.

Wir haben vieles gemeinsam, nicht nur die Bibel, sondern auch unsere moralische und ethische Normen.

Nun haben wir noch etwas gemeinsam: Wie die Juden werden Christen aufgrund ihres Glaubens verfolgt und ermordet, weil sie sich nicht wehren können -- und die Welt ihrem Leiden gegenüber gleichgültig ist.

Um diese abstoßende Welle der Gewalt ein Ende zu bereiten, müssen wir zusammenstehen. Wir sind all dem nicht machtlos ausgesetzt.

Ich schreibe dies als Bürger der stärksten Militärmacht der Welt, und als jüdischer Führer, der besorgt ist um seine christlichen Brüder und Schwestern.

Wir Juden wissen nur zu gut, was passiert, wenn die Welt schweigend wegsieht.

Die Todeskampagne muss gestoppt werden.

 

*Ronald S. Lauder, 70, ist Präsident des Jüdischen Weltkongresses.