Vegan im Land von Milch und Honig

Nanuchka ist ein beliebtes georgisches Restaurant in der Mitte von Tel Aviv – ein Pub, in dem am Abend Musik die Luft erfüllt und ausgelassen Alkohol getrunken wird. Noch vor wenigen Jahren bot das Lokal seinen Gästen traditionelle Mahlzeiten wie Khachapuri, ein Brot mit Käse, und Khinkali, fleischgefüllte Laberln.       

            

Veganer Smoothie (Foto: phasinphoto)

Doch dann entschied sich Nana Shrier, die Inhaberin, sich ausschließlich vegan zu ernähren – in einem Land, das prozentual die meisten Veganer vorzuweisen hat. Folglich gestaltete sie auch die gesamte Speisekarte ihres Restaurants ohne Fleisch- und Milchprodukte, obwohl Freunde und Kollegen ihr davon abrieten. Die Israelis lieben das aber und das Geschäft läuft besser als zuvor.

Veganer verzichten auf tierische Lebensmittel. Dabei sind sie noch strikter als Vegetarier und essen keine Eier, keinen Käse und trinken keine Milch. Zudem vermeiden sie Produkte aus Leder, Wolle und Seide. Nana meint, das Konsumieren von Tieren sein nicht human und ungesund. „Ich mag es nicht“, sagt sie naserümpfend, „Ich fühle den Körper des Tieres in dem Steak, ich spüre das Tier in dem Filet, und das Blut. Ich mag das nicht so sehr.“ Es gebe noch einen anderen Vorteil, wenn man sich vegan ernährt, argumentiert sie weiter. Oft fühlten sich Menschen müde und lethargisch, nachdem sie ein Steak oder einen Cheeseburger gegessen haben. „Wenn man vegan isst, hat man viel mehr Energie, um gute und schöne Dinge zu tun.“ Lachend bestätigt sie, dass Veganer „natürlich“ auch besseren Sex hätten als fleischessende Menschen.

Der vegane Trend ist in Israel so populär, dass auch die israelische Armee begonnen hat, ihren Soldaten vegane Küche, Stiefel ohne Leder und wollfreie Baretts anzubieten. Das Essen sei zwar nicht nennenswert gut, meint eine Soldatin aus dem Süden von Israel. Sie sei aber glücklich darüber, die Option zu haben, Couscous und Linsen anstatt Schnitzel und Schawarma essen zu können. Aus Liebe zu Tieren ist sie bereits als Kind Vegetarierin geworden, doch erst vor kurzem hat sie sich für eine vegane Lebensweise entscheiden. Für die Soldatin ist diese Einstellung so wichtig, dass sie nur da dienen wollte, wo sie ihre vegane Ernährung sicherstellen konnte. Das Argument, dass es widersprüchlich sei, als vegane Soldatin in einer Kampfeinheit zu sein, währt sie ab. „Wie ich Tiere verteidigen möchte, so möchte ich auch Menschen verteidigen. Deshalb bin ich in einer Kampfeinheit und deshalb bin ich in der Armee.“

Fünf Prozent der Israelis sind Veganer und die Zahl ist stetig steigend. Etwas mehr als 400 vegan-freundliche Restaurants gibt es bereits, darunter die erste vegane Domino-Pizzeria der Welt.

(BBC News, 25.1.2016)