Wie Lauren Bacall mit Antisemitismus konfrontiert wurde und ihn überwand

Die Cousine von Schimon Peres war selbst eine leidenschaftliche Wortführerin

 An den Antisemiten vorbei pfeifend: Lauren Bacall, hier zu sehen 1951, starb am 12. August im Alter von 89 Jahren.

Von Benjamin Ivry, Forward

Übersetzung: Maria Kallenberg

Veröffentlicht am 13. August 2014, Ausgabe vom 15. August 2014

This article originally appeared in English at forward.com, August 13, 2014

Trotz all ihrer auf dem Bildschirm gezeigten Verwegenheit und ihrem Draufgängertum dabei,  Bogie beizubringen, wie man pfeift, verbrachte Schauspielerin Lauren Bacall, verstorben am 12. August im Alter von 89, einen guten Teil ihrer Karriere furchtsam damit, Hollywoods Antisemitismus auszuweichen. Geboren als Betty Joan Perske in der New Yorker Bronx würde sie später eine geänderte Version des Namens ihrer rumänisch-jüdischen Mutter Natalie Weinstein-Bacal annehmen, da die Erfahrung sie gelehrt hatte, dass es zweckmäßig war, das zu tun.

In ihrer Autobiografie von 2006 "By Myself and Then Some" berichtet Bacall, wie sie als Teenager-Model entlassen wurde, nachdem sie einen Kollegen informiert hatte, dass sie Jüdin sei. Diese nachteilige Behandlung verblüffte sie: "Ich habe es nie wirklich verstanden, und ich habe die erste Hälfte meines Lebens damit verbracht, mir deswegen Sorgen machen."

Der Antisemitismus der übrigen Welt war besonders schockierend angesichts der sehr liebevollen rumänisch-jüdischen Atmosphäre, in der sie erzogen wurde. Später im selben Buch erklärt sie: "Wenn ich in meinem bisherigen Leben zurückgehe, steht das jüdische Familiengefühl stark und stolz, und endlich kann ich sagen, dass ich froh bin, dort herzustammen - ich würde diese Wurzeln -  diese Identität - nicht eintauschen." Doch als sie zum ersten Mal unter Vertrag mit Regisseur Howard Hawks in Hollywood ankam, wie sie der New York Times im Jahr 1996 sagte, erzählte sie Hawks nicht, dass sie "Jüdin war, denn er war antisemitisch und ich hatte wahnsinnige Angst vor ihm... Er hat mich so nervös gemacht, ich habe nichts gesagt. Ich war feige, muss ich sagen. Ich war nicht stolz auf mich."

Zum Glück für die Fans von Liebesgeschichten vor und nach Drehschluss brachte sie das Thema zur Sprache, nachdem sie sich in Humphrey Bogart verliebte, und sagte dem People-Magazin im Jahr 1979: "Ich war einmal von einem Kadetten der West Point-Militärakademie um eine Verabredung gebeten worden und es kam das Thema Religion auf. Er hat nie zurückgerufen, und ich war sicher, es war, weil ich eine Jüdin war. Als ich mich also in Bogie verliebte, wusste ich, dass ich verdammt nochmal reinen Tisch machen musste. Natürlich war er der letzte Mann auf Erden, den es gestört hätte." Dennoch behaupteten Studio-Pressesprecher, als "Haben und Nichthaben" (1944) uraufgeführt wurde und sie zum Star machte, dass Bacall "Tochter von Eltern [ist], deren amerikanische Herkunft mehrere Generationen zurückgeht", und vergaßen, dass ihre Mutter wie so viele andere jüdische Zuwanderer durch Ellis Island ging.

Und so ging das dann. Als eine sinnlichen Blondine war Bacall einem inneren Hollywood-Kreis als Jüdin bekannt, obwohl sie nie explizit eine auf dem Bildschirm spielte, auch nicht, als sie als Barbra Streisands Mutter in "Liebe hat zwei Gesichter" besetzt wurde (1996). Vielleicht spiegelt sich Bacalls Yiddishkeit am besten in ihren festen ethischen Grundsätzen, da sie bereit war, die Sichtweise einer Minderheit einzunehmen, wenn sie es für richtig empfand. Wie sie Larry King im Jahr 2005 sagte, war sie "anti-republikanisch… Eine Linke. Das L-Wort. Links zu sein ist das Beste, was man auf der Welt sein kann. Man heißt alle Menschen willkommen, wenn man links ist. Man ist nicht kleingeistig."

 Zeichen ihrer nicht vorhandenen Kleingeistigkeit beinhalteten, gegen die anti-kommunistische Hexenjagd des House Un-American Activities Committee zu protestieren und auf persönlicher Ebene zwei der tatkräftigsten Trinker und Radaubrüder zu heiraten, Humphrey Bogart und Jason Robards; beide inspirierten nicht zufällig auch Schauspieler und grundanständige, humane Menschen. Wählerisch bei Filmrollen, entschied sie sich für abgedrehte Figuren wie eine lesbische Schurkin in "Der Mann ihrer Träume" (1950), die Kirk Douglas für eine andere Frau verlässt.

Sie verweigerte kitschige Gags wie z.B. am Grauman's Chinese Theater in Zement zu posieren, wählte stattdessen denkende Parts, wie z.B. eine Beraterin für psychische Gesundheit in "Die Verlorenen" (1955) und eine ähnliche medizinische Rolle, doch dieses Mal als Schurkin, in "Der Mörder mit der Gartenschere" (1964). Sie frequentierte den Broadway, wenn beim Film Rollen rar waren, und nachdem ich sie in ihrem Broadway-Abschied "Waiting in the Wings" (1999) gesehen habe, kann ich nur sagen, dass ihre Bühnenpräsenz für einen Filmstar außergewöhnlich stark blieb, auch später im Leben.

Nie der Macht um ihrer selbst willen schmeichelnd, war sie im Jahr 1984 höflich begeistert, als ihr Cousin Shimon Peres zum Premierminister von Israel gewählt wurde, denn er entstammte der Seite der Familie ihres entfremdeten Vaters, die Perskis, die sie seit Jahrzehnten gemieden hatte. Später besuchte sie Peres in Israel bei einer gesellschaftlichen Einladung, vielleicht als eine Geste der Versöhnung. Nie versöhnen musste sich Bacall mit ihren Generationen von begeisterten Fans, die sie mit Recht für fast 70 Jahre als Inbegriff einer willensstarken, unabhängigen Frau bewunderten.