Al-Quds-Tag 2016 – Nur Hass gegen den Zionismus und Israel?

Wie der Antisemitismus auf leisen Sohlen durch Wien spaziert

 Von Samuel Laster                         03.07.2016


Die Veranstalter des Al-Quds-Tages in Wien bemühen sich in letzter Zeit sehr, ihre jährlich stattfindende Demo nicht als antisemitische Hetze aussehen zu lassen. Der Antisemitismus marschiert auf leisen Sohlen und in einer Form, gegen die ein Rechtsstaat wie Österreich nur sehr schwer etwas unternehmen kann.

Die erste Reihe mit einer Mauer-Tradition beim Al-Quds-Tag in Wien

Um 16:20 ging es am Samstag los, etwa 400 Personen waren dabei, marschierten vom Westbahnhof die Mariahilfer-Straße entlang. Transparente wurden mitgeführt, die unmissverständlich Israel an den Pranger stellten. Israel war Hauptziel des Hasses in den Parolen und auf den Transparenten.  "Die Juden wollen uns Palästina wegnehmen", erzählt mir ein 9-jähriger Bub und wachtelt stolz mit einer großen Fahne in den palästinensischen Farben. Er kommt aus Hall in Tirol, die gesamte Familie ist bei der Demo, etwa  90 "Schlachtenbummler", als Verstärkung für die schiitische Gemeinde in Wien.

Problematische und verhetzende Botschaften beim Al-Quds-Tag in Wien


Den Al-Quds-Tag rief das iranische Mullah-Regime ins Leben. Jedes Jahr wird am Ende des Ramadan gegen Israel und für die Rechte der Palästinenser demonstriert, so verkaufen das zumindest die Veranstalter. KritikerInnen werfen der Demo Hetze gegen Israel und Antisemitismus vor. Nicht nur im Iran werden beim Al-Quds-Tag Losungen wie "Tod Amerika, Tod Israel, Tod den Juden" skandiert. In Wien wird versucht den tatsächlich stark antisemitischen Charakter dieses Tages zu kaschieren. "Gegen Israel, nicht gegen Juden", ist eine der internen Aufträge und mit der Polizei auch so abgesprochen, siehe dazu .  Die Losungen werden vorher ausgeteilt. "Zionisten sind Faschisten", heißt es da oder "Kindermörder Israel". Einige Passanten klatschten begeistert Beifall. "Endlich macht jemand etwas gegen Juden", sagte mir ein junger Türke, der als Passant besonders heftig applaudierte.

Starkes Polizeiaufgebot bei der Demonstration am Samstag


IKG-Präsident Oskar Deutsch, Sozialdemokrat Peter Florianschütz (von den organisierten FreundInnen Israels), sowie sein konservativer Stellvertreter Figl wollten ein Verbot der Demonstration. "Es ist absolut unverständlich, weshalb ein Regime wie der Iran, von vielen - auch von Österreich - hofiert wird, in dem Karikaturenwettbewerbe zur Leugnung des Holocaust stattfinden und Antisemitismus zur Staatsräson gehört", so Karin Stanger (GRAS) von der ÖH zur Al-Quds-Demo. Die Gegendemonstration zum Al-Quds-Tag konnte nur etwa 80 israelfreundliche Menschen mobilisieren. Ein breites Bündnis verschiedener Gruppen unterstützte/organisierte diese Demo, die ein wenig wie ein schriller, schlecht organisierter "Kindergeburtstag" wirkte, die Parolen waren für die TeilnehmerInnen des Al-Quds-Marsches überhaupt nicht zu verstehen. Die Polizei war sehr professionell und verhinderte ein direktes Zusammenstoßen beider Demos.


Die Al-Quds-Demo wird es auch im nächsten Jahr geben. Österreichs Behörden haben die "Politik der langen Leine" für Extremisten. An diesem Nachmittag schien diese Taktik aufzugehen. Friedlich ging die Demonstration um 17.30 am "Platz der Menschenrechte" beim Museumsquartier zu Ende.