Amoz Oz gewinnt Internationalen Literaturpreis 2015

Am Mittwoch (08.07.2015) erhielt der israelische Schriftsteller Amos Oz den Internationalen Literaturpreis 2015 vom Haus der Kulturen der Welt in Berlin für seinen Roman „Judas“. Gemeinsam mit ihm wurde auch Mirjam Pressler ausgezeichnet, die den Roman ins Deutsche übertragen hat. 

Der Internationale Literaturpreis ist mit 25.000€ für den Autor und mit 10.000€ für den Übersetzer dotiert. Er wird seit 2009 verliehen und zeichnet einen herausragenden Titel internationalerGegenwartsliteratur in deutscher Erstübersetzung aus.

Amos Oz | © Jerry Bauer/Suhrkamp Verlag

Die Jury begründete Ihre Wahl folgendermaßen: „Amos Oz gelingt es meisterhaft, in seinem Roman die großen Fragen und Konflikte der Religions- und Zeitgeschichte im Nahen Osten zu erzählen. Er verschränkt Antike und Gegenwart und stellt den Konflikt zwischen Judentum und Christentum der modernen jüdisch-palästinensischen Realität gegenüber. Der Autor reflektiert mittels seiner drei Roman-Figuren – des weltfremden, unentschlossenen Schmuel Asch, des greisen Zynikers Gershom Wald und dessen verwitweter Schwiegertochter Atalja Abrabanel – souverän sein politisch-historisches Wissen und schafft dadurch ein unkonventionelles Stück Weltliteratur. Der Roman Judas stellt die Frage nach dem Verhältnis von Judentum und Christentum anhand der biblischen Judas-Figur neu. Er verknüpft die Problematik des Verrats mit den realpolitischen Geschehnissen in der Gründungsphase des Staates Israel und im andauernden Nahostkonflikt. Das Geheimnis des Buches ist die Darstellung der Stimmungen zwischen den Konfliktparteien, gespiegelt in den Gesprächen zwischen den drei Protagonisten. Mirjam Pressler gelingt mit der deutschen Übersetzung eine feine Nuancierung des Atmosphärischen, das dieses kluge und mehrschichtig konstruierte Werk durchwirkt und trägt.“

Mirjam Pressler | © Uten Karen Seggelke/Belz & Gelberg

Amos Oz ist einer der renommiertesten Autoren Israels. Seine Werke, darunter unter anderem die Romane „Mein Michael“ und „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, wurden in 37 Sprachen übersetzt. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten.

(Botschaft/Haus der Kulturen der Welt, 09.07.15)